Wissenschaftlicher Dienst der EU reduziert Ertragserwartung für Ernte

April in weiten Teilen Europas zu trocken und zu warm - auch Österreichs Erträge leiden

Wien, 19. Mai 2020 (aiz.info). - Der Wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission (JRC Joint Research Center) reduziert in seinem am Dienstag veröffentlichten monatlichen MARS (Monitoring Agricultural Ressources)-Bulletin auf Basis der Wetterdaten vom 1. April bis 15. Mai die Ertragserwartung für die Ernte 2020 in der EU. Das Bulletin revidiert die Schätzung für die durchschnittlichen Hektarerträge der Ernte 2020 in der EU gegenüber der April-Ausgabe für Weichweizen um 2,6%, Wintergerste um 4,9% und Raps um 6,1% hinunter. Besonders betroffen - ähnlich wie schon im April - von anhaltenden Niederschlagsdefiziten und überdurchschnittlichen Temperaturen seien große Teile West- und Zentraleuropas. Der Regen in den vergangenen zehn Tagen von verbreitet nicht einmal 30 mm habe nicht gereicht, eine für das Gedeihen von Winterkulturen und von früh gesäten Sommerungen ausreichende Bodenfeuchtigkeit wiederherzustellen. Der aktuelle Pflanzenzustand zeige sich generell schlechter als 2019.

Dem größten Weizenexporteur der EU, Frankreich, attestiert der Bericht eine schlechte Aussicht für die Winterkulturen. Sei es zuerst im April zu trocken gewesen, könnte nun exzessive Nässe Krankheitsdruck erzeugen und im Stadium der beginnenden Weizenblüte Fusarienbefall begünstigen.

Im April in weiten Teilen Europas bis zu 80% Regendefizit und 2 °C zu warm

Als besorgniserregende Regionen nennt das JRC die östlichen Landesteile Frankreichs und des Vereinigten Königreichs, die Benelux-Länder, die nördliche Hälfte Deutschlands, Westpolen, das südliche Tschechien und die westliche Slowakei, Österreich - hier vor allem der Osten -, Ostitalien, Slowenien, Ungarn und Kroatien. Besonders drastisch wirke sich die Dürre im Osten Rumäniens und außerhalb der EU im Westen der Ukraine aus. In all diesen Gegenden seien seit April die Niederschläge um 50 bis 80% unter dem langjährigen Durchschnitt (1979 bis 2019) geblieben und die Temperaturen um bis zu 2 °C darüber gelegen. Bessere Bedingungen herrschten im Mittelmeerraum und in Nordeuropa.

Für weite Teile Europas sagen die Agrarmeteorologen der EU-Kommission auch im weiteren Maiverlauf trockene Verhältnisse voraus - so auch für den äußersten Osten und Südosten Österreichs mit weniger als 5 mm bis 21. Mai. Etwas mehr Regen sollen das Wein- und Waldviertel sowie die Westbahngegend abbekommen und ausgiebigere der Landessüden und die alpinen Regionen.

Österreich hat unterdurchschnittliche Weizen- und Rapserträge zu befürchten

Die Auswirkungen der im April verschlechterten Wasserversorgung der Böden auf die Ernteerwartung bezogen auf Hektarerträge beziffert das MARS-Bulletin für Österreich bei Weichweizen mit einem Minus von 5,4% zum Fünfjahresschnitt und von 11% zur Ernte 2019 sowie 5,8% beziehungsweise 2,2% beim Raps und bei Wintergerste mit minus 5,8% zum Vorjahr, jedoch am Fünfjahresschnitt.

Frost und Dürre: Rumänien befürchtet ein Viertel bis zur Hälfte weniger Weizen

Rumänien, potenzielle Nummer zwei der Weizenexporteure in der EU, sei im Erntejahr 2020 gleich zweimal vom Wettergott geprüft worden, so Agenturberichte: zuerst im Winter mit Kahlfrösten und dann im Frühjahr mit Dürre. Schätzungen der heurigen Weizenernte reichten von 5 bis 7,4 Mio. t nach 10 Mio. t im Vorjahr. Agrarpolitiker sprechen von bis zu 100%igen Schäden an Weizen in zehn von 14 Verwaltungsregionen. Bei einem Eigenverbrauch von 2,5 bis 3 Mio. t stehe aber immer noch ausreichend Weizen für Exporte - etwa um den wichtigen Kunden Ägypten bedienen zu können - zur Verfügung. Dabei tröste man sich, dass die Trockenheit wenigstens keinen Mutterkornbesatz, auf den die ägyptischen Einkäufer besonders heikel seien, befürchten lasse. (Schluss) pos

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