Prognosen für EU-Versorgungsbilanzen 2026/27 im Überblick - Juni 2026

Weizen: EU-Kommission und WASDE sehen Bestandsabbau - IGC und COCERAL leichten neuen Aufbau
Für das Wirtschaftsjahr 2026/27 sind sich alle Bilanzprognosen darin einig, dass die Ernten in der EU kleiner ausfallen werden als im Vorjahr. Beim Weizen prognostizieren Europäische Kommission (EK) und der WASDE-Report des US-Agrarressorts USDA einen spürbaren Bestandsabbau, der EU-Getreidehandelsverband COCERAL und der GMR des Internationalen Getreiderates IGC erwarten einen leichten neuerlichen Bestandsaufbau. Aufgrund der extremen Wettersituation sind die Erwartungen an die Ernte 2026 allerdings im Fluss. Für eine sicherere Beurteilung der Marktlage empfiehlt es sich, die Updates der Prognosen in den kommenden Wochen aufmerksam zu verfolgen.
Bei den aktuellen Schätzungen der Weizenernte (Weichweizen und Durum) der Europäischen Union liegen die Prognosen von EK, WASDE, IGC-GMR und COCERAL weit auseinander. So sind die Ernteschätzungen von COCERAL (Siehe Downloads unten) und IGC die ältesten und konnten damit die Auswirkungen der jüngsten Hitzewelle noch nicht berücksichtigen. Die jüngeren Ernteschätzungen (EK, WASDE) sind niedriger als die älteren (IGC-GMR und COCERAL). Dem Vernehmen nach soll COCERAL aber an einer außertourlichen Revision seiner Ernteschätzung arbeiten. Die Dinge sind mit der Entwicklung der Wetterlage im Fluss. Dies gilt insbesondere auch für die Auswirkungen von Dürre und Hitze auf später räumende Kulturen wie Sonnenblumen und Mais.
 
Die Prognosen für Export, Import und Verbrauch von Weizen in der EU gehen nicht so weit auseinander. So differieren die aktuellen Prognosen für Endlager und deren Veränderung zu 2025/26 vor allem mit den unterschiedlichen Ernte- und Angebotsmengen. Dies ist offenbar im Zusammenhang mit dem Auftreten der Hitzewelle und deren Folgen für das Ertragspotenzial auch dem Zeitpunkt der Erstellung geschuldet. Zudem gehen die Einschätzungen der Überlager aus 2025/26 auseinander. Kommission (-2,7 Mio. t) und WASDE (-2,3 Mio. t) erwarten einen spürbaren Abbau der Weizenendlager, IGC und COCERAL einen leichten weiteren Aufbau.

Juni-Prognosen für EU-Weizenbilanz im Verglich

2026/27 EK WASDE IGC-GMR Coceral
Ernte 134,2 136,0 137,5 147,3
Angebot 158,0 159,4 159,4 intern
Verbrauch 112,5 113,8 112,1 intern
Import 6,6 6,5 6,7 intern
Export 31,0 31,0 31,8 intern
Endlager 14,6 14,6 15,5 intern
Quellen: Europäische Kommission (EK), USDA-WASDE, IGC-GMR, CCERAL Ernteschätzung jeweils vom Juni sowie eigene Berechnungen. Wiezen = gesamter Weizen, d.h. Weichweizen und Durum. Mengen in Mio. t, Angebot = Anfangsbestand+Ernte+Import.

EU-Weizenexport und Wettbewerbsfähigkeit als Schlüssel für Ausgewogenheit der Bilanz

Der Schlüsselfaktor, ob die EU 2026/27 eine überschüssige Weizenbilanz oder einen Lagerabbau zusammenbringen kann, ist somit der Export. Der Exporterfolg wiederum hängt von der tatsächlichen Erntemenge und ihrer Qualität sowie von der preislichen Wettbewerbsfähigkeit ab. Beispielsweise erhofft sich der französische Getreideverband aufgrund des frühen Beginns der Weizenernte durch baldige Lieferfähigkeit Vorteile im Exportgeschäft. Laut dem aktuellen Vergleich der fob-Exportpreise des IGC in US-Dollar (siehe Tabelle unten, Stand: 04.07.2026) hat der französische Weizen Grade 1 fob Rouen am 24. Juni den zuvor gewonnen Preisvorteil gegenüber dem qualitativ vergleichbaren Konkurrenten Sof Red Winter (SRW) aus den USA fob Golf von Mexiko wieder verloren. Der Grade 1 konnte in den letzten Tagen mit 236 USD/t am 4. Juli dank einer Befestigung der SRW-Preise auf USD 246/t aber wieder einen Preisvorteil von 10 USD/t generieren.

IGC: Vergleich der Exportpreise von Weizen

IGC-Preise-04-07-26.png
IGC-Preise-04-07-26 IGC-Vergleich der Exportpreise in USD/t, Stand: 04.07.2026, Quelle: www.igc.int © IGC

Die aktuellen Bilanzprognosen im Detail

Bilanzen 2026/27 der Europäischen Kommission

Europäische Kommission Getreide 2026/27 - 25. Juni 2026

Weichweizen Ernte Angebot Export Import Verbrauch Endlager
2026/27 126,27 147,26 29,98 4,50 103,51 13,77
Diff. y/y -9,07 -0,72 +1,98 0,00 +0,02 -2,72
Diff. m/m -0,62 -0,05 +0,33 +0,60 -0,03 -0,35
2025/26 135,34 147,98 28,00 4,50 103,49 16,49
Diff. y/y +24,39 +12,07 +2,58 -3,55 +1,14 +8,35
Mais
2026/27 59,90 96,69 3,99 19,13 77,19 15,51
Diff. y/y -0,30 -0,24 +1,59 +0,83 +0,31 -2,14
Diff. m/m -0,45 -0,17 0,00 +0,16 0,00 -0,17
2025/26 60,20 96,93 2,40 18,30 76,88 17,65
Diff. y/y +0,96 -1,57 -0,57 -1,70 -0,21 -0,79
Getreide
gesamt
2026/27 273,68 345,74 45,43 26,81 259,96 40,36
Diff. y/y -16,25 -3,37 +1,53 +0,32 0,00 -4,89
Diff. m/m -1,50 +0,16 +0,34 +0,86 -0,07 -0,10
2025/26 289,93 349,11 43,90 26,49 259,96 45,25
Quelle: Europäische Kommission. Angaben in Mio. t Diff. m/m =25.06-26.05.2026, Diff y/y =2026/27-2025/26 und 2025/26-2024/25.

Europäische Kommission Ölsaatenbilanzen 2026/27 - 25. Juni 2026

Europäische Kommission Ölsaaten 2026/27 - 25. Juni 2026

Raps Ernte Angebot Export Import Verbrauch Endlager
2026/27 19,80 26,33 0,51 5,70 25,01 0,72
Diff. y/y -0,37 -0,18 -0,09 +0,20 -0,06 -0,11
Diff. m/m -1,05 -0,18 -0,09 +0,20 -0,07 -0,11
2025/26 20,17 26,51 0,60 5,50 25,07 0,83
Diff. y/y +3,40 +0,95 +0,22 -2,46 +0,72 0,00
Sonnenblumen
2026/27 10,09 11,99 0,59 10,03 10,53 0,87
Diff. y/y +1,37 +1,23 -0,41 +8,87 +1,65 -0,01
Diff. m/m -8,72 -10,50 -0,94 -0,90 -8,68 -0,88
2025/26 8,72 10,76 1,00 1,16 8,88 0,88
Diff. y/y +0,39 +0,93 +0,26 +0,53 +0,66 0,00
Sojabohnen
2026/27 2,80 18,04 0,28 13,95 16,50 1,27
Diff. y/y -0,02 -0,08 -0,04 -0,05 0,00 -0,03
Diff. m/m -0,02 -0,08 -0,04 -0,05 0,00 -0,03
2025/26 2,82 18,12 0,32 14,00 16,50 1,30
Quelle: Europäische Kommission. Angaben in Mio. t Diff. m/m =25.06-26.05.2026, Diff y/y =2026/27-2025/26 und 2025/26-2024/25.

USDA/WASDE Juni 2026

WASDE-EU-06-26.png
WASDE-EU-06-26 WASDE, 11. Juni 2026, Mengen in Mio. t © USDA

IGC-GMR Juni 2026

IGC-GMR EU 06-26.png
IGC-GMR EU 06-26 IGC-GMR, 25.06.2026, Angaben in Mio.t © IGC

Download