Coceral September 2026: EU-Maisernte bricht noch stärker als bisher geglaubt ein
Hitze und Dürre treffen Herbsternten noch schwerer als Sommerernten - Mais in Frankreich und Ungarn praktisch halbiert
Die fünfte Prognose des EU-Getreidehandelsverbands Coceral für die Ernten 2026 in der EU-27 und dem Vereinigten Königreich (UK) bringt einen noch stärkeren Einbruch der Maisernte als bisher angenommen: Extreme Hitze und Trockenheit während der Blüte und eine scharfe Einschränkung der Anbaufläche um 12% lassen für die EU-27 (das UK hat keine Maisproduktion) nur mehr 48,6 Mio. t Mais erwarten, um 4,1 Mio. t weniger als in der ohnehin schon niedrigen Juli-Prognose von 52,7 Mio. t und um 7,9 Mio. t oder 14% weniger als im Vorjahr.
Besonders dramatisch stelle sich die Maisernte Frankreichs dar: Sie soll gegenüber der letzten Schätzung von 9,4 Mio. t auf 7,6 Mio. t abstürzen, das ist ein Einbruch um 46% mit nahezu Halbierung gegenüber den 13,9 Mio. t des Vorjahres. Damit fährt Frankreich die kleinste Maisernte seit mehr als 20 Jahren ein. Noch härter erwischt des den "Maisriesen" in der unmittelbaren östlichen Nachbarschaft Österreichs, Ungarn: Hier nimmt Coceral die Produktion im Vergleich zum Juli von 3,1 auf 1,9 Mio. t und ein Minus von 50% zu 2025 zurück. Österreich selbst erwartet auch einen herben Einbruch seiner Maiserzeugung im Jahresvergleich um 35% von 2,43 Mio.t auf 1,57 Mio. t, nachdem im Juli noch 2,26 Mio. t oder um 0,69 Mio. t mehr erhofft worden waren.
Sommerernten etwas besser davongekommen als Herbsternten
Die gesamte Getreideproduktion der EU-27 und des UK setzt Coceral nun mit 278,9 Mio. t an - um 7,7 t weniger als die 286,6 Mio. t im Juli und um 28,5 Mio.t weniger als die 307,4 Mio. t des vorigen Jahres. Die EU-27 alleine kommt auf 261,22 Mio. t Getreide - minus 4,7 Mio. t zum Juli und minus 26,7 Mio.t zum Vorjahr. Auch die Weizenerzeugung (ausschließlich Durum) korrigiert der Verband neuerlich nach unten: 137,5 Mio. t in der Union (126,4 Mio. t, -1,0 Mio. t m/m und -10,5 Mio. t y/y) und dem UK sind 3,3 Mio. t unter der Juli-Schätzung und 11,3 Mio. t unter dem Jahr zuvor. Beim Weizen (+0,1 Mio. t zum Juli) ist Frankreich besser davongekommen, die wichtigen Anbaugebiete im Norden haben die Hitzewellen im Mai und Juni besser überstanden als die in Deutschland (-0,8 Mio. t zum Juli) und Polen (-0,3 Mio. t zum Juli). Eine leichte Steigerung gegenüber Juli um 0,3 Mio. t auf 57,9 Mio. t erfährt die Gerstenproduktion, sie bleibt aber um 5,4 Mio. t unter den 63,3 Mio. t aus 2025.
Coceral: Ernteprognose Getreide EU-27+UK - September 2026
| Ernte 2026 | EU-27 | Diff. y/y |
Diff. m/m |
EU-27+UK | Diff. y/y |
Diff. m/m |
| Weichweizen | 126,24 | -10,48 | -1,03 | 137,49 | -11,25 | -3,34 |
| Durum | 7,57 | -0,97 | -0,01 | 7,57 | -0,97 | -0,01 |
| Gerste | 52,39 | -4,59 | +0,83 | 57,93 | -5,42 | +0,35 |
| davon Sommergerste |
20,53 | -4,43 | -0,71 | 23,59 | -5,24 | -1,16 |
| Mais | 48,63 | -7,92 | -4,11 | 48,63 | -7,92 | -4,11 |
| Roggen | 7,07 | -0,50 | -0,42 | 7,13 | -0,49 | -0,42 |
| Getreide gesamt |
261,22 | -26,69 | -4,72 | 278,86 | -28,53 | -7,70 |
Quelle: COCERAL, Ernteprognose vom September 2026, Angaben in Mio. t, Diff. y/y =2026/27 zu 2025/26, Diff. m/m =September 2026 zu 10. Juli 2026
Raps- und Sonnenblumen-Prognosen leicht angestiegen
Eine Spur von 0,1 Mio. t steigt die Rapsprognose von Coceral auf 21,3 Mio. t und bleibt um ebenso viel unter den 21,4 Mio. t des Vorjahres. Dabei glich die spürbare Ausdehnung der Anbaufläche im Jahresabstand um 6% auf 6,8 Mio. ha den Rückgang der Hektarerträge von 2025 überdurchschnittlich auf heuer durchschnittlich aus. Raps wurde von der Hitzewelle weniger geschädigt als andere Kulturen wie Weizen und Mais. Ein Plus von 0,6 Mio. t zur letzten Schätzung und von 1,2 Mio. t auf knapp 10,0 Mio. t verzeichnet - ganz im Gegenteil zur Entwicklung in Österreich - auch die nur in der EU beheimatete Sonnenblumenerzeugung. Vor den Prognosen von Sojabohnen steht im Monats- und Jahresvergleich ein zartes Minus.
Coceral: Ernteprognose Ölsaaten EU-27+UK - September 2026
| Ernte 2026 | EU-27 | Diff. y/y | Diff. m/m | EU-27+UK | Diff. y/y | Diff. m/m |
| Raps | 19,99 | -0,48 | -0,17 | 21,32 | -0,04 | +0,16 |
| Sonnenblumen | 9,98 | +1,23 | +0,58 | 9,98 | +1,23 | +0,58 |
| Sojabohnen | 2,62 | -0,46 | -0,29 | 2,62 | -0,46 | -0,29 |
| Ölsaaten gesamt |
32,59 | +0,29 | +0,13 | 33,92 | +0,73 | +0,46 |
Quelle: COCERAL, Ernteprognose vom September 2026, Angaben in Mio. t, Diff. y/y =2026/27 zu 2025/26, Diff. m/m =September 2026 zu 10. Juli 2026
Österreich: Neben Mais auch dramatische Einbrüche bei Sonnenblume und Sojabohne
In den Prognosen für Österreich erfahren neben Mais auch Sonnenblumen und Sojabohnen dramatische Einbrüche gegenüber Juli: Coceral erwartet nun lediglich 70.000 t Sonnenblumenkerne, nachdem es gegenüber den 78.000 t aus dem Vorjahr wegen einer Anbauausdehnung zuletzt noch 83.000 t gewesen waren. Sojabohnen verloren sowohl an Fläche als auch an Ertrag auf nunmehr 183.000 t (Juli: 241.000 t, 2025: 271.000 t). Raps bleibt bei 57.000 t nach 64.000 t im Vorjahr.
Österreich: Weizen -und Gerstenernte leicht angehoben - Gesamtproduktion wegen Maisfiasko gekürzt
Wie im europäischen Trend verbesserten sich auch hierzulande die Ergebnisse der Sommerernten leicht gegenüber der vorigen Prognose vom Juli: Weizen (ohne Durum) stieg von 1,27 Mio. t auf 1,35 Mio. t - um 0,25 Mio. t weniger als die 1,60 Mio. t des Vorjahres. Gerste wird mit 720.000 t nach 660.000 t im Juli angesetzt - um 90.000 t weniger als 2025. Wegen des Wegbrechens der Maisernte um 0,69 Mio.t seit Juli und um 0,86 Mio. t gegenüber dem Vorjahr, weist die gesamte Getreideproduktion Österreich von nunmehr 4,24 Mio. t aber gegenüber Juli (4,78 Mio. t) ein Minus von 0,54 Mio. t oder 11,3% und gegenüber dem Vorjahr (5,57 Mio. t) von 1,33 Mio. t oder 23,9% aus.