IGC-GMR Oktober 2026: Grobe Zunahme von US-Mais wirft globale Bilanzen über den Haufen

Schwächerer US-Weizenexport drückt auf Preise - EU-Weizenernte und Endlager neuerlich gesenkt
Ein binnen Monatsfrist um 10,3 Mio. t explodiertes Maisangebot in den USA wirft die bisherigen globalen Bilanzprognosen auch des Internationalen Getreiderats (IGC) über den Haufen. Er korrigiert die gesamte Getreideproduktion der Welt gegenüber September um 7,4 Mio. t, die Anfangsbestände um 5,4 Mio. t und den Verbrauch aber nur um 2,1 Mio. t nach oben. Die Endlagerprognose steigt um 10,6, Mio. t, die Endlager schmelzen dennoch um 19,0 Mio. t ab.
Die weltweite Getreideproduktion (Weizen und Futtergetreide inklusive Mais) steigt mit dem nahenden Abschluss der Ernten auf der Nordhalbkugel zwar gegenüber dem Vormonat um gut 7 Mio. t auf 2.427 Mio. t bleibt aber um 68 Mio. t oder 2,7% unter dem Vorjahresrekord. Die Ernten von Weizen verfehlen das Vorjahr um 25 Mio. t und die von Mais um 40 Mio. t, wohingegen 4 Mio. t mehr Gerste eingefahren werden sollen. Die binnen Monatsfrist hinaufrevidierten Produktionszahlen geht auf das Konto von 5,6 Mio. t mehr Mais und auch einem Plus bei Gerste. Der weltweite Getreideverbrauch erklimmt mit einem leichten jährlichen Zuwachs von 0,1% oder 2 Mio. t auf 2.446 Mio. t ein Rekordhoch. Es werden jeweils 0,9% mehr Getreide für Ernährung (786 Mio. t) und industrielle Verwertung (425 Mio. t) benötigt, wohingegen der Einsatz für die Verfütterung (1.107 Mio. t) um 0,5% zurückgeht. Die Endlagerprognose steigt zwar gegenüber dem Vormonat um fast 11 Mio. t, die Lagerstände der Welt gehen aber im Jahresabstand um 3,0% oder 19 Mio. t auf 619 Mio. t oder 25,3% des Verbrauchs zurück.
 
Einen Rückgang im Jahresabstand um 3,6% oder 17 Mio. t auf 450 Mio. t soll der Welthandel mit Getreide hinnehmen müssen. Die Prognose sinkt zum September um 1 Mio. t, und es sind vor allem der Weizenhandel mit einem Jahres-Minus von 15 Mio. t und er von Gerste mit 7 Mio. t weniger für die Rückgänge verantwortlich, wohingegen der Maishandel zum Vorjahr um 6 Mio. t steigen soll. Konkret senkt der Rat die Prognose für den Weizenexport der USA um 0,5 Mio. t auf 20,3 Mio. t (-4,5 Mio. t zum Vorjahr) und verweist in seiner Marktanalyse auf einen enttäuschenden Exporterfolg, weshalb die USA ihre Preise senken mussten. Aus offensichtlich den bekannten Gründen des Kriegsgeschehens am Schwarzen Meer nimmt der IGC die Weizenausfuhr Russlands um 2,1 Mio. t auf 39,4 Mio. t (-4,5 Mio. t zum Vorjahr) und die der Ukraine um 0,4 Mio. t auf 12,8 Mio. t (-2,2 Mio. t zum Vorjahr) zurück.
 
Der Gesamtpreisindex (GOI) der vom IGC erfassten Exportpreise aller Getreidearten und von Reis gab wegen schwächer gestimmter Exportmärkte von Getreide und Ölsaaten gegenüber September um 3,5% nach und befestigte sich zum Vorjahres-Vergleichszeitraum um 19,5%.

IGC-Weltgetreidebilanzen Oktober 2026

2025/26
vorl.
2026/27
Prognose
26/27 zu
Vormonat
26/27 zu 25/26
Weizen
Ernte 845 820 0 -25
Angebot 1.108 1.106 +1 -2
Verbrauch 822 827 +1 +5
Endbestand 286 279 +1 -7
Bestand
zu Vorjahr
+23 -7 0 -16
Ratio stock/use 34,79% 33,74% +0,08% -1,06%
Mais
Ernte 1.347 1.307 +6 -40
Angebot 1.637 1.620 +10 -17
Verbrauch 1.323 1.323 +2 0
Endbestand 313 297 +8 -16
Bestand
zu Vorjahr
+24 -16 -4 -8
Ratio stock/use 23,66% 22,45% +0,57% -1,21%
Getreide gesamt
Ernte 2.495 2.427 +7 -68
Angebot 3.082 3.065 +13 -17
Verbrauch 2.444 2.446 +2 +2
Endbestand 638 619 +11 -19
Bestand
zu Vorjahr
+51 -19 -5 -32
Ratio stock/use 26,10% 25,31% +0,43% -0,80%
Sojabohnen
Ernte 431 439 -1 +8
Angebot 512 517 -1 +5
Verbrauch 434 443 -3 +9
Endbestand 78 74 +1 -4
Bestand
zu Vorjahr
-3 -4 -2 +1
Quelle: IGC, Grain Market Report vom 15. Oktober 2026 im Vergleich zum Report vom 17. September 2026, eigene Berechnungen, Zahlenangaben in Mio. t, gerundet. Verbrauch = Eigenverbrauch ohne Export. Nächster Report: 19. November 2026

Schwächer gestimmte Getreide- und Ölsaatenexportmärkte drücken IGC-Preisindex seit September um 4%

In den vergangenen Wochen verlor der Gesamtpreisindex (GOI) der vom IGC erfassten Exportpreise aller Getreidearten und von Reis zuvor eingefahrene Gewinne wieder und sank um 3,5%, verteidigt jedoch gegenüber dem Vorjahres-Vergleichszeitraum einen Zuwachs von 19,5%.
 
Insbesondere wegen einer Schwäche der nordamerikanischen Exportpreise fiel der Subindex von Weizen im Monatsabstand um 5,0%, weist aber im Jahresabstand ein Plus von 19,9% auf. Dabei litten die FOB-Preise von US-Weizen unter einem enttäuschenden Exportfortschritt, Währungskursbewegungen sowie Einfluss vom Maismarkt. Denn der Mais-Subindex verlor seit dem letzten Report 6,8% (+8,9% im Jahresabstand), indem Angebotslast und zwei bearishe USDA-Berichte drückten. Der Gerstenindex musste zum Vormonat nur 0,9% abgeben (+11,1% im Jahresabstand). Um 2,9% schwächten sich die Exportpreise von Sojabohnen (+23,6% im Jahresabstand) zum Vormonat ab, weil leichter Druck vom etwas enttäuschenden Ausgang der bilateralen Gespräche zwischen den USA und China ausging sowie aufgrund saisonbedingter Einflussfaktoren und eines guten Starts in die Anbaukampagne in Brasilien. Lediglich der Subindex von Reis befestigte sich in den letzten Wochen um 1,6% (+20,6% im Jahresabstand) dank Unterstützung durch eine Knappheit im prompt verfügbaren Angebot an einigen Märkten.

Exportpreise von französischem und US-Weizen näherten sich in den letzten Tagen an

Die vom IGC in US-Dollar berechneten Exportpreise von französischem Weizen Grade 1 fob Rouen und seiner Konkurrenz am Weltmarkt, dem Soft Red Winter (SRW) fob Golf von Mexiko aus den USA, näherten sich in den letzten Tagen an. Zum Stichtag 15. Oktober blieb für den französischen Weizen mit USD 283/t gerade noch ein Preisvorsprung von 4 USD/t gegenüber dem SRW mit 287 USD/t. Diese Annäherung geht von sinkenden Notierungen des US-Weizens und einer in den letzten Tagen wieder gestiegenen Parität des Euros gegenüber dem US-Dollar aus.

Kaum Änderungen in Weizenbilanzen: Etwas höhere Endlager in USA und etwas niedrigere in der EU

Die Kürzungen der Exportprognosen für die USA, Russland und die Ukraine münden letztlich zusammen mit marginalen Anhebungen von Erzeugung und Verbrauch in eine Hinaufsetzung der Endlager dieser Länder und letztlich der weltweiten Weizenreserven um 1,0 Mio. t auf 279,1 Mio. t. Dies entspricht 33,7 % des Verbrauchs und einen Lagerabbau um 6,8 Mio. t oder 2,4%. Konkret steigen die Endlager von Weizen der USA um 0,3 Mio. t auf 20,2 Mio. t (-4,8 Mio. t zum Vorjahr) oder 40,0% ihres Verbrauchs, die Russlands um 1,9 Mio. t auf 18,5 Mio. t (+7,4 Mio. t zum Vorjahr) und die der Ukraine um 0,4 Mio. t auf 6,3 Mio. t (+4,6 Mio. t zum Vorjahr).
 
Die Weizenernte der EU korrigieren die Londoner Experten um 0,2 Mio. t auf nunmehr 133,0 Mio. t (-10,4 Mio. t zum Vorjahr) nach unten und belassen alle anderen Parameter (Verbrauch: 113,8 Mio. t, Export: 32,5 Mio. t, Import: 7,8 Mio. t) bis auf den Endbestand, der um 0,2 Mio. t auf 10,3 Mio. t sinkt, gleich. Mit gegenüber dem Vorjahr nahezu konstantem (-0,1 Mio. t) Verbrauch und trotz kleinerer Ernte sogar mehr Export (+0,4 Mio. t) kommt es in der Union zum Abbau von 5,4 Mio. t oder 34% der Weizenendlager. Sie erreichen den vergleichsweise extrem niedrigen Anteil am Verbrauch (stock to use) von 7,0% (siehe Tabelle "IGC Weizen 10-2026: Anteil Endlager an Verbrauch und globaler Reserve").

IGC Weizen 10-2026: Anteil Endlager an Verbrauch und globalen Reserven

WJ 2026/27 Verbrauch Endlager stock/use Anteil an
Endlager global
Welt 827,1 279,1 33,7% 100,0%
China 148,2 133,3 89,9% 47,8%
Welt
ohne China
878,0 145,8 16,6% 52,2%
Exporteure 416,1 68,1 16,4% 24,4%
Exporteure
ohne USA
365,6 47,9 13,1% 17,2%
USA 50,5 20,2 40,0% 7,2%
Quelle: IGC, Grain Market Report vom 15. Oktober 2026, eigene Berechnungen, Zahlenangaben in Mio. t, gerundet. Verbrauch (ausgenommen Welt): Eigenverbrauch + Export, Exporteure: Argentinien, Australien, EU, Kanada, Kasachstan, Russland, Ukraine, USA. Anmerkung: Im Gegensatz zum WASDE-Report zählt der GMR Kasachstan zur Gruppe der Exporteure.

US-Maisvermehrung erfordert gröbere Korrekturen an weltweiten Bilanzen

Gröbere Änderungen aufgrund der in den USA aufgetauchten zusätzlichen 10,3 Mio. t (+4,4 Mio. t Anfangsbestand, +6,0 Mio. t Erzeugung) Mais muss der IGC an den weltweiten Maisbilanzen vornehmen: Zwar wird auch ein 2,3 Mio. t größerer Verbrauch (1.323,1 Mio. t, -0,4 Mio. t zum Vorjahr) geschätzt, doch steigt die Produktion um 5,6 Mio. t (1.306,7 Mio. t, -40,3 Mio. t zum Vorjahr) und geht somit die Endlagerprognose um 7,8 Mio. t auf 297,0 Mio. t oder 22,4% stock to use in die Höhe. Allein die Maisendlager der USA werden um 7,9 Mio. t nach oben korrigiert. Die meisten anderen Länderbilanzen bleiben unverändert.
 
Für die EU kommt es zu einer Anhebung der Ernteprognose um 0,2 Mio. t auf 46,6 Mio. t Mais, das ist ein Einbruch um 13,6 Mio. t oder 22,6% gegenüber dem Vorjahr. Die anderen Bilanzposten bleiben unverändert (Import: 24,0 Mio. t, +5,0 Mio. t zum Vorjahr, Verbrauch: 71,3 Mio. t, -5,0 Mio. t zum Vorjahr), sodass sich die Endlagerprognose um 0,3 Mio. t auf 5,3 Mio. t (-2,1 Mio. t zum Vorjahr erholt). Gleich wie September setzt der UGC auch den Maisexport der Ukraine mit 22,0 Mio. t und einem Minus von 0,2 Mio. t im Jahresvergleich an.

Sojabohnen: Ernte und Verbrauch auf Rekordhoch - Lager verringern sich

Die Prognose für die globale Sojabohnenerzeugung sinkt zum Vormonat um 1,0 Mio. t, bleibt mit 439,1 Mio. t (+8,1 Mio. t oder +2% zum Vorjahr) aber auf Rekordhoch. Einen Rekord an Sojabohnen fahren dabei die USA mit 124,0 Mio. t (+1,0 Mio. t zum Vormonat, +8,0 Mio. zum Vorjahr) ein. Auch ihre Exportprognose steigt um 0,4 Mio. t auf 45,9 Mio. t (+4,0 Mio. t zum Vorjahr). Die drei großen Exporteure - Argentinien, Brasilien und USA - sollen ihre bohnenausfuhr zum Vorjahr um 8,8 Mio. t auf 169,5 Mio. t steigern können, wobei ihre Endlager ordentlich um 2,9 Mio. t auf 17,7 Mio. t abschmelzen.
 
Wachsende Nachfrage nach Verarbeitungsprodukten solle den weltweiten Sojaverbrauch um 9 Mio. t steigen und die Endlager um 4 Mio. t schwinden lassen. Dabei soll asiatisches Kaufinteresse das Handelsvolumen um 3,1 Mio. t oder 2% auf das neue Hoch von 190 Mio. t steigen lassen. China allein dürfte 115,5 Mio. t (+2,0 Mio. t zum Vorjahr) Sojabohnen am Weltmarkt aufkaufen.

Über den Grain Market Report - GMR des IGC

Die Kurzzusammenfassung des GMR auf der Website des IGC www.igc.int (Link in Box MARKET FUNDAMENTALS auf Startseite oder OUR EVENTS > Press Release) stellt neben dem Tabellenwerk eine kurze Analyse der jüngsten Entwicklung der Getreide- und Ölsaatenmärkte sowie der Exportpreise und einen Ausblick auf das weitere Wirtschaftsjahr zur Verfügung.

Die Veröffentlichung des nächsten Berichts ist am 19. November 2026 geplant.

Auf der Website des IGC (Link siehe unten) findet sich zudem Information über Exportpreise und globale Fundamentaldaten.
 
Getreide- und Ölsaatenindex des IGC auf Basis Jänner 2000 = 100.

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