IGC-GMR Juni 2026: Weizen- und Maisendlager 26/27 leicht höher - aber dennoch Lagerabbau

EU-Weizen verlor Preisvorteil gegenüber US-SRW und Lageraufbau etwas schwächer
Der Internationale Getreiderat (IGC) hebt im Grain Market Report (GMR) vom Juni für 2026/27 gegenüber Mai die globalen Ernteprognosen für Weizen und insbesondere Mais an. Die Maisendlager werden nun größer und der Lagerabbau geringer erwartet. Aufgrund der Senkung der Überlager aus 2025/26 sinkt die Endlagerprognose für den Weizen und bleibt aber der Lagerabbau gleich stark wie im Vormonat. Die Schätzung der EU-Weizenernte bleibt gleich zum Vorbericht, die der Endbestände und eines neuerlichen Lageraufbaus nimmt der Rat eine Spur zurück.
Für das auslaufende Rekordjahr 2025/26 bei Ernten, Verbrauch und Handel mit Getreide revidiert der GMR die weltweite Getreideproduktion (Mais +10 Mio. t, Weizen unverändert) und den Verbrauch (Mais +6 Mio. t, Weizen +1 Mio. t) sowie die Endlager (Mais +6 Mio. t, Weizen -2 Mio. t) im Monatsabstand noch mal um 11 Mio. t hinauf. Es kommt nunmehr zu einem Aufbau der gesamten Endbestände um 53 Mio. t, davon um je 23 Mio. t bei Weizen und Mais. Die Anhebung der Ernten geht nahezu zur Gänze auf das Konto Indiens, Argentiniens, Brasiliens, Südafrikas und Paraguays, deren Maisproduktion größer als bisher angenommen ausfällt. In der EU-Weizenbilanz 2025/26 korrigieren die Londoner Experten den Import um 0,3 Mio. t und überraschend den Export um 0,8 Mio. t auf 31,2 Mio. t nach oben, während sie den Verbrauch um 0,3 Mio. t auf 113,9 Mio. t zurücknehmen. Das bedeutet nun ein um 0,2 Mio. t schwächeres Anschwellen der Endbestände um nur mehr 4,9 Mio. t oder doch 47,6%.

EU-Weizen verlor Preisvorteil gegenüber US-SRW - GOI sinkt zum Mai um 4,7%

Laut dem Monitoring der der Exportpreise auf der IGC-Website haben die in US-Dollar berechneten Preise von französischem Weizen Grade 1 fob Rouen ihren im Frühjahr gewonnenen Preisvorteil gegenüber der Konkurrenz Soft Red Winter (SRW) aus den USA fob Golf von Mexiko verloren, indem er am 24 Juni Gleichstand mit 244 USD/t erreicht hat. Die Abkühlung der hitze-rallye an der Euronext und die Abschwächung der Euros gegenüber dem US-Dollar haben dem französischen Weizen am 25. Juni mit USD 240/t aber wieder zu einem leichten Wettbewerbsvorteil um 5 USD/t zu den USD 245/t vom SRW verholfen. In der Spitze der SRW-Preise am 13. Mai, wo dieser mit 276 USD/t gewertet (Quelle: Europäische Kommission) wurde, hatte der französische Weizen mit 243 USD/t einen Preisvorteil von 33 USD/t. Dabei haben sich die SRW-Preise danach denen des Grade 1 eher von oben angenähert als umgekehrt.
 
Die vom IGC im Gesamtpreisindex (GOI) erfassten Exportpreise aller Getreidearten und von Reis schwächten sich in den fünf Wochen seit dem letzten Bericht um 4,7% ab (+3,6% zum Vorjahr). Der Rat macht dafür einen komfortablen Ausblick auf die Versorgungslage und Einflüsse externer Märkte verantwortlich, etwas gemildert wird das Minus von einem Anstieg der Reispreise um 5,4% (+3,3% zum Vorjahr). Der Subindex von Weizen verzeichnet gegenüber Mai eine Abschwächung um 6,6% (+1,5% zum Vorjahr) auf eine Zweimonate-Tief. Die Schwäche ging insbesondere von den nordamerikanischen Märkten aus, die um ihre Wettbewerbsfähigkeit rangen und wo sich in den USA Erntedruck aufbaute. Um 7,6% gab der Maisindex (+1,6% zum Vorjahr) nach, da in den USA für in der Frühphase gute Bedingungen für die Bestandentwicklung herrschten und von der Südhalbkugel Angebotsdruck ausging. Sojabohnen verloren ausgehend von den USA und Argentinien 4,6% (+5,3% zum Vorjahr), weil die die Energiemärkte fielen und im Mittelwesten der USA gute Wetterbedingungen eintraten.

2026/27: Ernteprognosen hinaufgesetzt - aber Unsicherheiten durch El Nino und bei Düngerversorgung

Der IGC setzt zwar die Prognose für die gesamten Getreideernten der Welt 2026/27 gegenüber Mai um 12 Mio. t (Weizen +1 Mio. t, Mais +10 Mio. t) hinauf, betont aber ausdrücklich Unsicherheiten. Der Verbrauch soll auch um 11 Mio. t (Mais +16 Mio. t, Weizen unverändert) höher als zuvor angenommen sein. Daraus resultieren um 3 Mio. t größere Endlager mit allerdings einem Lagerabbau um 22 Mio. t oder 3,4% gegenüber 2025/26. Eine Kürzung - einschließlich Weizen und Gerste - erfährt das Welthandelsvolumen um 1 Mio. t zum Vormonat und um 15 Mio. t im Jahresabstand. Dennoch sinken die Endbestände vor allem bei den Exporteuren (Argentinien, Australien, EU, Kanada, Russland, Ukraine und USA) sogar um 8,1%. Der stärksten Verbrauchszuwachs im Jahresvergleich erwartet industrielle Verwertung mit 1,2% vor menschlicher Ernährung mit 1,1% und Verfütterung mit 0,1%.
 
Ausdrücklich weist der IGC auf Unsicherheiten hin: Das Wetterphänomen El Nino ist unterwegs und soll sich in der zweiten Jahreshälfte mit noch ungewissen Auswirkungen auf die Ernten der Südhalbkugel verstärken. Besorgnis besteht auch für die Düngemittelversorgung, ein weiteres Nachgeben der Inputpreise könnte aber eine gewisse Erleichterung verschaffen.

IGC-Weltgetreidebilanzen Juni 2026

2025/26
Prognose
25/26 zu
Vormonat
2026/27
Prognose
26/27 zu
Vormonat
26/27 zu 25/26
Weizen
Ernte 845 0 821 +1 -24
Angebot 1.108 0 1.107 -1 -1
Verbrauch 821 +1 827 0 +6
Endbestand 286 -2 280 -2 -6
Bestand
zu Vorjahr
+23 -2 -6 0 -17
Ratio stock/use 34,84% -0,28% 33,86% -0,02% -0,98%
Mais
Ernte 1.339 +10 1.310 +10 -29
Angebot 1.629 +10 1.623 +16 -6
Verbrauch 1.317 +6 1.325 +9 +8
Endbestand 313 +6 298 +7 -15
Bestand
zu Vorjahr
+23 +5 -14 -2 -9
Ratio stock/use 23,77% +0,35% 22,49% +0,38% -1,28%
Getreide gesamt
Ernte 2.488 +11 2.426 +12 -62
Angebot 3.074 +11 3.066 +14 -8
Verbrauch 2.436 +11 2.448 +11 +12
Endbestand 640 +2 618 +3 -22
Bestand
zu Vorjahr
+53 +1 -22 -1 -31
Ratio stock/use 26,27% -0,04% 25,25% +0,01% -1,03%
Sojabohnen
Ernte 431 +1 442 0 +11
Angebot 512 0 521 +1 +9
Verbrauch 433 0 445 0 +12
Endbestand 79 +1 76 0 -3
Bestand
zu Vorjahr
-2 -1 -3 0 +1
Quelle: IGC, Grain Market Report vom 25. Juni 2026 im Vergleich zum Report vom 21. Mai 2026, eigene Berechnungen, Zahlenangaben in Mio. t, gerundet. Verbrauch = Eigenverbrauch ohne Export. Nächster Report: 16. Juli 2026

Weizen 26/27: Weltweit etwas mehr und dennoch leichtere Bilanz

Die Weizenbilanzen 2026/27 stellen sich unterschiedlich dar: Global setzt der IGC die Ernten gegenüber dem MaI um 0,6 Mio. t auf 820,9 Mio. t hinauf. Erhöhungen um jeweils 1,1 Mio. t erfahren Russland (89,0 Mio. t, -1,3 Mio. t zum Jahr davor), die Ukraine (26,1 Mio. t, +0,1 Mio. t zum Jahr davor) und Indien um 0,7 Mio. t (120,7 Mio. t, +2,8 Mio. t zum Jahr davor), Kürzungen hingegen Australien um 2,0 Mio. t (27,7Mio. t, -8,3 Mio. t zum Jahr davor) und die USA um 0,5 Mio. t (42,0 Mio. t, -8,0 Mio. t zum Jahr davor). Auch China soll 1,2 Mio. t Weizenlager abbauen.
 
Es kommt in der Gruppe der Exporteure (Argentinien, Australien, EU, Kanada, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA) mit Ausnahme der EU zu einem Lagerabbau um 10,7 Mio. t. Da die Endbestände in der EU jedoch um weitere 15,5 Mio. t (Mai-GMR: 15,9 Mio. t) sowie die Indiens um 6,2 Mio. t zunehmen sollen, kommt weltweit ein Lagerabbau um 6,3 Mio. t oder knapp 33,9% des Verbrauchs zustande.
 
Die EU-Ernte wird unverändert auf 137,5 Mio. t (-5,6 Mio. t zum Jahr davor) geschätzt, das Überlager aus 2025/26 wird um 0,2 Mio. t auf 15,2 Mio. t (+4,9 Mio. t zum Jahr davor) herabgesetzt und der Verbrauch um 0,3 Mio. t auf 112,1 Mio. t (-1,8 Mio. t zum Jahr davor) hinaufgesetzt. Der Weizenexport ist unverändert mit 31,8 Mio. t (+0,6 Mio. t zum Jahr davor) angesetzt. Unter dem Strich kommen 15,5 Mio. t Endlager nach 15,9 Mio. t in der Mai-Schätzung heraus, womit sich die Lager um 0,3 Mio. t aufbauen. 10,8% Endlageranteil am Verbrauch bedeuten aber für die - vor allem im internationalen Vergleich - eine sehr enge Weizenbilanz (siehe dazu Tabelle unten " IGC Weizen 06-2026: Anteil Endlager an Verbrauch und globalen Reserven").

Die USA sollen eine Verringerung ihrer Weizenreserven um 5,3 Mio. t auf 19,6 Mio. t und immer noch 38,3% stock to use schaffen, wobei ihr Weizenexport wegen des kleineren Angebots (70,7 Mio. t nach 80,7 Mio. t im Vorjahr) im Jahresabstand um 4,0 Mio. t (21,3 Mio. t) exportieren können. Trotz kleinerer Ernte soll dementgegen Russland seine Weizenexport im Jahresabstand um 0,5 Mio. t auf 47,7 Mio. t - das sind 0,8 Mio. t mehr als laut Mai-GMR - steigern können.

IGC Weizen 06-2026: Anteil Endlager an Verbrauch und globalen Reserven

WJ 2026/27 Verbrauch Endlager stock/use Anteil an
Endlager global
Welt 827,2 280,1 33,9% 100,0%
China 148,1 134,3 90,7% 47,9%
Welt
ohne China
883,7 145,9 16,5% 52,1%
Exporteure 418,5 62,7 15,0% 22,4%
USA 51,2 19,6 38,3% 7,0%
Quelle: IGC, Grain Market Report vom 25. Juni 2026, eigene Berechnungen, Zahlenangaben in Mio. t, gerundet. Verbrauch (ausgenommen Welt): Eigenverbrauch + Export, Exporteure: Argentinien, Australien, EU, Kanada, Kasachstan, Russland, Ukraine, USA. Anmerkung: Im Gegensatz zum WASDE-Report zählt der GMR Kasachstan zur Gruppe der Exporteure.

Maisernten 2026/27 gehen insbesondere in USA markant zurück - Verbrauch steigt und Lagerstand sinken - EU muss mehr einführen

Die weltweiten Maisendlager schmelzen 2026/27 bei einer 29,2 Mio. t kleineren Ernte als 2025/26 und bei 7,9 Mio. t Verbrauchszuwachs um 14,4 Mio. t auf 298,2 Mio. t oder 22,5% des Verbrauchs ab. Allein in den USA geht die Ernte um 26,4 Mio. t auf 405,9 Mio. t und der Export um 6,5 Mio. t auf 77,5 Mio. t zurück. Die Ukraine wird dementgegen mit 32,0 Mio. t (+2,00 Mio. t zum Mai-GMR) um 1,5 Mio. t mehr Mais einfahren und daraus 25,0 Mio. t - um 2,5 Mio. t mehr als vor Jahresfrist und 0,5 Mio. t mehr als laut Mai-GMR - exportieren können. Auf mehr Exporte können auch die Südamerikaner hoffen. China soll mit 4,5 Mio. t Mais zwar um 0,5 Mio. t importieren, aber um 1,5 Mio. t weniger als im letzten Bericht.
 
Die Maisernte der EU kürzt der GMR um 1,1 Mio. t auf 57,9 Mio. t, das sind dann auch 0,1 Mio. t weniger als 2025/26. Damit steigt die Importprognose um 0,5 Mio. t auf 19,5 Mio. t nach 18,5 Mio. t 2025/26 und wird der Verbrauch um 0,3 Mio. t nach unten revidiert - 1,9 Mio. t mehr als 2025/26. Der Endlagerstand wird um 0,2 Mio. t auf 6,8 Mio. t - die gleiche Menge wie 2025/26 - gesenkt.

Sojaprognose des IGC zum Mai praktisch unverändert mit 3 Mio. t Lagerabbau

Die Sojaprognose des IGC bleibt bis auf ein leicht angehobenes Angebot praktisch gleich wie im Mai mit 3 Mio. t Lagerabbau, was um 1 Mio. t mehr als die Verringerung der Endbestände um 2 Mio. t im Jahr davor ist. Die Produktion steigt im Jahresabstand um 11 Mio. t und der Verbrauch um 12 Mio. t.

Über den Grain Market Report - GMR des IGC

Die Kurzzusammenfassung des GMR auf der Anfang 2026 neu gestalteten Website des IGC www.igc.int (Link in Box MARKET FUNDAMENTALS auf Startseite oder OUR EVENTS > Press Release) stellt neben dem Tabellenwerk eine kurze Analyse der jüngsten Entwicklung der Getreide- und Ölsaatenmärkte sowie der Exportpreise und einen Ausblick auf das weitere Wirtschaftsjahr zur Verfügung.

Die Veröffentlichung des nächsten Berichts ist am 16. Juli 2026 geplant.

Auf der Website des IGC (Link siehe unten) findet sich zudem Information über Exportpreise und globale Fundamentaldaten.
 
Getreide- und Ölsaatenindex des IGC auf Basis Jänner 2000 = 100.

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