Bullishe Momente lenkten Blicke der Getreidemärkte von reichlichem Angebot ab

USDA: Weizenexporteure mit engen Versorgungsbilanzen - wackeliger US-China-Grundsatzdeal

Wien, 13. Dezember 2019 (aiz.info). - Über Erwarten hohe Exportzahlen in den USA, Zuschläge Ägyptens für Weizen aus der EU, frische Weizennachfrage des Irans, aus Syrien und Tunesien, erste Prognosen, die Weizenernte der EU falle 2020 um 3,6% kleiner aus als 2019 sowie eine offensichtliche, aber am Freitag von chinesischer Seite wieder infrage gestellte Einigung zwischen den USA und China auf einen "Grundsatzdeal" zur Deeskalation ihres Handelsstreits beflügelten ab Donnerstag die internationalen Warenterminbörsen. Zuvor hatten die Märkte nach dem am Dienstag veröffentlichten monatlichen WASDE-Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA zu den globalen Versorgungsbilanzen den Fokus noch auf eine vermeintlich großzügige Versorgungslage gelegt. Der Weizenfuture an der CBoT in Chicago war auf ein Dreiwochen-Tief und der an der Euronext in Paris auf ein Zweiwochen-Tief gefallen. Am Donnerstag ging es dann sprunghaft nach oben: an der Euronext mit dem nunmehrigen Frontmonat März für den Weizen auf 183,25 Euro/t und mit dem Februar-Rapskontrakt knapp an die 400-Euro-Marke sowie auch mit Weizen, Mais und Sojabohnen in Chicago. Auch in Winnipeg setzte Canola-Raps zu einer Rallye an. Den Freitag starteten die Börsen - dies- und jenseits des Atlantiks - neuerlich mit grünen Vorzeichen. In Österreich befestigten sich die Kassamarktpreise für Standard-Brotweizenqualitäten, Futtergetreide sowie Raps weiter.

Das US-Landwirtschaftsministerium hob im Dezember-WASDE-Bericht für 2019/20 die Endlagerprognosen für Weizen, Mais, Getreide insgesamt und Ölsaaten zwar an. Die größeren Maisendbestände gehen aber auf das Konto Chinas, während sie der Report für den Rest der Welt leicht nach unten revidiert. Dasselbe gilt für die Prognose der Weizenreserven. Rund die Hälfte der globalen Weizenlager und zwei Drittel derer von Mais werden in China gehalten. Revisionen der Weizenernten in Argentinien, Australien und Kanada nach unten stehen nach oben korrigierten Produktionszahlen für die EU und Russland entgegen.

Übrigens teilte das USDA am Donnerstag auch mit, China habe seine Mindeststützpreise für die Ernte 2020 unverändert zu jenen von 2019 belassen - nämlich bei unglaublichen umgerechnet 320 USD/t (287,33 Euro).

USDA: EU und andere große Weizenexporteure mit engen Versorgungsbilanzen

Gegenüber dem November rosigere Aussichten für den Weizenexport der USA lassen dort nun niedrigere Endbestände - auf dem tiefsten Stand seit fünf Jahren - erwarten. Die Weizenausfuhren der EU belässt das USDA bei 29 Mio. t, woraus sich eine leicht höhere Endlagerprognose von 12,50 Mio. t und eine nach wie vor enge Bilanz mit einer Ratio von stock to use bei 9,8% ergibt. Der global sehr komfortablen Weizenversorgung mit 38,41% Endlageranteil am Verbrauch steht eine deutlich knappere mit 16,67% bei den großen Exportnationen (Argentinien, Australien, Kanada, EU, Russland und Ukraine) gegenüber. In der zum Vormonat größer geschätzten weltweiten Ölsaatenerzeugung werden nach oben revidierte Zahlen für Sojabohnen und Sonnenblumen teilweise von nach unten korrigierten für Raps kompensiert.

Strategie Grains schätzt Weizenernte der EU 2020 um 3,6% kleiner als 2019 - bullisher Ausblick

Die französische Analyse Strategie Grains legte diese Woche eine erste Prognose für die kommende Ernte 2020 in der EU vor. Insbesondere wegen eines "trostlosen" wie viel zu nassen Starts der Wintergetreide-Kampagne in Frankreich und auch Großbritannien geht die Analyse von einem Rückgang der Winterweizenfläche in der EU aus, der den Sommerkulturen zugutekomme. Demnach könnte die Weichweizenernte der Union 2020 mit 140,5 Mio. t um 3,6% kleiner ausfallen als 2019 (145,8 Mio. t). Im Anstieg sieht Strategie Grains 2020 dementgegen die Gerstenerzeugung mit 62,2 Mio. t nach 62,0 Mio. t und vor allem die von Mais mit 67,1 Mio. t nach 63,5 Mio. t. Ein Plus von 0,4 Mio. t auf 8 Mio. t wird auch beim Durum erwartet.

Obwohl aus der Ernte 2019 viel Gerste aus EU-Erzeugung und Mais vor allem aus Einfuhren aus der Ukraine am Markt sei und mit niedrigen Preisen Weizen in den Futterrationen konkurriere, zeichnen die französischen Analysten ein bullishes Bild für die Weizenpreise: Die Exportprognose 2019/20 für die EU liegt nahezu unverändert bei knapp 28,7 Mio. t und um 7,9 Mio. t höher als 2018/19 (20,8 Mio. t). Obwohl ab Jänner 2020 zollfrei in die EU einführbar nach zurzeit 12% Abgabenbelastung, sollte Weizen aus der Ukraine keine Konkurrenz darstellen, da die Preise in dem Schwarzmeerland jüngst deutlich angezogen hätten und die Ware praktisch ausverkauft sei. Zwar wolle Algerien, der wichtigste Kunde Frankreichs, seine Weizeneinfuhren zur Eindämmung von Verschwendung und Korruption mit 4 Mio. t deckeln, doch zweifelten Händler einerseits, ob die Nordafrikaner nicht doch mehr zu ihrer Versorgung kaufen müssten, und spricht Strategie Grains davon, dass sich mit konkretisierten Kaufabsichten des Iran für 2 Mio. t Weizen ein neuer Markt auftue. Dieser könnte zwar zum Teil von Russland bedient werden, doch fehle diese Ware dann für andere Märkte. Chancen täten sich im Iran vor allem für deutschen Weizen auf, da das Land höherwertige, wie von den Deutschen angebotene Ware mit 12,5% Protein suche. Der Iran ließ verlauten, bis kommenden März 3 Mio. t Weizen am Weltmarkt zukaufen zu müssen, wovon man 1 Mio. t schon aus Russland gedeckt habe.

Die "haussierende Stimmung" werde, so Strategie Grains, durch den Produktionsrückgang in der EU im kommenden Jahr unterstützt. Zudem erhöhte die französische Marktordnungsstelle FranceAgrimer am Mittwoch seine Prognose der Drittlandsexporte Frankreichs das dritte Monat in Folge auf nunmehr 12,2 Mio. t Weichweizen. Das sind um 26% mehr als in der Vorsaison und eine Steigerung um 1,2 Mio. t zur September-Prognose.

EU-Weizenexport bereits 63% über Vorjahreslinie - jüngster Erfolg in Ägypten

Der Weizenexport aus der EU nimmt noch stärker Fahrt auf. Laut EU-Kommission erreichten die Weichweizenausfuhren der Union nach 23 Wochen des Wirtschaftsjahres 2019/20 zum Stichtag 8. Dezember 11,947 Mio. t. Das sind um 806.439 t mehr als in der Vorwoche und der Vorsprung zum Vorjahresvergleichszeitraum stieg binnen Wochenfrist von 58 auf 63%.

Weizen aus der EU bleibt auch im Preiswettbewerb führend: Der Wochenvergleich der EU-Kommission zum Stichtag 10. Dezember bei einem Kurs des Euro von 1,1301 USD sieht bei den fob-Preisen Weizen aus der EU mit umgerechnet 207 USD/t (-2 USD zur Vorwoche) voran vor Schwarzmeerweizen (212 USD/t, +2 USD zur Vorwoche) und ganz deutlich vor Soft Red Winter aus den USA (238 USD/t, -1 USD zur Vorwoche).

Die Wettbewerbsfähigkeit schlug sich in einem Erfolg Frankreichs beim jüngsten, am Dienstag geschlossenen Weizentender der staatliche ägyptischen GASC nieder: Von Zuschlägen über insgesamt 355.000 t entfiel auf Frankreich mit 120.000 t das größte Stück vom Kuchen. Als fob-Preis nannten Agenturen 220,30 USD/t (198,88 Euro), und zuzüglich 18,04 USD/t (16,29 Euro) kommt der Weizen c&f (cost and freight) 238,34 USD/t (215,17 Euro) in Ägypten an. Weitere jeweils 60.000 t liefern Rumänien und die Ukraine sowie 115.000 t Russland. Der billigste russische Weizen wurde fob um 223,- USD/t (201,32 Euro) angeboten, der rumänische um 224,70 USD/t (202,85 Euro) und der aus der Ukraine um 222,50 USD/t (200,87 Euro). Rumänien, Russland und die Ukraine haben mit Frachtkosten zwischen 13,55 USD/t (12,23 Euro) und 14,97 USD/t (13,51 Euro) jedoch einen billigeren Transport, sodass die c&f-Preise aus Frankreich und vom Schwarzen Meer mit wenigen Cents Differenz letztendlich ziemlich gleichauf liegen.

Erstmalig seit Längerem präsentierten auch die USA diese Woche Exportzahlen, die für Bullenstimmung an den Börsen sorgten. Demnach lagen vom USDA veröffentlichte 502.700 t Weizen für die Woche bis 5. Dezember über den zwischen 200.000 und 400.00 t gelegenen Erwartungen der Händler ebenso wie 876.000 t (Händlerwartungen: 400.000 bis 800.000 t). Am Donnerstag schlug dann noch die Meldung privater Exporteure auf, 1,6 Mio. t Mais nach Mexiko verkauft zu haben. Dies ist der fünftgrößte Einzeldeal mit Mais in der Geschichte.

Grundsatzdeal USA-China noch nicht bestätigt

Während US-Präsident Donald Trump in einem Tweet nach zuvor an die Medien geleakten Berichten über eine erzielte Einigung bei Handelsgesprächen in Washington mit China am Freitag "einen großen Deal sehr nahe" sah, kritisierte Chinas Außenminister Wang Yi, die USA würden China in einer Reihe von Bereichen "unterdrücken" und hätten das Fundament des Vertrauens zwischen beiden Staaten "ernsthaft beschädigt".

Trumps Ankündigung und die Berichte über einen "Grundsatzdeal" kamen kurz vor Ablauf der Frist am 15. Dezember, an dem die USA eine neue Welle von Strafzöllen auf chinesische Warenlieferungen im Wert von 160 Mrd. USD (143,67 Mrd. Euro) in Kraft zu setzen gedroht hatten. Zuvor schon hat China Strafzölle auf einzelne Lieferungen von US-Agrargütern wie Soja und Schweinefleisch provisorisch ausgesetzt. Der Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt währt nun schon 20 Monate.

Dem kolportierten "Grundsatzdeal" zufolge hätten die USA auf die ab dem 15. Dezember neu verhängten Strafzölle verzichtet und außerdem bereits bestehende Zölle auf Importe im Wert von 360 Mrd. USD (323,25 Mrd. Euro) um bis zu 50% zurückgefahren. Im Gegenzug hätte sich Peking bereit erklärt, im Jahr 2020 Agrarprodukte im Wert von 50 Mrd. USD (44,90 Mrd. Euro) zu kaufen - doppelt so viel wie 2017 vor dem Handelskonflikt.

Österreich: Standard- und Futterqualität sowie Raps weiter fester

Der Trend am österreichischen Kassamarkt aus den letzten Wochen zur Befestigung der Preise im Standard-Brotgetreidesegment und bei Futtergetreide setzte sich auch jüngst fort. Die Wiener Produktenbörse notierte am Mittwoch dieser Woche Mahlweizen und Futtergerste neuerlich höher, wohingegen Premium- und Qualitätsweizen an der Unterkante ihrer Preisbänder leicht, aber, so Händler, nicht signifikant nachgaben. Ein leichtes Minus musste auch der Mahlroggen hinnehmen. Die derzeit für die Landwirte nicht sehr attraktiven Roggenpreise könnten sich durchaus auf das Anbauverhalten für die kommende Ernte 2020 niederschlagen.

Zum Geschäftsverlauf heißt es, für nahe Liefertermine bestehe durchaus noch Interesse, allerdings nur an kleinen Mengen. Es seien aber auch schon beträchtliche Mengen verkauft. Größere Abschlüsse würden weiter in die Zukunft bis zum Anschluss an die neue Ernte getätigt. Zurzeit sei man mit der Abwicklung des Weihnachtsgeschäfts beschäftigt, wobei die Logistikkapazitäten stark ausgelastet und knapp seien.

Als spannend wird nach wie vor der Durum-Markt geschildert. Die Preise seien anhaltend fest, zumal auch kanadische Ware bereits vergriffen sei. Ebenso konnte sich Rapssaat an der Wiener Börse neuerlich deutlich befestigen. Die Knappheit in der Versorgung der gesamten EU beflügle die Preise anhaltend.

In der Steiermark würden gerade die letzten Maisbestände eingebracht und die Trockner sollten in der Folge mit der Übernahme der Käferbohnen beginnen. (Schluss) pos

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