Widersprüchliche Signale von internationalen Getreidemärkten

WASDE schätzt Lagerabbau bei Weizen unter Erwartungen - Nachdenkpause in Österreich

Wien, 10. Dezember 2021 (aiz.info). - Die internationalen Weizenmärkte schwächten sich diese Woche ab. Dazu trugen gute Ausblicke auf die Ernten 2022, steigende Ertragsaussichten bei den auf der Südhalbkugel laufenden Kampagnen Australiens und Argentiniens bei. Der WASDE-Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA schätzte am Donnerstag den Bestandsabbau von Weizen 2021/22 unter den Erwartungen der Märkte und drückte die Weizenkurse kurzfristig neuerlich. Dennoch fallen dem Report zufolge die weltweiten Weizenreserven in diesem Wirtschaftsjahr auf ein Fünfjahres-Tief. Dennoch erholte sich der Weizenkontrakt an der Euronext wegen der regen Exporte der EU am Freitag schon wieder. Den Ausfall der Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse wegen des Feiertages nutzte der heimische Kassamarkt zu einer offensichtlich nicht unwillkommenen Nachdenkpause angesichts der nicht eindeutigen Signale, wie es mit den Trends international weitergehen könnte.

Der mittlerweile tonangebende März-Weizenkontrakt in Paris stieg am Freitagmittag auf 285,50 Euro/t, nachdem sein Schlusskurs im Wochenabstand vom 2. auf den 9. Dezember von 295,75 Euro auf 282,50 Euro/t gefallen war. Das USDA hob am Donnerstag die Exportprognose für die EU um weitere 0,5 Mio. t auf 37,00 Mio. t an, womit die Union heuer den bisher führenden Exporteur Russland mit 36,00 Mio. t überholt. Innerhalb der Union sollen demnach Deutschland und die baltischen Staaten der bisherigen Nummer eins, Frankreich, bei den Weizenausfuhren zusetzen. Aus Russland wird eine überraschend hohe, dem ohnehin vorhandenen Exportpotenzial entsprechende Weizenexportquote Russlands von 9 Mio. t für den Zeitraum Februar bis Juni 2022 kolportiert. So fand in Kombination mit einer weiteren Erhöhung der Exportabgabe auf Russlands Weizenausfuhren diese Woche auf mittlerweile 84,90 USD/t (75,06 Euro) und ab 15. Dezember sogar auf 91,00 USD/t (80,45 Euro) auch die seit sechs Wochen laufende Rallye der russischen Weizenpreise vorerst ein Ende.

Im Gegensatz dazu konnten sich die Notierungen von Mais und Raps an der Euronext in Paris im Wochenabstand befestigen. Der Rapsfuture eroberte die 700-Euro-Marke zurück und kletterte am Freitagmittag für den Liefertermin Februar 2022 auf 717,00 Euro, nachdem er vor einer Woche am 3. Dezember noch bei 680,00 Euro/t geschlossen hatte. Auch für die US-Sojamärkte wirkte der WASDE-Bericht in Zusammenhang mit reger Nachfrage aus China belebend. Der Jänner-Kontrakt für den Mais an der Euronext legte in der abgelaufenen Woche bis zum Donnerstag von 243,75 Euro auf 246,00 Euro/t zu und befestigte sich am Freitag einen weiteren Tick von 0,25 Euro/t.

Nachdenkpause für den Kassamarkt in Österreich

Mit der diese Woche fehlenden Orientierung durch Notierungen an der Wiener Produktenbörse sprachen einige heimische Marktbeteiligte von frischer Nachfrage, andere wiederum von Ruhe. Offen bleibt auch Konkurrenz aus Deutschland. Und man fragt sich auch, wohin es international weitergeht. Stehe man mit erstem Blick auf die kommende Ernte 2022 wie öfters rund um den Jahreswechsel auch vor einem Stimmungswechsel am Markt? Oder stimuliere das Erwachen von frischer Importnachfrage am Weltmarkt in Folge einer Abschwächung der Preise die Märkte neuerlich? Beziehungsweise könne die in den ersten Druschergebnissen in Australien abzeichnende Knappheit hoher Weizenqualitäten den heimischen Aufmischweizen weiter befestigen?

Ein heftiger Wintereinbruch habe in Österreich jedenfalls - noch - nicht zur Entspannung der knappen Logistikkapazitäten geführt. Erst eine Schneeschmelze könne die weiter gesunkenen Pegelstände der Donau wieder steigen lassen, und auf Schiene und Straße gehe es so und so eng zu.

Globaler Lagerabbau beim Weizen unter Erwartungen - Weizenreserven aber auf Fünfjahres-Tief

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA schätzt in seinem aktuellen WASDE-Bericht zu den globalen Getreide-Versorgungsbilanzen den weltweiten Abbau der Weizenbestände im Wirtschaftsjahr 2021/22 zur Überraschung der Märkte eine Spur kleiner als im Vormonat. Dennoch fallen sie immer noch auf ein Fünfjahres-Tief. Die Endlager von Mais und Getreide insgesamt sollen etwas stärker anwachsen als zuletzt prognostiziert und die von Sojabohnen weniger zulegen.

Der weltweite Ausblick für die Weizenbilanz 2021/22 läuft nun auf etwas höhere Anfangsbestände, eine größere Ernte und somit auch ein höheres Angebot sowie auf einen stärkeren Verbrauch als in der November-Prognose hinaus. Daraus resultieren um 2,38 Mio. t mehr Weizenendlager und ein um 0,69 Mio. t kleinerer Lagerabbau um 11,46 Mio. t. Die Ernteerwartung für Futtergetreide erhöht sich um 2,7 Mio. t und die von Mais um 4,11 Mio. t. Dementsprechend soll es zu einem größeren Aufbau der Endlager bei Mais und Futtergetreide kommen, sodass auch die gesamte Getreidebilanz der Welt um 0,10 Mio. t weniger negativ ausfällt wie vor Monatsfrist.

Größere Anfangsbestände und Ernte überwiegen beim Weizen erhöhten Verbrauch

Die Änderung bei den Weizendaten beziehen sich auf größere Anfangsbestände in Australien und in der EU, nach oben revidierte Ernten Australiens (+2,5 Mio. t auf 34,0 Mio. t), Russlands (+1,0 Mio. t auf 75,5 Mio. t) und Kanadas (+0,7 Mio. t auf 21,7 Mio. t). Dennoch ernten Russland und Kanada signifikant weniger als im Vorjahr. Ebenso hebt der Bericht den weltweiten Weizenkonsum im Monatsabstand um 1,9 Mio. t an, weil unter anderem wegen der schlechten Qualitäten aus den verregneten Ernten mehr im Futtertrog landet. Bei den Importen sticht der um 1,5 Mio. t Weizen angehobene Rekord-Einfuhrbedarf des Irans von 7,0 Mio. t hervor. Die höheren Endlagerschätzungen betreffen Australien, Kanada und die USA.

Maislager der EU und Ukraine wachsen - Ölsaatenlager wegen kleinerer Ernten reduziert

Beim Mais schätzt der WASDE-Bericht Angebot und Verbrauch des größten Produzenten USA unverändert mit einem Lageraufbau um 6,5 Mio. t. Die Endlager der EU und der Ukraine werden jedoch nach oben revidiert ebenso wie die Erntemengen dieser beiden Produzenten.

Die globale Ölsaatenproduktion fällt geringer aus als im November, womit auch kleinere Endlager erwartet werden. Dabei setzt der WASDE die Rapsernte Kanadas weiter herunter und die Australiens hinauf. Die niedrigere Ernteprognose von Sojabohnen beruht vor allem auf einer Abwärtsrevision der Produktion Chinas um 2,6 Mio. t auf 16,4 Mio. t wegen einer Einschränkung des Anbaus. (Schluss) pos
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