Weizen- und Sojabohnen-Nachfrage halten die Preise weltweit unter Dampf

Österreich: Weizenpreis stieg weiter - Bisher saisonübliche Menge vermarktet

Wien, 19. November 2021 (aiz.info). - Weltweit blieben Preise - vor allem von Weizen - trotz einer Rekordernte unter Dampf, denn sie können den noch stärker wachsenden Verbrauch letztlich nicht zur Gänze decken und die Reserven schrumpfen. Auch die heimischen Brotweizenpreise zogen in der abgelaufenen Woche dank der international gefragten Qualität insbesondere der Aufmischware neuerlich an.
 
Allerdings nehmen zwischenzeitlich institutionelle Anleger an den internationalen Terminbörsen immer wieder Gewinne aus Kurssteigerungen mit. Etwa geriet Raps an der Euronext am Freitag stark unter Druck. Doch bleibt der Gesamttrend noch ungebrochen. Der Dezember-Weizenkontrakt an der Euronext in Paris durchstieß am Donnerstag kurzzeitig die 300-Euro-Schallmauer auf ein Vierzehnjahres-Hoch und auf den höchsten Stand des Futures für diesen Liefermonat. Soft Red Winter an der CBoT in Chicago schaffte ein Neunjahres-Hoch. Mit jedoch anwachsendem Abstand ziehen die Weizennotierungen auch die von Mais, der global im Überschuss vorhanden ist, mit sich. Sojabohnen profitieren trotz Rekordernten in Südamerika auch vom Exportgeschäft der USA sowie Brasiliens und Argentiniens.
 
Russland - bislang größter Weizenexporteur der Welt - kämpft mit einer galoppierenden Lebensmittelinflation und versucht mit stetig steigenden Exportsteuern auf Weizenausfuhren gegenzusteuern. Seit 17. November erhebt die Regierung in Moskau einen Exportzoll von 77,1 USD/t (67,96 Euro). Zwar bremsten sich die Weizenausfuhren des Landes gegenüber dem Vorjahreszeitraum bisher um 33,8% ein, doch steigen wegen der starken Nachfrage der Importeure am Weltmarkt die Preise an den Exporthäfen am Schwarzen Meer weiter an. So sollen russische Händler auch mit einem der größten Weizenzuschussländer der Welt, Algerien, neu ins Geschäft gekommen sein.
 
Die Nachfrage vom Weltmarkt leert indes die Silos des neuen Nummer-Eins-Exporteurs von Weizen, nämlich die der EU, und treibt die Preise weiter in die Höhe - auch weil Logistik knapp und teuer ist. Hohe Weizenpreise könnten schließlich die Nachfrage in der EU vor allem aus der Mischfutterbranche, aber auch im Export dämpfen, warnte die französische Analyse Stratégie Grains am Donnerstag.
 
IGC schätzt weltweite Getreidebilanz noch negativer als vor einem Monat
 
Eine zum Vorjahr um 2,2% größere Rekordernte auf der Welt von Weizen und Futtergetreide einschließlich Mais von 2,287 Mrd. t im Wirtschaftsjahr 2021/22 kann den gleichzeitig um 2,9% auf ein Allzeit-Hoch steigenden Verbrauch von 2,290 Mio. t nicht decken. Somit schmelzen die weltweiten Getreidereserven zum Vorjahr um 2 Mio. t auf 600 Mio. t, den niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Diese Prognose veröffentlichte der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London am Donnerstag in seinem monatlichen Grain Market Report (GMR), dem letzten des Jahres 2021.
 
Weizenreserven der wichtigen Exporteure auf Neunjahres-Tief
 
Dabei bleiben die in der laufenden Saison um 4 Mio. t abschmelzenden Weizenlager mit einem Anteil von 35,04% knapp unter dem Vorjahresrekord. Doch schrumpfen die Weizenreserven bei den wichtigen Exporteuren (Argentinien, Australien, EU, Kanada, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA) auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren von 24,81% ihres Eigenverbrauchs beziehungsweise von 13,57% einschließlich ihrer Ausfuhren. Das heißt: Die Exporteure verfügen nach der Saison 2021/22 über Weizenreserven für knapp 91 Tage, um die eigene Bevölkerung zu ernähren, und für nicht einmal 50 Tage, wenn sie zusätzlich auch noch den Hunger ihrer Exportkunden stillen wollten.
 
In der EU ist diese, auch die Preistendenzen bestimmende sogenannte Ratio von stock to Use beim Weizen noch enger. Ihr bleibt Weizen für 11,99% ihres eigenen Bedarfs (knapp 44 Tage) beziehungsweise 9,01% einschließlich Exportbedarf (fast 33 Tage) als Reserve. Massenhaft - nämlich 46,77% der globalen Endlager und 87,58% beziehungsweise für fast 320 Tage - hortet hingegen China Weizen. Noch krasser sind Chinas Anteile an den Maisreserven.
 
IGC-Preisindex stieg seit Oktober leicht weiter an - Weizen auf Zehnjahres-Hoch
 
Der gesamte Getreide- und Ölsaatenpreis-Index des IGC (GOI) stieg seit Oktober leicht - um 1,5%, jedoch um 16,5% zum Vorjahr - weiter an. Dabei wurde eine Abschwächung des Subindex von Sojabohnen um 0,3% (+5,3% zum Vorjahr) mehr als kompensiert von Monatssprüngen des Weizensubindex um 5,0% (+44,1% zum Vorjahr), jenem von Gerste um 6,0% (+33,8% zum Vorjahr) und dem von Mais um 0,5% (+16,0% zum Vorjahr). Dabei erreichten die Weizenexportpreise unterstützt vom knappen Angebot bei den Ausfuhrnationen ihren höchsten Stand seit zehn Jahren.
 
Österreich: Weizenpreis stieg weiter - Bisher saisonübliche Menge vermarktet
 
Der österreichische Brotweizen- und -roggenmarkt sei in der abgelaufenen Handelswoche ruhig verlaufen, hieß es am Rande der Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse am Mittwoch. Dementsprechend dürften den Notierungen nur wenige Abschlüsse zugrunde liegen. Dies äußert sich bei der Premiumweizennotierung darin, dass nur ein Preis von 380 Euro/t am Kursblatt aufscheint. Dieser entspricht einem Zuwachs gegenüber der oberen Notierung des in der Vorwoche notierten Preisbandes von 5 Euro/t. An beiden Enden des Preisbandes legte neuerlich Qualitätsweizen auf 346 bis 365 Euro/t zu. Dazu betonen Marktteilnehmer, wegen des geringen Anteils an der Ernte spiele diese mengenmäßig nur eine untergeordnete Rolle am Markt. Mahlroggen verschwand überhaupt vom Kursblatt.
 
Zwar sei die Vermarktung des Brotgetreides bisher wegen des ausgeprägten Charakters eines Verkäufermarktes nur in jeweils kleinen Tranchen verlaufen, doch seien, so Marktteilnehmer, insgesamt durchaus saisonübliche Mengen abgesetzt worden. Es könne nicht von einer verknappten Versorgung der Verarbeiter gesprochen werden. Allerdings hätte dabei die auch international stark gefragte Qualität der heimischen Aufmischweizen aus der Ernte 2021 ihren Preis gehabt.
 
Ruhig hingegen bleibt trotz Nachfrage das Angebot inländischer Ölsaaten, und im internationalen Fahrwasser haben die Sojaschrotnotierungen von Importen ordentlich zugelegt.
 
Maisernte im Finale - Prämien für letzten Nassmais
 
Immer stärker kristallisiere sich heraus, dass sich die Maisernte - und damit auch die Nassmaiskampagne - hierzulande bei sehr guten Erträgen und zufriedenstellender Qualität doch allmählich dem Ende zuneige. Gleichzeitig werde Körnermais zügiger angeboten, und es habe sich ein repräsentativeres Preisniveau für Futter- und nun auch Industriemais bilden können. Futtermais notiert nun in Wien mit 240 bis 247 Euro/t und die Industrieware mit 240 bis 248 Euro/t.
 
Laut Landwirtschaftskammer erhöhe Agrana den Erzeugerpreis für die letzten noch am Stamm stehenden Nassmaisbestände in der kommenden Kalenderwoche 47 auf Basis 14% Feuchtigkeit um weitere 5 Euro/t netto. Damit ergibt sich bei 30% Feuchtigkeit netto frei Rübenplatz ein Preis von 152 Euro/t und frei Werk Pischelsdorf von 157 Euro/t. Dennoch werde im Zentralraum Niederösterreichs der größte Teil des Nassmais-Drusches getrocknet, denn es würden in dieser Region Trockenmaispreise von netto bis zu 250 Euro/t bezahlt. (Schluss) pos
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