Unsicherheit über Exportbremsen und Regen in Südamerika stoppen Getreiderallye

Preissprünge auf heimischem Kassamarkt mit zeitlicher und wertmäßiger Verzögerung

Wien, 22. Jänner 2021 (aiz.info). - Unsicherheit über Exportrestriktionen Russlands, der Ukraine und Argentiniens, die Versorgung mit Soja und Mais entspannende Regenfälle in Südamerika sowie Gewinnmitnahmen stoppten diese Woche die Rallye an den internationalen Terminmärkten für Weizen, Mais, im Sojakomplex und auch bei Raps vorerst einmal. Dazu kamen Aussagen des frisch angelobten neuen US-Präsidenten Joe Biden und seiner Finanzministerin Jane Yellen, die USA würden auch weiterhin eine harte Handelspolitik gegenüber China verfolgen. Trotz der Korrekturen aber verharren die Notierungen nach wie vor auf hohem Niveau. Weiterhin herrscht am Weltmarkt starke Nachfrage insbesondere aus China von Weizen über Mais bis Soja, aber auch von anderen Importeuren von Weizen wie Algerien und der Türkei oder Saudi-Arabiens nach Gerste. An den Kassamärkten übersprangen die Exportpreise von Weizen in Russland und der Ukraine fob auf Schiffen in Schwarzmeerhäfen die Marke von 300 USD/t beziehungsweise umgerechnet gut 247 Euro/t. Mais für den Export aus der Ukraine kam fob auf umgerechnet bis zu knapp 211 Euro/t. Mit einigem zeitlichen und wertmäßigen Abstand folgten die österreichischen Kassamarktpreise sowohl für Brotweizen als auch Mahlroggen und Industriemais sowie deren dieswöchige Notierungen an der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche den internationalen Entwicklungen mit einem Sprung nach oben.

Mit einem Plus von 8 Euro/t hält Premiumweizen nun bei 204 bis 214 Euro/t. Qualitätsweizen legte um 2,50 Euro auf 194 bis 203 Euro/t zu und Mahlweizen um 0,50 Euro auf 193 Euro/t. Wie es aus Händlerkreisen heißt, herrsche hierzulande stetig Nachfrage nach Brotweizen der Ernte 2020 und ließen Euronext-Notierungen für die neue Ernte knapp an der 200-Euro-Schwelle Landwirte zunehmend nach Preisabsicherungsangeboten für Weizen aus der Ernte 2021 nachfragen.

Nach wie vor eher klein scheint die Preisspreizung nach den Qualitätsabstufungen beim Weizen. Dabei heißt es, der von den inländischen Mühlen am stärksten nachgefragte Mahlweizen sei aus heimischer Produktion seit Oktober 2020 de facto am Markt nicht mehr erhältlich. Deswegen würden auch Einfuhren aus dem EU-Raum vergleichsweise zu inländischer Ware so hoch notiert. Einen Notierungssprung um 18 Euro/t im Vergleich zum 9. Dezember auf 186 Euro/t verzeichnet Industriemais. Offensichtlich, so ein Marktbeobachter, habe die Verarbeitungsindustrie nun mit ihren Preisgeboten der neuen Realität knapp versorgter Märkte und offenen Bedarfs folgen müssen.

Keine Notierungen kamen an der Wiener Börse für Ölsaaten sowie ungewöhnlicher Weise auch für Eiweißschrote zustande. Die Rallye der Terminmärkte in den letzten Wochen dürfte die heimischen Marktteilnehmer vorerst an die Seitenoutlinie getrieben haben, heißt es.

Unsicherheiten und innenpolitische Debatten um Exportrestriktionen

Russland verunsicherte die internationalen Weizenmärkte in den letzten Tagen damit, ob die Regierung nun neben der Besteuerung der Weizenausfuhren mit 25 Euro/t ab 15. Februar und dann mit 50 Euro/t ab 1. März auch Exportquoten anwenden werde. Vor Weihnachten wurde angekündigt, ab Mitte Februar und bis Ende Juni den Export von Weizen, Roggen, Gerste und Körnermais mit 17,5 Mio. t zu deckeln. Die Exportzölle von 25 und später 50 Euro/t sollten für Ausfuhren innerhalb dieser Quote eingehoben werden, wohingegen Exporte über die Quote hinaus einem Sonderzollsatz von 50%, aber mindestens 100 Euro/t unterworfen werden sollten. Über das Ende von 2020/21 hinaus stellt die Moskauer Regierung ab 1. Juli variable Ausfuhrzölle in den Raum. Die Verunsicherung, ob das Quotenregime jetzt zusätzlich zu den erhöhten Zöllen kommt oder nicht, drückte die letzten Tage auf die internationalen Weizenkurse.

Von den Beschränkungen der Weizenexporte in Russland erwarten die Märkte einen Rückgang von bis zu 2 Mio. t pro Monat im verbleibenden Wirtschaftsjahr 2020/21. Diese Exportmengen könnten nun andere Anbieter verkaufen, weshalb die Maßnahmen Moskaus zur Dämpfung der Lebensmittelpreisinflation im Inland auch die Weltmarktpreise so stark befeuern. Jedoch gilt zum Beispiel die EU als einer der drei großen Weizenexporteure weltweit nach der schwachen Ernte 2020 jetzt schon als über-ausverkauft.

In Russland bekämpfen die Getreideproduzenten die Beschränkungen ihrer Ausfuhren durch die Regierung. Gleiches spielt sich gegenüber ähnlichen Regierungsvorhaben in Argentinien und in der Ukraine ab. In der Ukraine stehen dabei die Exportinteressen der Getreideproduzenten den Interessen der Veredelungsbetriebe nach ausreichender Versorgung und moderaten Preisen entgegen.

Am Freitag gingen die Korrekturen der Notierungen auf beiden Seiten des Atlantiks - sowohl in Chicago an der CBoT als auch in Paris an der Euronext - weiter. An der Euronext fiel der März-Weizenkontrakt am Freitagmittag mit 228 Euro/t wieder unter die 230-Euro-Marke, der von Mais zur Lieferung ebenfalls im März auf 211,25 Euro/t und der Februar-Raps auf 431 Euro/t. Mit auf die Pariser Weizennotierungen drückte dieser Tage ein Weizentender Algeriens, den sich Lieferanten aus der EU exklusiv erwartet hätten. Dem Vernehmen nach kaufte aber Algerien von insgesamt bis zu 390.000 t einen guten Teil auch in Argentinien ein.

Als Preise des Weizens für Algerien c&f (cost and freight, Warenpreis und Transport) kolportieren Agenturen bis zu umgerechnet gut 259 Euro/t, was mehr als 18 Euro/t mehr wären als beim letzten Zuschlag vor Weihnachten. In einer ähnlichen Höhe sollen sich die c&f-Preise für australischen Weizen in südostasiatischen Häfen auf einem Saison-Hoch bewegen. Die Türkei solle auf eine Ausschreibung von 400.000 t Weizen mit mindestens 12,50% Protein zur Lieferung bis Ende Februar hin am Freitag als billigste Offerte ein Anbot über 25.000 t zu umgerechnet knapp 249 Euro/t erhalten haben. Vorigen Dezember hätten die Türken noch um gut 30 Euro/t billiger einkaufen können. Die Türkei ist zwar nicht zur eigenen Versorgung auf große Weizeneinfuhren angewiesen, importiert aber beträchtliche Mengen, um sie zu vermahlen und als Mehl in andere Nahoststaaten weiter zu exportieren. (Schluss) pos

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