Allgemeinwirtschaft, Exportkonjunktur und Wetter im Fokus der Getreidemärkte

Sinkende Preise beleben heimischen Markt weiter - Widersprüchliche Interpretationen

Wien, 25. November 2022 (aiz.info). - Nach der Verlängerung des Getreidedeals für die Exporte vom Schwarzen Meer wandte sich das Interesse der Märkte der allgemeinwirtschaftlichen Lage, stagnierendem Futterverbrauch und der Exportkonjunktur sowie der Dürre in Argentinien zu. Die sinkende Kurstendenz an den internationalen Warenterminbörsen hielt an, erfuhr aber vor dem US-Erntedankfest Thanksgiving an der CBoT in Chicago bei Weizen und Mais eine Stabilisierung. Unter Druck blieb Raps unter dem Einfluss der Rohölmärkte und der Corona-Lockdowns in China. Sojabohnen profitierten hingegen von US-Exporten und einer von Dürre beeinträchtigten Aussaat in Argentinien. Die gesunkenen Preisniveaus setzten am heimischen Kassamarkt die dadurch aufgekommene Bewegung fort. Zudem würden Mais- und Ölsaatenlieferungen per Bahn aus der Ukraine Fahrt aufnehmen. Die Einschätzungen des Marktverlaufs fallen aber bei Beteiligten widersprüchlich aus.
 
An der Euronext in Paris gab der Schlusskurs für Mahlweizen zur Lieferung im Dezember zwischen vorigem Freitag und Donnerstag dieser Woche neuerlich von 325,75 auf 321,25 Euro/t nach. Mais zur Lieferung im Jänner 2023 verlor im Wochenabstand von 306,75 auf 303,00 Euro/t. Raps mit Fälligkeit Februar 2023 fiel im Wochenverlauf wiederum unter die 600-Euro-Marke, nämlich von 610,25 auf 586,50 Euro/t. Am Freitagmittag gab es kaum Kursbewegungen. Es fehlte der Euronext aber auch an der Orientierung an der CBoT in Chicago wegen der Ferien in den USA rund um Thanksgiving am Donnerstag dieser Woche. Vor diesen Feiertagen hatten die gesunkenen Weizenkurse an der CBoT noch Schnäppchenkäufer angezogen und es stellten einige Händler vorsichtshalber noch Shortpositionen glatt, wodurch eine gewisse Stabilisierung eintrat.
 
Exportgeschehen und Wettereinfluss auf Bestände im Fokus internationaler Märkte
 
Laut Berichten der UNO hätten die Ausfuhren der Ukraine über ihre Schwarzmeer-Häfen noch nicht das Tempo vor der Verlängerung der Exportkorridore erreicht, weil zahlreiche Schiffe erst den Ausgang der Verhandlungen abgewartet und schlechtes Wetter sowie Personalwechsel bei den Kontrolloren die Inspektion der Schiffe am Eingang des Bosporus verzögert hätten. Die Weichweizen-Ausfuhren der EU bleiben schwunghaft, sie erreichten zum 20. November trotz 2022/23 kleinerer Ernte 13,63 Mio. t nach 13,0 Mio. t im Vorjahreszeitraum. Zudem machten Meldungen die Runde, die EU würde größere Mengen Futterweizen für den Export nach China verladen, sowie ein Gerücht um einen Exportdeal in Richtung USA. Demnach würde eine Mühle in Florida aus Deutschland und dem Baltikum hochproteinhaltigen Weizen kaufen. Aufmischqualitäten von Weizen scheinen wegen ihres geringen Anteils an den aktuellen Erntemengen weitverbreitet gesucht zu sein.
 
Die Bonitierung der Winterweizenbestände in den USA fällt so schlecht aus wie seit Beginn der Aufzeichnungen 1986 nicht mehr. Argentiniens Weizenernte fällt zudem der Dürre zum Opfer, ebenso wie auch der Maisanbau darunter leidet. Russland hingegen sitzt auf einer Rekordmenge von Weizen, die auf die Preise drückt. Ägypten habe vorige Woche - ohne die sonst üblichen Ausschreibungen - rund 580.000 t Weizen in Russland zu kolportierten Preisen einschließlich Frachtkosten von umgerechnet gut 350 Euro/t gekauft. Allerdings schmolz der Preisvorteil gegenüber Weizen aus der EU und den USA jüngst, weil sich auch dieser verbilligte.
 
In Brasilen stockt zurzeit wegen Protestmaßnahmen nach der Präsidentenwahl die Lieferung von Mais zu den Exporthäfen. Der Sojamarkt stand unter dem Eindruck flotter Exporte der USA. Zudem soll Brasilien den Pflichtanteil der Biodiesel-Beimischung von 10 auf 15% anheben, wobei dieser aus Sojabohnen gewonnen wird. Raps konnte davon nicht profitieren, er stand unter Druck externer Märkte und eines 2022/23 erholten Angebots.
 
Widersprüchliche Einschätzungen des Marktverlaufs in Österreich
 
Heimische Mühlen hätten die zuletzt niedrigeren Preise für Mahl- und Qualitätsweizen genutzt, um sich mit Rohstoff einzudecken und eventuell sogar Reserven anzulegen. So gab auch die Notierung von Qualitätsweizen nach. Gleichzeitig war rund um die Notierungssitzung der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche zu hören, Abnehmer zögerten die Erfüllung bestehender Kontrakte hinaus.
 
Ebenso gehen die Eindrücke heimischer Marktbeteiligter zum Lauf der Geschäfte mit Aufmischweizen für Italien auseinander. So sagen die einen, ins südliche Nachbarland gehe zurzeit nichts, und die anderen wiederum, italienische Mühlen hätten begonnen, schrittweise Premiumweizen entsprechend aktuellen Mahlabschlüssen zu ordern. Eine Notierung für den Premiumweizen kam allerdings nicht zustande. Normalerweise würden diese den für den geschätzten Jahresmehlabsatz im September oder Oktober kontrahieren, hätten aber heuer wegen der allgemeinen Verunsicherung mehr Vorsicht walten lassen.
 
Widersprüchlich fallen auch die Meinungen zu angeblich hohen Preisen für das Mühlennebenprodukt Kleie aus, obwohl auch diese nicht notierte: Steht dahinter eine verlangsamte Vermahlungstätigkeit mit verringertem Angebot oder ein Nachfragesog aus Italien?
 
Vom Maismarkt verlautete, die Lieferungen aus der Ukraine hätten Fahrt aufgenommen - ebenso wie auch die von Ölsaaten. Es seien nun mehr Waggons verfügbar und die Abfertigung an der ukrainischen Grenze habe sich beschleunigt. Gleichzeitig aber verschärften sich die Aflatoxin-Probleme bei Mais aus Ungarn und sei die Nachfrage aus der Mischfutterindustrie aber mau. Somit verlor auch die Maisnotierung.
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