Weizenmärkte bei schlechter werdenden Ernteprognosen 2022/23 knapp versorgt

Gros der globalen Weizen- und Maisreserven in China - Gute Aussichten in Österreich

Wien, 15. Juni 2022 (aiz.info). - International bleibt die Versorgung insbesondere mit Weizen aus den kommenden Ernten 2022/23 eng, während sich bei Futtergetreide und Mais sowie Ölsaaten Überhänge abzeichnen. Nach dem Scheitern der Öffnung des Seewegs über das Schwarze Meer für Exporte aus der Ukraine bleibt die Logistik für Lieferungen aus dieser osteuropäischen Kornkammer auf den Weltmarkt eine zentrale Frage, denn alternative Exportrouten können nicht die notwendigen Mengen bewältigen. In wichtigen Weizenbaugebieten wie den USA, wo die Ernte bereits gestartet ist, aber auch in Frankreich, Italien und im Osten Europas verschlechtern sich die Ertragsaussichten. So schätzt das US-Landwirtschaftsministerium USDA die weltweite Weizenproduktion und die Endlager 2022/23 in der Juni-Ausgabe seines WASDE-Berichts etwas kleiner als vor einem Monat. Die Ernten und Endbestände von Futtergetreide, Mais und Sojabohnen setzt es hingegen hinauf. In Österreich kam neben Restdeckungen mit Brotweizen aus alter Ernte zuletzt wieder etwas Bewegung in das Geschäft mit neuer Ernte 2022 in allen Qualitätsstufen.

China hortet 53% aller Weizenvorräte und 70% der von Mais 

Bei den Weizenernten können höhere Schätzungen für Russland nach unten revidierte für Indien nicht kompensieren. Insgesamt bleibt die weltweite Weizenernte um 5,6 Mio. t hinter dem Vorjahresergebnis und steht 2022/23 ein um fast 18 Mio. t kleineres Angebot zur Verfügung. Das geringere Angebot rationiert auch den Weizenverbrauch Indiens sowie die Exporte. Mit 40 Mio. t Weizenausfuhren soll hingegen Russland das zweitbeste Ergebnis der Geschichte erzielen. Die für gut ein Drittel eines Jahresverbrauchs ausreichenden und vermeintlich komfortablen weltweiten Weizenreserven verteilen sich allerdings sehr ungleich: 53% davon - fast einen Jahresverbrauch - hortet China und behält dies dem Weltmarkt vor. Die großen Exporteure (Argentinien, Australien, EU, Kanada, Russland, Ukraine und USA) haben dementgegen Weizenreserven - berechnet am Eigenverbrauch und an den Ausfuhren - von nur knapp 14%.

Der WASDE setzt zum Vormonat die weltweite Futtergetreide- und Maisproduktion hinauf, wiewohl die Welt 2022/23 auch weniger Mais als vor Jahresfrist erzeugen wird. Ebenso erhöht sich die weltweite Endlagerprognose für Futtergetreide und Mais - insbesondere sollen Russland und der Ukraine mehr Mais überbleiben. Einen noch größeren Anteil - nämlich knapp 70% - hält China an den globalen Maisreserven. Die Ukraine - ein wichtiger Maislieferant für die von Importen abhängige EU - soll 2022/23 nur 9 Mio. t davon ausführen können, nachdem es 2021/22 noch 23 Mio. t waren. Die Importe der EU setzt das USDA nun um 1 Mio. t höher auf 16 Mio. t Mais an.

Gegenüber 2021/22 steigt hingegen die globale Ernte von Ölsaaten und dabei auch Sojabohnen. Da der Verbrauch von Sojabohnen nur moderater als das Angebot zulegt, bauen sich nach einem Jahr des Abschmelzens die Sojabohnenendlager wieder auf.

Frisches Interesse an neuer Ernte in Österreich - Bestände entwickeln sich gut

Trotz widersprüchlicher Signale von den internationalen Weizenmärkten mit einem Aufwind der Preise in der ersten Wochenhälfte und gleichzeitig jeder Menge billiger Angebote aus der Ukraine, wagten sich Verarbeiter dem Vernehmen nach doch aus der Deckung und es seien Kompromisse zwischen den auseinanderklaffenden Geld- und Briefkursen gefunden worden. Die Bestände würden sich in Österreich und in Westungarn gut entwickeln. Je weiter es in Europa nach Osten gehe, desto finsterer zeigten sich aber die Aussichten für die Weizenernte. Auch Roggen und Durum sei gehandelt worden.

Es wird weiter von schlechten Ergebnissen früh gedroschener Gerste aus Osteuropa berichtet. Auch beim Futtergetreide hätten abgesehen von Restdeckungen mit alterntigem Mais jüngst sowohl im Inland als auch überregional Abschlüsse für die neue Ernte stattgefunden.

Die Abkühlung der Ölsaatenpreise habe auch Ölmühlen im Umland Österreichs wieder Preisgebote für Ware neuer Ernte hinaushängen lassen. (Schluss) pos
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