Enges Match um Preisführerschaft auf Weizen-Weltmarkt

Heimische Weizenpreise neuerlich von unten befestigt - Aufwachen am Rapsmarkt

Wien, 15. November 2019 (aiz.info). - Die Stimmung an den internationalen Warenterminbörsen blieb diese Woche, nur unterbrochen von einem kurzzeitigen Aufbäumen der Weizenkurse, als die nächste Kältewelle über Nordamerika rollte, ausgehend von der CBoT negativ. Schuld tragen nicht wettbewerbsfähige Weizenpreise, schwache Exporte und eine Verunsicherung vor allem im Soja-Komplex wegen des Hü-Hotts von US-Präsident Donald Trump in den Handelsgesprächen mit China. Die Weizen-, Mais- und Sojabohnennotierungen mussten weitere Verluste hinnehmen. Am Weizen-Weltmarkt herrscht ein enges Match um die Preisführerschaft, in dem die Anbieter vom Schwarzen Meer nun gegenüber der EU aufgeholt haben. Um die zuvor gewonnene Wettbewerbsfähigkeit europäischen Weizens zu verteidigen, reagierten nun diese Woche die Weizenkurse an der Euronext. Der Schlusskurs des Dezember-Weizenfutures verlor vom vorigen Freitag bis Donnerstag dieser Woche einen Euro auf 177,50 Euro/t und hielt sich bis Freitagmittag auf diesem Niveau. An den europäischen Kassamärkten sorgt die rege Exporttätigkeit dementgegen für eine feste Stimmung.

Die Prämien auf die Euronext-Kurse für die Weizenaufkäufe zur Verschiffung in Drittländer stiegen jüngst. Auch in Österreich befestigten sich diese Woche die Weizennotierungen an der Wiener Produktenbörse - neuerlich von unten her, konkret vom Mahlweizen, getragen. Ein Aufwachen der Marktbeteiligten macht sich quer durch Europa - auch hierzulande - am Rapsmarkt bemerkbar. Offensichtlich wird man sich der engen Versorgungslage bewusst. Die Preise steigen.

Wetterextreme sorgen für Nachrichten zu fundamentalen Marktdaten

Wetterextreme sorgen nach wie vor für die meisten Nachrichten, die fundamentale Marktdaten betreffen: Von den britischen Inseln über Frankreich bis Deutschland ; Kroatien, Ungarn und Rumänien ist es zu nass. Dies beeinträchtigt die herbstlichen Anbau- und Erntearbeiten. Das Mykotoxin-Gespenst geht um. Zum Beispiel sollen in Kroatien noch 35% der Maisbestände am Stamm stehen. Über Nordamerika - die Plains in den USA und Kanada - rollt eine Kältewelle nach der anderen. Zudem sollen die Farmer die kleinste Fläche seit 110 Jahren mit Winterweizen bestellen. Im Osten Europas ist es zu trocken. So konnte die Ukraine im Herbst nur eine kleinere Winterweizenfläche als im Vorjahr bestellen, und was gesät wurde, geht nicht gut auf. Auf der Südhalbkugel, wo die Weizenernten angelaufen sind, verdorrt Australien. Erwartete der südamerikanische Großexporteur Argentinien nach der Aussaat noch eine Rekordweizenernte von 21 Mio. t Weizen, machten Frost, Hagel und Trockenheit einen Strich durch die Rechnung. Und zu guter Letzt weckt während der zu 13% fortgeschrittenen Ernte Regen die Fusarien-Ängste. Senkte das USDA im WASDE-Bericht von voriger Woche die Weizenschätzung für Argentinien noch auf 20 Mio. t, reduzierte dieser Tage die Getreidebörse in Rosario die Erwartung auf 19 Mio. t und jene in Buenos Aires sogar auf 18,5 Mio. t.

Weizenexport aus der EU boomt - enges Match um Preisführerschaft

Der Weizenexport aus der EU boomt in diesem Herbst. Laut EU-Kommission führte die Union in den ersten 19 Wochen des Wirtschaftsjahres bis 1. November 9,668 Mio. t Weichweizen aus - um 55% mehr als im Jahr zuvor. Europäische Weizen hielten lange Zeit die Preisführerschaft am Weltmarkt und ließen die teurere Konkurrenz aus dem Schwarzmeerraum und den USA das Nachsehen haben. So konnte der weltgrößte Exporteur Russland bis 7. November mit 15,8 Mio. t Weizen nur 13% weniger exportieren als vor einem Jahr. Nunmehr senkten die Schwarzmeer-Anbieter in den vergangenen Wochen ihre Exportpreise, um wieder ins Geschäft zu kommen.

Das französische AMA-Pendant France AgriMer setzte am Mittwoch die Prognose für die Drittlandausfuhren aus der historisch zweitgrößten Weizenernte der Grande Nation (39,5 Mio. t) auf 12 Mio. t - ein Vierjahres-Hoch - hinauf. Das sind 24% mehr als 2018/19. Gleichzeitig senkte man die Endlagerprognose von 2,9 auf 2,54 Mio. t. Die monatlich erscheinende Analyse Strategie Grains hob am Donnerstag die Aussichten für die Weichweizenexporte der EU 2019/20 zum Vormonat um 1,5 Mio. t auf 28,8 Mio. t an. Im Juli war man noch um fast 7 Mio. t niedriger gelegen. Die Ausfuhren sollen demnach zum Vorjahr um 40% zunehmen und den Rekord von 2015/16 nur knapp verfehlen. Gleichzeitig senkte Strategie Grains die Weizenendlagerprognose für die EU von 12,7 Mio. t auf 11,9 Mio. t.

Es heißt, Weizen aus Deutschland, Polen und dem Baltikum bedienten intensiv das höherwertige Brotweizensegment und solcher aus Frankreich, Rumänien und Bulgarien das einfache Mahlweizensegment. Agenturen berichten vom Aufkauf und der Verladung mehrerer Hunderttausend Tonnen Weizen in Deutschland für Exporte nach Afrika (Tunesien, Algerien, Marokko, Südafrika). Dieser Mengensog bringt Bewegung in die Kassamarktpreise, Aufschläge von 3 bis 4 Euro/t auf die Euronext-Kurse werden gehandelt.

Wie eng das Match um die Preisführerschaft ist, zeigten am Donnerstag die Zuschläge der staatlichen ägyptischen Getreideagentur GASC für eine Ausschreibung von Weizen zur Lieferung zwischen 5. und 15. Jänner 2020: Russland und die Ukraine befüllen den Tender mit zusammen 465.000 t Weizen. Frankreich, das noch in der letzten Ausschreibung am 5. November den Löwenanteil der Zuschläge gewann, ging diesmal leer aus - und das obwohl das billigste französische Angebot auf fob-Basis mit 216,36 USD/t (196,74 Euro) nur knapp teurer als das günstigste aus der Ukraine mit 215,86 USD/t (196,26 Euro) und sogar noch unter den sieben weiteren zum Zug gekommenen Offerten lag. Den Unterschied machten letztendlich um einige US-Dollar niedrigere Frachtkosten vom Schwarzen Meer nach Ägypten als von Rouen aus. Denn auf Basis c&f (cost and freight) lag ein ukrainisches Angebot über 232,47 USD/t (211,39 Euro) voran und waren die Franzosen mit 233,80 USD/t (212,60 Euro) gar nur um 33 US-Cent/t (30 Euro-Cent) teurer als das höchste zugeschlagene der Schwarzmeer-Konkurrenz.

Österreich: Brotweizen neuerlich von unten her befestigt

Von einer weiteren Befestigung des österreichischen Brotweizen-Kassamarktes von unten her - das heißt von den schwächeren Qualitäten, konkret Mahlweizen, ausgehend - sprechen Marktteilnehmer. Die Umsätze seien zurzeit aber sehr verhalten und auf Kleinmengen beschränkt. Marktbeteiligte sprechen von einer Zurückhaltung und vom Abwarten der Abnehmer angesichts der Abschwächung der Terminmärkte.

Die Wiener Produktenbörse notierte am Mittwoch dieser Woche Mahlweizen um weitere 2 Euro/t höher, und auch Premiumweizen konnte wieder 1 Euro/t des Verlustes aus der Vorwoche wettmachen. Qualitätsweizen blieb gleich, wobei der inländische Mahlweizen ab Station eine Prämie von 4 bis 6 Euro/t gegenüber den einschließlich Fracht zum Empfänger notierten Preisen von Einfuhren aus dem EU-Raum geltend machen kann. Eine deutliche Befestigung an der Unterkante des Preisbandes verhalf dem Mahlroggen zu einem durchschnittlichen Plus von 3 Euro/t und auch dem Durchschnittspreis in Richtung der 160-Euro-Marke, die von Beobachtern als realistischer Zielwert gilt.

Inländischer Durum wurde nicht notiert, die mittlerweile auf CPT 253 Euro/t festgesetzte Bewertung von Einfuhren aus dem EU-Raum in die Steiermark gelte aber auch für die Ab-Stationspreise von Inlandsware als Maß der Dinge.

Wach zu werden und sich der knappen Versorgungslage in der ganzen EU bewusst zu werden, scheinen die Beteiligten am Rapsmarkt. Inländische Rapssaat zog an der Wiener Börse weiter an und zwar um deutliche 6 Euro/t, wenngleich mit 357 bis 362 Euro/t ab Station vergleichsweise immer noch eher bescheiden.

Die Maisernte in Österreich neigt sich dem Ende zu. Agrana erhöhte laut Landwirtschaftskammer diese Woche die Nassmaispreise (netto, 30% Feuchtigkeit, frei Pischelsdorf) auf 96,90 Euro/t, Jungbunzlauer blieb bei 94,60 Euro/t. Landwirtepreise für vertragsfreien Nassmais sollen mittlerweile 89 bis 93 Euro/t erreicht haben. (Schluss) pos

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