Weizen und Raps starten an der Euronext mit Rallye ins Jahr 2020

Rege Verladetätigkeit auf heimischem Markt - EU-Weizenexport 67% stärker als im Vorjahr

Wien, 10. Jänner 2020 (aiz.info). - Weizen und vor allem Raps starteten an der Pariser Euronext mit einer Rallye über den Jahreswechsel. Anziehende US-Märkte, nachdem die Farmer zur Ernte 2020 die kleinste Fläche seit 110 Jahren mit Winterweizen bestellt haben sollen, das Hitze- und Dürredesaster in Australien, brummende Drittlandexporte aus der EU und anziehende Preise am Schwarzen Meer halfen unter anderem dem März-Weizenkontrakt an der Euronext über die 190-Euro-Hürde auf ein Siebenmonate-Hoch. Der Raps-Future zur Lieferung im Februar knackte die 420-Euro-Marke und die neue Ernte nähert sich den 400 Euro an.

Stagnierend blieben die Notierungen von Mais und im Sojakomplex. Hier drücken große Ernten in Südamerika die Preise und die Ungewissheit, ob China nach der für 15. Jänner angekündigten Unterzeichnung des Phase-Eins-Abkommens zur Beilegung ihres Handelskrieges tatsächlich die von Präsident Donald Trump angekündigten Großeinkäufe von US-Agrargütern tätigen werde. Irritiert wurden die Märkte aus Sorge um die Exportchancen im Nahen Osten zwischenzeitlich von der Eskalation der Beziehungen zwischen den USA und dem Iran. Und letztlich dämpfte die Stimmung der US-Maisbauern die Meldung, China verschiebe den Start des für 2020 vorgesehenen E-10-Programms zur Beimischung von 10% Bioethanol zu Kraftstoffen auf unbestimmte Zeit, weil die Maisvorräte im Reich der Mitte zu stark geschrumpft seien. Neue Orientierung wurde zudem von dem am späten Freitagnachmittag zur Veröffentlichung anstehenden Jänner-WASDE-Report zu den weltweiten Versorgungsbilanzen erhofft. Marktbeteiligte erwarteten davon die Bestätigung des verringerten Weizenanbaus in den USA, eine Revision der Endlager nach unten sowie eine nach unten korrigierte Maisernte der USA. Dort stünden noch immer Bestände am Stamm und habe beim eingebrachten Erntegut das Zuviel an Nässe Qualitätsprobleme verursacht.

Heimischer Kassamarkt startet mit reger Verladetätigkeit ins neue Jahr

Das Marktgeschehen in Österreich startete diese Woche mit regen Verladungen von Getreide - insbesondere von Brotweizen - zur Erfüllung von Kontrakten mit in- wie auch ausländischen Mühlen in das Jahr 2020. Bis Dreikönig ruhte die Branche weitgehend. Aus den vereinzelt dennoch getätigten Neuabschlüssen notierte die Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche Premiumweizen neuerlich höher als zuletzt vor Weihnachten, wobei die Oberkante des Preisbandes um 4 Euro/t auf nunmehr 185 bis 196 Euro/t zulegte. Ein Plus gab es auch am oberen Rand des Preisbandes für Qualitätsweizen, allerdings rutschte auch die Unterkante nach unten und drückte bei Notierungen von 175 bis 184 Euro/t leicht den Gesamtdurchschnitt. Unverändert blieb Mahlroggen bei 155 Euro/t.

Händler gehen - auch in Anbetracht der internationalen Entwicklungen - von einem festen Weizenmarkt in der zweiten Saisonhälfte aus und verfolgen mit besonderem Interesse vor allem den steilen Anstieg der Rapsnotierungen an der Pariser Euronext. Diese Preisaussichten - auch für die kommende Ernte 2020 - sollten eine positive Motivation für die heimischen Landwirte darstellen und die zuletzt stagnierende Rapsproduktion hierzulande wieder stimulieren.

Positive Signale von außen fehlen dementgegen dem heimischen Maismarkt. Unverändert zu den Letztnotierungen vor Weihnachten blieben die Wiener Notierungen von Sojaschroten und Ölkuchen.

EU exportierte bis Weihnachten um 67% mehr Weizen als im Vorjahreszeitraum

Laut den Kommissionsstatistiken exportierte die EU in den ersten 25 Wochen des Wirtschaftsjahres 2019/20 (Stichtag 22. Dezember) mit 13,402 Mio. t Weichweizen um 67% mehr als im Vorjahreszeitraum. Größter Kunde blieb mit 2,2 Mio. t Algerien, obwohl es im Zuge seiner erklärten Selbstbeschränkung von Weizeneinfuhren diese aus der EU um 29,8% gegenüber dem Vorjahr zurückfuhr. Es folgt Saudi-Arabien mit 1,7 Mio. t Hier erzielte die Union einen Zuwachs von 19,5% vor Ägypten mit 840.000 t und einem Plus von 26,6% und sehr überraschend China mit 730.000 t. Dabei gelang der EU - vor allem Frankreich - im Jahresvergleich fast eine Verzehnfachung (+998,5%) ihrer Weizenverkäufe. Die Lieferungen in den Sudan verdreifachten sich nahezu auf 550.000 t.

Die staatliche ägyptische GASC kaufte mit dieser Woche aus einer Ausschreibung 300.000 t Weizen aus Russland, Rumänien und der Ukraine zur Lieferung zwischen 18. und 29. Februar. Umgerechnet lagen die zugeschlagenen fob-Preise zwischen knapp 208 und gut 209 Euro/t und damit um gut 6 Euro/t höher als aus dem letzten Tender im Dezember. Weizen aus Frankreich, angeboten zu fob 209,88 Euro/t, kam diesmal nicht zum Zug, letztlich auch, weil die Transportkosten aus Frankreich um einige Euro höher sind als aus der Schwarzmeer-Region.

Frankreichs Weizenexport trotzt Streiks - EU bei Weizenpreis konkurrenzfähig

Dennoch meldet Frankreich trotz der Streiks von Eisenbahnern und Hafenarbeitern eindrucksvolle Exportzahlen. Die Verschiffung von Weizen erreichte demnach im Dezember mit 1,34 Mio. t den höchsten Wert seit Dezember 2013, wovon Drittlandexporte von 1,22 Mio. t den höchsten Monatswert seit vier Jahren darstellen. Algerien war die stärkste Exportdestination mit der Lieferung von 477.000 t im Dezember (Dezember 2018: 563.000 t). Insgesamt führte Frankreich im laufenden Wirtschaftsjahr 5,13 Mio. t auf den Weltmarkt aus. Trotz der Streiks hätten allein im Hafen von Rouen während des Dezembers 29 Schiffe mit 755.000 t Weizen beladen werden können.

Weizen aus der EU bleibt im Preiswettbewerb führend: Der Vergleich der EU-Kommission von Exportpreisen auf fob-Basis zum Stichtag 8. Jänner bei einem Kurs des Euro von 1,1301 USD sieht bei den fob-Preisen Weizen aus der EU mit umgerechnet 218 USD/t (+6 USD zum 25. Dezember) voran, vor Schwarzmeerweizen (221 USD/t, +3 USD zum 25. Dezember) und ganz deutlich vor Soft Red Winter aus den USA (251 USD/t, +6 USD zum 25. Dezember). Zugute kamen der EU jüngst ein schwächerer Euro und gestiegener Rubelkurs. (Schluss) pos

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