Weizenkurse in Paris und Wien weiter im Steigflug - Rapsrallye unterbrochen

Die Notierungen von Weizen, Mais und Raps an der Euronext in Paris sowie die Kassamarktnotierungen der Wiener Produktenbörse hierzulande befestigten sich diese Woche noch weiter. Vor allem Weizen mit dem Knacken der 260-Euro-Marke am 1. Oktober und Raps erzielten neue Kontrakt- beziehungsweise Allzeit-Höchststände. In Österreich ist von einer "Nachdenkpause" die Rede. Verarbeiter von Brot- und Futtergetreide seien vorerst für die vorderen Termine gedeckt und wegen der Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der aktuellen Hausse vorsichtig, Abschlüsse für spätere Termine zu tätigen. Lagerhalter wiederum sehen sich bestärkt, höhere Briefkurse zu fordern. Das den Notierungen der Wiener Produktenbörse vom Mittwoch dieser Woche zugrunde liegende Geschäft gebe vor allem Abschlüsse über Spotlieferungen wieder, für die Beträge am oberen Rand der Preisbänder angelegt werden müssen.

Wiener Börse hebt untere Premium- und Qualitätsweizennotierung deutlich an

Wien, 1. Oktober 2021 (aiz.info). - Die Notierungen von Weizen, Mais und Raps an der Euronext in Paris sowie die Kassamarktnotierungen der Wiener Produktenbörse hierzulande befestigten sich diese Woche noch weiter. Vor allem Weizen mit dem Knacken der 260-Euro-Marke am 1. Oktober und Raps erzielten neue Kontrakt- beziehungsweise Allzeit-Höchststände. In Österreich ist von einer "Nachdenkpause" die Rede. Verarbeiter von Brot- und Futtergetreide seien vorerst für die vorderen Termine gedeckt und wegen der Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der aktuellen Hausse vorsichtig, Abschlüsse für spätere Termine zu tätigen. Lagerhalter wiederum sehen sich bestärkt, höhere Briefkurse zu fordern. Das den Notierungen der Wiener Produktenbörse vom Mittwoch dieser Woche zugrunde liegende Geschäft gebe vor allem Abschlüsse über Spotlieferungen wieder, für die Beträge am oberen Rand der Preisbänder angelegt werden müssen. Nach der jüngst geäußerten Skepsis verengten sich die Preisbänder von Premium- und Qualitätsweizen wieder auf ein normaleres Maß, indem die zuletzt angezweifelten unteren Notierungen für den Premium- und den Qualitätsweizen um 15 beziehungsweise 11 Euro/t auf 280 bis 300 Euro/t respektive 270 bis 283 Euro/t angehoben wurden.

Ebenso befestigten sich gegenüber den Letztnotierungen Mitte September Mahlroggen auf 240 Euro/t und Futtergerste auf 202,50 Euro/t deutlich. Qualitativ guter Mahlroggen ist knapp sowie gefragt und wurde bis zuletzt nur zurückhaltend abgegeben. Damit hielten auch Importe von Brot- und Futtergetreide weiter an. Dabei stiegen die Notierungen von Durumeinfuhren aus dem EU-Raum nach Niederösterreich neuerlich auf 473,50 Euro/t. Die EU-Kommission bewertet im Wochenbericht zu den Weltmarktpreisen von Getreide kanadischen Durum fob St. Lorenz Strom per 29. September auf umgerechnet 498 Euro/t (+3 Euro zur Vorwoche). An der Warenbörse in Bologna durchstieß die Durum-Notierung franko Region Emilia-Romagna die Schallmauer von 500 Euro/t.

Die Maisnotierung verschwand vom Kursblatt. Nachdem die Notierungen in der EU gestiegen sowie aus Ungarn schwache Erträge zu hören waren und sich hierzulande der Drusch verzögert hat, sank die Bereitschaft, Ware anzubieten.

Die Nassmaiskampagne nehme laut Landwirtschaftskammer Fahrt auf. Jungbunzlauer belasse kommende Woche den Erzeugerpreis für Nassmais frei Fabrik in Pernhofen mit 30% Feuchtigkeit bei netto rund 140 Euro/t. Agrana Stärke senke den Preis - ebenfalls netto bei 30% Feuchtigkeit - kommende Woche auf 144 Euro/t frei Rübenplatz und frei Werk Pischelsdorf auf rund 149 Euro/t. Diese Woche seien für freie Ware im niederösterreichischen Zentralraum Erzeugerpreise bis zu 154 Euro/t netto gezahlt worden.

An der Euronext in Paris stieg der Schlusskurs des Mahlweizens zur Lieferung im Dezember vom vorigen Freitag (24. September) bei 253,25 Euro/t auf 258,0 Euro/t am Donnerstag dieser Woche. Am Freitagmittag sprang der Weizenfuture auf 264,0 Euro/t. Die Schlusskurse des November-Maiskontrakts legten in diesem Zeitraum von 223,50 Euro/t auf 230,25 Euro/t zu und des November-Raps trotz einer Korrektur am Donnerstag von Allzeithoch-Höchstständen von 619,50 Euro/t auf 638,75 Euro/t. Am Freitagmittag drehte aber Raps an der Euronext wieder ins Positive und erreichte 639,25 Euro/t, und auch Mais stieg weiter auf 234,50 Euro/t. Die Kurse aller drei Pariser Agrarderivate für die kommende Ernte 2022 liegen allerdings deutlich unter jenen für die vordersten Liefertermine der Ernte 2021.

Insbesondere die Rapsrallye schien in den letzten Tagen kein Ende nehmen zu wollen. Gebremst wurde sie letztlich vom Sojakomplex an der Terminbörse CBoT in Chicago, nachdem der Quartalsbericht des NASS (National Agricultural Statistics Service) beim US-Landwirtschaftsministerium USDA höhere Lagerbestände an Sojabohnen auswies als von den Märkten erwartet worden war.

Fundamentale und externe Faktoren stützen insbesondere europäische Agrarmärkte

Fundmental kam vom vierteljährlichen NASS-Report mit Ausnahme des Sojakomplexes und von Mais am Donnerstag Unterstützung für den zuletzt an den US-Terminbörsen im Gegensatz zur starken Euronext schwächelnden Weizen. Demnach falle die Weizenernte der USA 2021 unter den Erwartungen des Marktes bei 44,9 Mio. t nach 49,8 Mio. t im Vorjahr aus, wobei vor allem die proteinreichen Sommerweizen um 44% und Durum um 46% unter das Vorjahresergebnis fielen, wohingegen die US-Farmer heuer um 9% mehr des schwächeren Winterweizens eingefahren haben sollen. Die gesamten Weizenlager in den USA seien demnach per 1. September im Jahresabstand um 18% auf 48,4 Mio. t abgeschmolzen, die von Durum um 34%.

Russland erhöhte zum 29. September die Exportsteuer auf Weizen um umgerechnet 2,33 Euro/t auf 45,81 Euro/t. Die Preise für russischen Exportweizen fob Schwarzmeer seien laut Analysten die elfte Woche in Folge auf gut 260 Euro/t gestiegen, die Exportmengen im seit dem 1. Juli laufenden Wirtschaftsjahr wegen der kleineren Ernte und der hohen Preise aber gegenüber dem Vorjahrszeitraum um 22% eingeknickt. Die Herbstaussaat soll jüngst von starken Regenfällen behindert worden sein.

Generell hält die starke Weizennachfrage am Weltmarkt an. Die EU kann mit anhaltend rasanten Ausfuhren zurzeit von einem schwächeren Euro profitieren. Am Dienstag dieser Woche schlug die staatliche algerische Getreideagentur OAIC mit rund 580.000 t Weizen optionaler Herkunft zur Lieferung aus Europa im November zu. Sie soll dafür c&f (cost and freight) umgerechnet gut 312 Euro/t bezahlen. Für Weizen aus der letzten Ausschreibung Ende August für bis zu 490.000 t war der Preis noch bei rund 303 bis 306 Euro/t gelegen. Händler schätzen nach dem Entgegenkommen der Algerier bei den Mindestkriterien für das Hektolitergewicht, dass Frankreich bis zu 70% des dieswöchigen Tenders befüllen könnte.

In der Weltwirtschaft allgemein beruhigte sich diese Woche die Angst vor einem größeren, von einem Zahlungsausfall des chinesischen Immobilienriesen Evergrande ausgehenden Finanzkollaps. Weiters ließen Signale der US-Notenbank Fed, bald von der Niedrigzinspolitik und von Aufkaufprogrammen von Anleihen abgehen zu wollen, den Dollarkurs steigen. Dies kommt wiederum europäischen Exporteuren mit einer höheren Wettbewerbsfähigkeit entgegen. (Schluss) pos

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