Weizen- und Rapskurse setzen ihre Rekordjagd an der Euronext fort

Österreichische Kassamarktpreise ebenfalls weiterhin im Aufwind - Sorge um teure Energie

Wien, 8. Oktober 2021 (aiz.info). - Ein starker Dollar, die Spannungen zwischen den USA und China, schwache Exporte sowie Erntedruck bei Mais und Sojabohnen bei gleichzeitig sehr guten Aussichten in Südamerika und letztlich über Erwarten große Sojalager ließen die Agrarterminbörsen in den USA diese Woche unterschiedlich entwickeln. In Europa hingegen setzten an der Euronext in Paris - angetrieben von brummendem Export mit schwachem Euro, starker Nachfrage, einer langsamen Maisernte sowie ungünstigem Wetter für den Herbstanbau in wichtigen Teilen Russlands, aber auch in den nördlichen Plains der USA und den kanadischen Prärien - die Weizen- und Maiskurse ihren Steigflug fort. Weizen stieß an neue Kontrakthochs, unterbrochen wurde die Rallye kurzzeitig lediglich von Gewinnmitnahmen. Und Raps, an dem in der EU akuter Mangel herrscht, kennt überhaupt nur noch eine Richtung: durch die Decke. Auch in Österreich weist das Preisbarometer weiter nach oben. Das Mittel des Preisbandes von Premiumweizen an der Wiener Produktenbörse übersprang am Mittwoch die Hürde von 300 Euro/t. Weltweit Sorge bereiten die explodierten Energiepreise. Diesel, Düngemittel, Trocknung, Transport - alle sind von starken Verteuerungen betroffen.

Am heimischen Kassamarkt blieben die Umsätze wegen der klaffenden Differenz zwischen Geld- und Briefkursen zwar bescheiden, aber doch kontinuierlich. Die Nachfrage sei wegen der guten Aufmischqualität größer als die Abgabebereitschaft. Dem Vernehmen nach hätten Mühlen doch wieder auch Abschlüsse über Brotgetreide für spätere Termine getätigt. Spotlieferungen dagegen fänden wegen des knappen Transportraums nunmehr weniger statt, und die Preise steigen hurtig weiter. An der Euronext in Paris stieg der Schlusskurs des Mahlweizens zur Lieferung im Dezember von 264,25 Euro/t am vorigen Freitag (1. Oktober) bis Donnerstag dieser Woche auf 269,25 Euro/t. Im selben Zeitraum befestigte sich der November-Maiskontrakt von 236,50 Euro/t auf 244,50 Euro/t. Raps kletterte auf 676,25 Euro/t. Die Kurse aller drei Pariser Agrarderivate für die kommende Ernte 2022 und auch für spätere Liefertermine der aktuell vermarkteten Ernte 2021 liegen in einer inversen Entwicklung jedoch zum Teil deutlich unter jenen für die vordersten Liefertermine.

Schnitt des Preisbandes von Premiumweizen überspringt 300-Euro-Hürde

Am Mittwoch setzte die Wiener Produktenbörse die Notierung von Premiumweizen um 12,50 Euro/t auf 285 bis 320 Euro/t nach oben, die von Qualitätsweizen um 8,50 Euro/t auf 275 bis 290 Euro und die von Mahlweizen um 15 Euro/t auf 260 bis 280 Euro/t hinauf. Das Preisband des Premiumweizens ging zwar neuerlich sehr breit auf, doch heißt es, spiele sich die ernsthafte Handelstätigkeit Richtung Oberkante der Notierung bei 320 Euro/t ab.

Mais: Körnermaispreise zufriedenstellend - Transport und Trocknung sehr teuer

Ähnlich schwierig wie beim Brotgetreide seien Spotlieferungen von Mais abzuwickeln, Transportkapazitäten seien knapp und teuer. Angeblich schlechte Erträge in Ungarn stützen die heimischen Preisvorstellungen zusätzlich. Der Landwirtschaftskammer lägen indes Meldungen von Übernehmern und Produzenten über Erzeugerpreise für Trockenmais von netto zwischen gut 200 bis rund 230 Euro/t vor. Diese Preise und die Maiserträge hierzulande werden von Erzeugerseite als zufriedenstellend interpretiert. Lediglich die Kornfeuchtigkeit des Ernteguts sei noch recht hoch und die Trocknung sehr teuer beziehungsweise bei diesen Feuchtigkeitsgraden noch schwierig zu handeln.

Laut Landwirtschaftskammer dürften beide Verarbeiter - Jungbunzlauer und Agrana -kommende Woche mit den Erzeugerpreisen für Nassmais von bisher bei 30% Feuchtigkeit netto frei Fabrik in Pernhofen rund 140 Euro/t von 144 Euro/t frei Rübenplatz oder rund 149 Euro/t frei Werk Pischelsdorf um rund 4 Euro/t zurückgehen.

Europa sucht händeringend Raps - Preisrallye ohne Ende - Euronext durchstößt 680 Euro

An der Euronext in Paris scheint die Rallye der Rapspreise kein Ende nehmen zu wollen. Die Schlusskurse des Kontrakts zur Lieferung im November stiegen vom vorigen Freitag bis Donnerstag dieser Woche von 644,25 Euro/t auf 676,25 Euro/t. Ein Allzeithoch folgte dem anderen. Am Freitagvormittag durchstieß der Pariser Rapsfuture die legendäre Marke von 680 Euro/t. Insbesondere in der EU geht die Rapsproduktion kontinuierlich zurück, der Bedarf kann nur durch Importe gedeckt werden, und einer der wichtigsten Lieferanten am Weltmarkt, Kanada, verzeichnete heuer eine desaströse Ernte. Auch die aktuellen Quotierungen der Ölmühlen von Raps auf Großhandelsstufe in Österreich und seinem Umland spiegeln den europäischen Trend wider.

Aus Kanadas von Dürre auf ein 13-Jahres-Tief eingetrockneter Canola-Raps-Ernte wurden im aktuellen, am 1. August begonnenen Wirtschaftsjahr bisher im Jahresvergleich um 71% weniger ausgeführt. Über das ganze Wirtschaftsjahr 2021/22 sollen die Ausfuhren um 38% auf 6,5 Mio. t einbrechen. Damit stehen viele Importeure wie auch die EU im Regen - entweder bekommen sie gar keine oder nur sehr teure Ware. Der Canola-Future an der ICE in Winnipeg - die quasi den Weltmarktpreis machende Terminbörse - handelte am Donnerstag für den Liefertermin November bei knapp 632 Euro/t - um mehr als 70% teurer als vor Jahresfrist. In Händlerkreisen wird gerätselt, ob nun die Euronext in Paris der ICE in Winnipeg folgt oder schon Winnipeg der Pariser Terminbörse, die die Preise am händeringend nach Raps suchenden Markt in der Union wiedergibt.

Bewegung bei Ölsaaten - Sonnenblumenpreise beginnen anzuziehen

Eine erste Sojabohnennotierung von 595 Euro/t wurde von einigen Brancheninsidern mit Vorsicht aufgenommen, am Markt schwirrten schon Angebote von über 600 Euro/t. Bewegung scheint entgegen dem EU-Trend am durch weite und teure Transportwege vom günstigeren Angebot aus der Ukraine abgeschnittenen heimischen Markt bei den Sonnenblumenkernen zu kommen - auch hier stiegen die Preise.

Internationaler Weizenmarkt weiterhin fest gestimmt

Generell hält die starke Weizennachfrage am Weltmarkt an. Der Dezember-Weizenkontrakt an der Euronext näherte sich am Freitagvormittag unaufhaltsam der nächsten denkwürdigen Marke: 270 Euro/t. Die EU kann mit anhaltend rasanten Ausfuhren zurzeit von einem schwächeren Euro profitieren. Im Wirtschaftsjahr 2021/22 exportierte die Union laut Kommission bis zum 3. Oktober 8,07 Mio. t Weichweizen. Das sind um 2,51 Mio. t mehr als im Vorjahreszeitraum - und das, obwohl aus Frankreich und Italien die Daten der letzten Tage des Beobachtungszeitraumes nicht vorliegen und die Vorjahreswerte noch die Exportmengen der EU-28 einschließlich Vereinigtes Königreich wiedergeben. Selbst dass der größte Exporteur der EU, Frankreich, in der jüngsten Weizenausschreibung des weltgrößten Importeurs, Ägypten, gar nicht mitgeboten hat, nahmen die Pariser Weizennotierungen laut Händlerkreisen mit nicht einmal einem Achselzucken zur Kenntnis.

Vom starken Bedarf der Importeure insbesondere in Südostasien will in dieser Saison auch Indien profitieren. Der mit einer Rekordernte 2021 von 109,52 Mio. t zweitgrößte Weizenproduzent der Welt könnte 2021/22 seine Ausfuhren auf ein Acht-Jahres-Hoch von 4,2 Mio. t steigern, obwohl die fob-Preise in den vergangenen drei Monaten um gut 17% auf derzeit umgerechnet etwa 264 Euro/t gestiegen sind. Auf Basis cost and freight (c&f), also zugestellt im Zielhafen, sei man in Südostasien aber wettbewerbsfähig gegenüber russischen oder ukrainischen Herkünften, weil die Frachtkosten aus Indien um bis zu 13 Euro/t niedriger seien.

Russland erhöht Exportsteuer laufend - Ab Februar auch Quoten - Export stagniert

Russland erhöhte zum 6. Oktober die Exportsteuer auf Weizen neuerlich, und zwar um umgerechnet 3,71 Euro/t auf 49,82 Euro/t. Der der Berechnung der Abgabe zugrunde gelegte Referenzpreis liegt mit aktuell knapp 244 Euro/t deutlich unter den tatsächlichen Marktpreisen. Dies lasse laut Analysten in den kommenden Wochen laufend weitere Abgabenerhöhungen erwarten. So seien die tatsächlichen Marktpreise für russischen Exportweizen fob Schwarzmeer laut den russischen Analysehäusern die zwölfte Woche in Folge auf fast 265 Euro/t gestiegen.

Der Weizenexport im seit dem 1. Juli laufenden Wirtschaftsjahr fiel laut Sovecon bis Ende September mit 8,98 Mio. t wegen der kleineren Ernte und der Exportsteuer gegenüber dem Vorjahrszeitraum um 21,9% zurück. Laut Medienberichten plane die Regierung in Moskau ab Mitte Februar 2022 zusätzlich zur Besteuerung der Weizenausfuhren die Festsetzung von Exportquoten, um den Abfluss von Weizen und die galoppierende Lebensmittelinflation im Land zu bremsen. Deutsche Händler interpretierten dies als kurzfristig bearish, weil Exporteure sich bemühen könnten, noch vor den mengenmäßigen Beschränkungen Weizen außer Landes zu bringen, längerfristig aber als bullish, weil dann das Angebot am Weltmarkt kleiner werde. Russische Agenturen meldeten zudem, das Moskauer Agrarressort habe die Prognose für den Export von Getreide aus der Ernte 2021 von zuletzt 51 Mio. t auf 45 bis 48 Mio. t gesenkt. Zahlen für Weizen wurden dabei nicht genannt, in der vorigen Saison 2020/21 führte Russland 38,05 Mio. t Weizen auf den Weltmarkt aus und war damit die globale Nummer eins.

Die Herbstaussaat soll jüngst von starken Regenfällen behindert worden sein. Wegen des trockenen Wetters in Zentralrussland und der Wolgaregion sowie wegen der Exportsteuer rechnen Analysten, dass für die Ernte 2022 bis zu 1,2 Mio. ha weniger Ackerland mit Winterweizen bestellt werden könnten.

Ähnlich wie in Russland werde auch in Polen schon der Umstand virulent, dass ein starker Abfluss von Weizen in den Export die Versorgung des Inlandsmarktes verknappe und die Preise für Verfütterung sowie Vermahlung in die Höhe treibe und somit die Lebensmittelinflation anheize. Etwas Abhilfe verspricht sich Polen von einer großen Maisernte.

Die staatliche ägyptische GASC schlug dieser Tage aus einer Ausschreibung für Lieferung im November 240.000 t Weizen zu, davon 180.000 t aus Russland und 60.000 t aus Rumänien. Die Preise dafür - Rumänien war am billigsten - werden mit umgerechnet bis zu knapp 278 Euro/t angegeben, vorigen Monat konnte Ägypten noch um knapp 269 bis 274 Euro Weizen einkaufen. Frankreich legte unter anderem wegen der aktuell hohen Frachtkosten keine Offerte. Es heißt, Schiffstransporte aus Frankreich nach Ägypten seien um bis zu mehr als 12 Euro/t teurer als solche von russischen Schwarzmeerhäfen. (Schluss) pos

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