Omikron und Australien drückten Weizenmärkte - Nachfrage lässt sie erholen

Österreich: Laufend Weizenhandel - Unverständnis für Bäcker-Forderung nach Exportstopp

Wien, 3. Dezember 2021 (aiz.info). - Eine unbestimmte Angst, die Verbreitung des Omikron-Virus könnte neuerlich zu einer Unterbrechung der Lieferketten führen, und eine - jedoch qualitativ schwache - Rekord-Weizenernte Australiens ließen zu Wochenbeginn vor allem die internationalen Weizennotierungen einknicken. Bald aber setzte sich wieder der Blick auf die knappen Weizenlager vor allem bei den großen Exporteuren sowie auf die Exportrestriktionen Russlands durch, zumal die niedrigeren Preise wieder die Importeure mit großen Weizenausschreibungen auf den Markt lockten und die Nachfrage frisch anheizten. Damit holten die Weizenkurse und auch Raps ein Gutteil ihrer Verluste wieder auf. In Österreich stößt eine Forderung von Bäckern nach einem Exportstopp für Weizen auf Unverständnis, Weizen sei bisher saisontypisch gehandelt worden.
 
Am an sich ruhigen österreichischen Brotgetreidemarkt hätten einige Mühlen trotz des vermittelten Eindrucks, schon länger gedeckt zu sein, doch noch kurzfristigen Bedarf zu decken gehabt, sodass bei weiter gestiegenen Preisen doch wiederum etliche neue Abschlüsse zustande gekommen seien. Die Premiumweizennotierung an der Wiener Produktenbörse übersprang dabei am Mittwoch die 400-Euro-Hürde.
 
Unverständnis für Bäcker-Forderung nach Stopp für Weizenexport
 
Von Bäckern wurde der Ruf nach einem Exportstopp laut, weil inländischer Weizen knapp sei. Die Landwirtschaftskammer lehnte einen derartigen staatlichen Markteingriff vehement als einseitige Einschränkung des Marktgeschehens ab, so ihr Präsident Josef Moosbrugger. Und auch Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger verwies auf die Regeln der Marktwirtschaft. Dazu gehöre auch, zum besten Preis zu verkaufen. Sie merkte an, man müsse es den Landwirten zugestehen, dass sie versuchen, zum besten Preis zu verkaufen. Moosbrugger betonte, die österreichische Landwirtschaft sei höchst interessiert an verlässlichen und dauerhaften Lieferbeziehungen und wolle ehrliche Partnerschaften mit dem lokalen Handel. Diese Partnerschaften müssten aber für beide Seiten Sinn machen und nicht nur für die kurzen Zeiträume, in denen internationale Preisnotierungen einmal zugunsten der Erzeuger ausschlagen. Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Johannes Schmuckenschlager, betonte, die Landwirtschaft erfülle ihren Versorgungsauftrag und die heimische Weizenversorgung sei gesichert. Er bekräftigte die langjährige Forderung nach einem AMA-Gütesiegel für Getreideprodukte als Gebot der Stunde.
 
Rund um die dieswöchige Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse verweisen Marktteilnehmer auch darauf, die regelmäßigen Notierungen von Brotweizen im laufenden Geschäftsjahr bewiesen einen kontinuierlichen Geschäftsverlauf und es seien aus der Ernte 2021 bisher auch im Inland - vor allem im Zuge langfristiger Lieferantenbeziehungen -saisonübliche Mengen Weizen angeboten und gekauft worden. Kurzfristige Spotgeschäfte seien jedoch bisweilen von knappen und verteuerten Transportkapazitäten behindert worden.
 
Der Bereichsleiter für landwirtschaftliche Produkte des Marktführers im Getreidehandel, der Lagerhaus-Dachorganisation RWA, Andreas Jirkowsky, sagte dazu gegenüber der Tageszeitung "Der Standard": "Jeder, der bei uns nachfragt, erhält ein Angebot zu marktüblichen Preisen." Anlass zur Sorge wegen möglicher Engpässe sehe er aktuell nicht. Gegenüber aiz.info merkte ein Marktteilnehmer zur Forderung nach einem Stopp von Weizenexporten an, man sei ja nicht in Russland, wo der Staat so mir nichts, dir nichts in die Märkte eingreife. Und im Übrigen hätten die Exportbeschränkungen der russischen Regierung auch nicht einmal den gewünschten Effekt gezeigt, sondern die Spirale aus Angebotsverknappung und Preissteigerung am Weltmarkt nur noch schneller zum Drehen gebracht und damit ihren Zweck der Abkühlung der Lebensmittelinflation im Inland verfehlt.
 
Marktexperten: Exportstopp gehe für heimischen Markt ins Leere
 
Für den österreichischen Markt gehe ein Stopp der Exporte des international gefragten Aufmischweizens in Premiumqualität mit mehr als 15% Protein zur Aufbesserung der in den Exportdestinationen vorhandenen schwächeren Basisqualitäten von oft nicht einmal 10% Protein zudem ins Leere, merken Marktexperten weiters an. Denn heimische Mühlen benötigten die Aufmischqualität gar nicht in diesen großen Mengen beziehungsweise seien nicht bereit, die dafür international gebotenen Qualitätsaufschläge zu zahlen, weil sie nämlich schon mit der hierzulande üblichen hohen Qualität der Mahlweizen mit 12,5% Protein das Auslangen fänden. Aktuell weist die Wiener Produktenbörse einen Qualitätsaufschlag für Premiumweizen im Mittel des Preisbandes gegenüber Mahlweizen von 77,75 Euro/t aus.
 
Mais zieht mit Nachfrage von Verarbeitern an
 
Neben Mühlen seien in Österreich zuletzt auch Mischfutterwerke und industrielle Verarbeiter relativ kurz mit Rohstoff gedeckt und am Markt aktiv gewesen. Dies habe sich unter anderem in frischer Bewegung auf dem Futtermaismarkt und in einer zur Letztnotierung Mitte November gestiegenen Wiener Notierung niedergeschlagen.
 
Offensichtlich auch wegen der Logistikengpässe - knappe Transportkapazitäten auf Straße und Schiene sowie Niederwasser auf der Donau - verschwanden die Sojaschrot-Notierungen vom Wiener Kursblatt.
 
Weizennachfrage am Weltmarkt steigt - Russland erhöht Weizenexportzoll stetig
 
Die Nachfrage von Importeuren nach Weizen am Weltmarkt stieg mit der Abschwächung der Preise dieser Tage neuerlich. Ägypten kaufte mit einem der größten Zuschläge seit Jahren am Montag 600.000 t, Saudi-Arabien schrieb 530.000 t zum Kauf aus, weiters tätigten Tunesien und Jordanien am Donnerstag Käufe. Indes hemmt die Regierung in Moskau die Verkaufsbereitschaft der russischen Exporteure weiter, indem sie fast im Wochentakt den Exportzoll auf Weizen hinaufschraubt. Mit 1. Dezember stieg die Abgabe auf 80,80 USD/t (71,26 Euro) Weizen. Während die Lager der Exporteure auf der Nordhalbkugel dahinschmelzen, richten sich die Begehrlichkeiten der Importeure auf die anlaufenden Ernten auf der Südhalbkugel. Hier hofft Australien zwar auf eine Rekord-Weizenernte von 34,4 Mio. t, doch zeigen die ersten Druschergebnisse wegen der durch das Wetterphänomen verregneten Kampagne sehr schwache Qualitäten. Dies heize laut Analysten die Jagd nach den 2021/22 auch auf der Nordhalbkugel nur in schwachem Ausmaß eingefahrenen hochwertigen Weizenpartien nur zusätzlich an und verstärke die Hausse. Letztlich befestigt dies auch die Preise der österreichischen Aufmischweizen.
 
An der Euronext in Paris läuft in den nächsten Tagen der vorderste Weizenliefertermin, Dezember 2021, aus und wird mittlerweile der Kontrakt mit Fälligkeit März 2022 am meisten gehandelt und als aussagekräftig für den aktuellen Markt angesehen. Im Wochenabstand seit vorigem Donnerstag, 25. November, bis Donnerstag dieser Woche ging der Schlusskurs des Pariser Dezember-Weizenfutures von 305,50 Euro/t auf 290,50 Euro/t zurück, erholte sich aber von einem zwischenzeitlichen Tiefstand von 279,50 Euro/t am 30. November. Der März-Weizenkontrakt ging in diesem Zeitraum von 308,75 Euro/t auf 295,50 Euro/t mit dem Tiefststand 285,50 Euro/t ebenfalls am Dienstag zurück. Am Freitagmittag hielt er bei 294,00 Euro/t.
 
Der Jänner-Maiskontrakt an der Euronext schloss vorigen Donnerstag mit 259,50 Euro/t und nach dem Tief am Dienstag bei 237,00 Euro/t diesen Donnerstag mit 243,75 Euro/t. Der Februar-Raps sackte binnen Wochenfrist von 686,50 Euro/t am Montag zuerst auf 661,50 Euro/t ab und erholte sich bis Donnerstag wieder auf 680,00 Euro/t. (Schluss) pos
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