19. Internationale Donaubörse suchte Lösungen für viele offene Gleichungen

Gauhs: Spürbare Anhebung der Stimmung auch dank des Wohlfühlfaktors
Außergewöhnliche - dramatische wie auch sich ständig ändernde - Umstände fordern sowohl Rohstoffproduzenten als auch Handel, Logistik und Verarbeitung heraus und lieferten den Stoff für die 19. Internationale Donaubörse am ersten September-Freitag in der Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien. Gastgeber und Börsepräsident Ernst Gauhs zeigte sich zufrieden: "Nach einem Angebotsschock mit dem Ausfall der Herbsternte und dem Dilemma in der Logistik zeigten die Branchengespräche, dass der Markt auf bestem Wege ist, Lösungen zu finden und umzusetzen. Dies sorgte für eine spürbare Anhebung der Stimmung, nicht zuletzt auch dank des Wohlfühlfaktors auf unserer Donaubörse."
 
Der Branchentreff lockte so wie in den Vorjahren wiederum deutlich mehr als 700 Besucherinnen und Besucher aus Landwirtschaft, Getreide- und Futtermittelhandel, Logistik und Verarbeitung aus ganz Europa nach Wien. Gauhs ortete dabei das Eintreten einer gewissen Entspannung, indem sich abzeichne, dass sich am Markt Preise und Kosten abbilden ließen. Vertreter der Landwirtschaft betonten, dass dies durch die gesamte Wertschöpfungskette hindurch spürbar werden und auch bei den Landwirten ankommen müsse. "Denn wir wollen nicht, dass unsere Bauern so wie in Russland den Anbau von Weizen deshalb einstellen, weil die Preise einfach unrentabel geworden sind", so ein Agrarier. Die Diskussion um die Versorgungssicherheit habe sich um die Notwendigkeit völlig neuer Ideen dafür gedreht. Wobei dem Handel, so ein Vertreter, die Aufgabe zukomme, "die Pipeline gefüllt zu halten".

Viele offene Gleichungen aufzulösen

Konkret wurde angesprochen, dass Mengenausfälle natürlich alle Beteiligten - vom Landwirt, über den Produktenhandel bis zur Verarbeitung - träfen und Erlöse kosteten. Es gelte, eine Situation wie in Russland zu vermeiden, wo gegenseitige Bombardements den Export treffen und Risikoprämien derart in die Höhe schnellten, dass letztlich die Rohstoffpreise dramatisch nachgeben müssten, um überhaupt noch im Geschäft bleiben zu können. Zur Ukraine war zu vernehmen, dass die EU zur Deckung ihres Maisdefizits alternative Bezugsquellen suchen müsse, da die Kapazitäten des Eisenbahnwesens den Ausfall des Seeweges nicht ersetzen könnten. Diese Alternativen ließen sich allerdings teuer bezahlen, wie sich an der Rallye der US-Maispreise ablesen lasse. Von "vielen offenen Gleichungen" war die Rede. Etwa am Sojamarkt: Trotz deutlicher Entschärfung der EU-Entwaldungsverordnung EUDR seien unverändert hohe Zertifizierungsprämien fällig, für Non-GMO-Sojabohnen hängten Verarbeiter zurzeit aber kaum Aufpreis-Prämien hinaus.

Österreich: Weizenernte 22,4% kleiner als 2025 aber sehr gut

Der heimische Weizenertrag fällt 2026 mit 1.240.000 t um 22,4% kleiner aus als im Vorjahr, so der Folder zur Weichweizenernte 2026 (siehe Downloads unten) von Bundesgremium des Agrarhandels, AMA - Agrarmarkt Austria Marketing, Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien und Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung. Laut Versuchsanstalt erzielte das Qualitätsweizengebiet ausgezeichnete 15,1% Proteingehalt und dementsprechend hervorragende 35,8% Klebergehalt. Das Mahlweizengebiet kam auf durchschnittlich 14,0% Proteingehalt - mehr als die Mindestanforderung der Produktenbörse von 12,5%. Die Stabilitäten im Farinogramm und die W-Werte liegen im Qualitätsweizengebiet im sehr guten Bereich, beim Mahlweizen im guten Bereich.

Gartner: Positive Perspektiven für Vermarktung

Peter Gartner, Vorsitzender des Fachausschusses Getreide im Bundesgremium des Agrarhandels, betont im Weizenfolder ebenfalls außergewöhnliche Herausforderungen. Die heimische Ernte 2026 sei wie in den meisten Ländern Europas aufgrund von Trockenheit und Hitze unterdurchschnittlich. Noch dramatischer sei die Situation bei den Herbstkulturen und insbesondere beim Mais. Damit gewinne die Verfügbarkeit von Futtergetreide besondere Bedeutung. "Die österreichische Weizenernte 2026 ist qualitativ sehr gut ausgefallen und weist überwiegend ausgezeichnete Klebereigenschaften auf." Sie sei kaum Krankheitsdruck ausgesetzt gewesen. "Durch das AMA Backwarensiegel wurde zusätzlich die Möglichkeit geschaffen, den in- und ausländischen Kunden im Rahmen eines nationalen Qualitätssicherungssystems eine nachhaltige und Ressourcen schonende Weizenproduktion zu garantieren. Die Perspektiven für eine erfolgreiche Vermarktung der österreichischen Weizenernte 2026 sind daher jedenfalls positiv", so Gartner. Da die Preisentwicklung aufgrund der geopolitischen Gemengelage längerfristig nur schwer einschätzbar sei, müsse man sich jedoch auch heuer auf eine spannende Vermarktungssaison einstellen.

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