Prognosen für EU-Versorgungsbilanzen 2026/27 im Überblick - August 2026

Ernten sinken mit Andauer von Hitze und Dürre weiter - Weniger Weizen und Mais vom Schwarzmeer
Mit anhaltender Hitze und Dürre sinken die Ernteprognosen für die EU von Ausgabe zu Ausgabe - und zwar sowohl für die nahezu fertigen Sommerernten als auch insbesondere für die bevorstehenden Herbsternten. Neben Mais und Weizen werden auch weniger Raps. Sonnenblumen und Sojabohnen erwartet.
So steigt der Importbedarf der Union beim Mais stetig. Gleichzeitig hemmen Niedrigwasser die Binnenschifffahrt, Bautätigkeiten den Transport auf der Schiene und knappe LKW-Kapazitäten sowie hohe Treibstoffpreise den auf der Straße. Importe werden durch die Eskalation der gegenseitigen Angriffe auf die Infrastruktur der Exportlogistik am Schwarzen Meer beträchtlich erschwert. An den Terminmärkten in der EU und USA starteten Weizen und Mais zu Rallyes, am Schwarzen Meer verfallen die Exportpreise - beim Weizen zum Teil unter die Hälfte westlicher Niveaus.
 
Die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien stellt im Folgenden anhand des Vergleichs der aktuellen August-Prognosen von Europäischer Kommission (EK), Internationalem Getreiderat (IGC - GMR)US-Landwirtschaftsministerium (USDA - WASDE), sowie der außerordentlichen Ernteschätzung des EU-Getreidehandelsverbandes (COCERAL) vom Juli Anhaltspunkte für die Entwicklung der Märkte und Vermarkungsstrategien zur Verfügung.

Maisprognosen weisen mit überschaubaren Differenzen in dieselbe Richtung

  • Alle Prognosen kürzen die Ernten sowohl gegenüber dem Juli (m/m) als auch dem Vorjahr (y/y). Der IGC geht mit der Maisernte der EU sogar unter 50 Mio. t (48,5 Mio. t), EK (50,1 Mio. t) und WASDE (50,2 Mio. t) nur knapp darüber.
  • Der Importbedarf der EU zur Deckung ihres Versorgungsdefizits mit Mais steigt von Report zu Report und auch im Jahresabstand, obwohl sie ihren Verbrauch rationiert. Die Importe schwanken zwischen 23,5 Mio. t (IGC-GMR und WASDE) und 25,0 Mio. t (EK).
  • Die Verbrauchsprognosen sinken. Den höchsten Verbrauch nimmt die EU-Kommission (76,1 Mio. t) an, der WASDE kommt auf 73,0 Mio. t und der IGC auf den kleinsten Verbrauch (71,8 Mio. t).
  • Bei den potenziellen Lieferanten nehmen IGC und WASDE wegen der Kriegshandlungen gegen die Exportinfrastruktur und als Folge von Dürre die Maisausfuhr der Ukraine zum Vormonat und zum Vorjahr zurück. Dabei steht der Start der Maisausfuhr-Kampagne aus der Ernte 2026 von Mais erst noch bevor. Davon profitiert der Maisexport der USA: Die USA konnten laut EK-Wochenbericht in den ersten acht Wochen des Wirtschaftsjahres 2026/27 (01.07. bis 24.08.) zum Vergleichszeitraum des Vorjahres ihren Anteil am Maisimport der EU von 13,0% auf 39,6% verdreifachen. Zudem soll zur Substitution des Maisdefizits in der EU mehr Weizen (siehe unten) in die Futtertröge fließen.
  • An der CBoT kletterte der Dezember-Maiskontrakt in der Kalenderwoche 35 auf ein Laufzeit-Hoch, an der Euronext stieg er trotz einer Befestigung des Euros gegenüber dem US-Dollar auch noch leicht weiter.

August-Prognosen für EU-Maisbilanz 2026/27 im Vergleich

2026/27 EK
27.08.
IGC-GMR
20.08.
WASDE
12.08
Coceral
10.07
Ernte 50,1 48,5 50,2 52,7
Import 25,0 23,5 23,5 intern
Angebot 93,6 79,4 79,7 intern
Verbrauch 76,1 71,8 73,0 intern
Export 4,0 1,5 1,6 intern
Endlager 13,5 6,1 5,1 intern
Quellen: Europäische Kommission (EK), USDA-WASDE, IGC-GMR, COCERAL Ernteschätzungen vom Juli (COCERAL) sowie August (USDA, GMR, EK) eigene Berechnungen. Mengen in Mio. t, Angebot=Anfangsbestand+Ernte+Import.

Weizen: Prognosen für Ernte und Endbestand sinken und jene für Verbrauch steigen

  • Auch die Schätzungen der Weizenproduktion in der EU sinken nochmals in allen Prognosen: Für die gesamte Weizenerzeugung gibt die EU-Kommission in der spätesten Prognose (27.08.) die kleineste Schätzung (131,6 Mio. t) ab, gefolgt von der zweitjüngsten (20.08) im IGC-GMR (133,9 Mio. t) und der ältesten (12.08.) vom USDA im WASDE (134,2 Mio. t). COCERAL kam im Juli auf 134,9 Mio. t gesamte Weizenernte 2026 in der EU.
  • Alle sehen den Weizenverbrauch der EU - unter anderem wegen mehr Verfütterung als Ersatz für Mais und trotz kleinerer Ernte - gegenüber dem Vormonat und Vorjahr steigend.
  • Bei den Schätzungen des Weizenexports ist die EU-Kommission am vorsichtigsten: Sie setzt 30,0 Mio. t Weichweizen an - nahezu gleich viel wie im Vorjahr. Die anderen sehen gleich viel oder einen Deut mehr Weizenausfuhr als vor Monatsfrist, der IGC kommt auf etwas mehr als 2025/26, der WASDE-Report auf etwas weniger. Dies alles bei deutlich kleineren Ernten als im Vorjahr, jedoch offensichtlich unter der Annahme, die EU könnte sich ein Stück vom Exportkuchen abschneiden, den die Schwarzmeer-Region wegen des Krieges verliert. Laut IGC sind Exporte aus den Tiefseehäfen Russlands und der Ukraine praktisch zum Erliegen gekommen - bei Weizen 4 Mio.t Exportrückgang seit Mitte Juli. Die Auswirkungen auf die Märkte sind wegen aktuell zurückhaltender Importnachfrage noch relativ begrenzt, viel hängt aber von der weiteren Dauer und Intensität der Einschränkungen ab. Der IGC kürzt den Weizenexport Russlands um -2,5 Mio. t m/m und -2,7 Mio. t y/y sowie den der Ukraine um -1,8 Mio. t m/m und -0,8 Mio. t y/y.
  • Die Weizenendlager der EU sinken in allen Prognosen, und es kommt zu Lagerabbau. Das Verhältnis stock to use (Anteil Endlager am Verbrauch) sinkt laut EK auf 8,2%, beim IGC auf 7,5% und im WASDE auf 9,6%.
Wieweit die Bilanzprognosen tatsächlich aufgehen, hängt zu einem erheblichen Ausmaß von der Wettbewerbsfähigkeit und dem Erfolg der EU beim Export von Weizen auf den Weltmarkt ab. Das in US-Dollar berechnete Monitoring der Exportpreise auf der IGC-Website von französischem Weizen Grade 1 fob Rouen und seiner Konkurrenz Soft Red Winter (SRW) aus den USA fob Golf von Mexiko zum Stichtag 28. August (siehe unten Screenshot "IGC-VERGELICH DER EXPORTPREISE IN USD/T - STAND 28.08.2026") zeigt, dass der Preisvorteil für den französischen Weizen (USD 261/t) jüngst auf 22 USD/t gegenüber dem US-amerikanischen (USD 313/t) gestiegen ist. Die Preise der US-Konkurrenz sind den Tagen davor stärker gestiegen als die des französischen Weizens.

August-Prognosen für EU-Weizenbilanz 2026/27 im Vergleich

2026/27 EK
27.08.
IGC-GMR
20.08.
WASDE
12.08
Coceral
10.07
Ernte 131,6 133,9 134,2 134,9
Import 6,6 7,3 6,5 intern
Angebot 154,7 157,2 159,8 intern
Verbrauch 113,0 113,8 114,8 intern
Export 30,0 32,5 31,0 intern
Endlager 11,8 11,0 14,0 intern
Quellen: Europäische Kommission (EK), USDA-WASDE, IGC-GMR, COCERAL Ernteschätzungen vom Juli (COCERAL) sowie August (USDA, GMR, EK) eigene Berechnungen. Weizen=gesamter Weizen, d.h. Weichweizen und Durum. Mengen in Mio. t, Angebot=Anfangsbestand+Ernte+Import.

IGC-Vergleich der Exportpreise in USD/t - Stand: 28.08.2026

IGC-Exportpreise-28-08-26.png
IGC-Exportpreise-28-08-26 © International Grains Council - IGC

Exportpreise 28.08.2026:

EU (Frankreich), Grade 1 fob Rouen: 291 USD/t
Quelle: https://igc.int

Die aktuellen Bilanzprognosen im Detail

EU-Kommission: S&D 08/2026 Getreide zu Monat (m/m) und Jahr davor (y/y)

Weizen Ernte Import Angebot Verbrauch Export Endlager
2026/27 131,56 6,65 154,69 112,96 29,97 11,76
Diff. y/y -11,83 -0,03 -4,26 +0,51 -0,04 -4,73
Diff. m/m -0,08 +0,08 -0,83 +0,50 -0,04 -1,30
2025/26 143,39 6,68 158,95 112,45 30,01 16,48
Diff. y/y +24,78 -3,43 +12,62 +1,26 +3,75 +7,61
Mais
2026/27 50,08 25,00 93,62 76,13 3,99 13,50
Diff. y/y -10,12 +5,71 -4,31 -0,75 +1,49 -5,04
Diff. m/m -1,81 +1,00 +0,07 -1,01 +0,00 +1,09
2025/26 60,20 19,29 97,92 76,88 2,51 18,53
Diff. y/y +0,96 -0,72 -0,58 -0,21 -0,46 +0,10
Getreide
gesamt
2026/27 262,72 32,73 340,06 260,40 44,38 35,28
Diff. y/y -27,18 +5,38 -9,86 +0,43 -0,97 -9,33
Diff. m/m -0,06 +1,05 +0,36 +0,50 -0,07 -0,08
2025/26 289,90 27,35 349,93 259,96 45,35 44,62
Quellen: Europäische Kommission Präsentationen " EU CEREALS SUPPLY & DEMAND" vom 27.08.2026 und 30.07. 2026, eigene Berechnungen. Zahlenangaben in Mio. t. Diff. y/y = Differenz zum Jahr davor Diff. m/m = Differenz zur Vormonatspräsentation (30.07.2026)

EU-Kommission: S&D 08/2026 Ölsaaten zu Monat (m/m) und Jahr davor (y/y)

Raps Ernte Import Angebot Verbrauch Export Endlager
2026/27 19,45 6,42 26,70 25,46 0,51 0,72
Diff. y/y -0,73 -0,54 -1,26 -1,02 -0,13 -0,11
Diff. m/m -0,33 +0,72 +0,39 +0,39 0,00 0,00
2025/26 20,17 6,96 27,96 26,48 0,64 0,83
Diff. y/y +3,41 -1,07 +1,34 +2,08 +0,26 0,00
Sonnenblumen
2026/27 9,45 0,90 11,23 9,76 0,59 0,87
Diff. y/y +0,73 -0,47 +0,26 +0,84 -0,58 -0,00
Diff. m/m -9,53 -1,03 -11,44 -9,97 -0,59 -0,87
2025/26 8,72 1,37 10,97 8,92 1,17 0,88
Diff. y/y +0,40 +0,74 +1,14 +0,70 +0,44 0,00
Sojabohnen
2026/27 2,24 14,49 18,02 16,48 0,28 1,27
Diff. y/y -0,59 +0,20 -0,39 -0,31 -0,04 -0,03
Diff. m/m -0,36 +0,54 +0,18 +0,18 -0,00 0,00
2025/26 2,82 14,29 18,41 16,79 0,32 1,30
Diff. y/y -0,18 -0,30 -0,47 -0,43 -0,05 0,00
Ölsaaten
gesamt
2026/27 31,13 21,80 55,95 51,70 1,38 2,86
Diff. y/y -0,58 -0,81 -1,39 -0,49 -0,75 -0,15
Diff. m/m -0,78 +1,13 +0,35 +0,36 -0,00 0,00
2025/26 31,71 22,61 57,33 52,19 2,13 3,01
Quellen: Europäische Kommission Präsentation "EU OILSEEDS, OILSEED MEALS & VEGETABLE OILS SUPPLY & DEMAND" vom 27.08.2026 und 30.07.2026, eigene Berechnungen. Zahlenangaben in Mio. t. Diff. y/y = Differenz zum Jahr davor Diff. m/m = Differenz zur Vormonatspräsentation (30.07.2026)

IGC-GMR EU-Getreidebilanzen 2026/27 - 20.08.2026

Weizen Ernte Import Angebot Verbrauch Export Endlager
2026/27 133,9 7,3 157,2 113,8 32,5 11,0
Diff. y/y -9,5 -0,7 -4,5 +0,2 +0,4 -5,0
Diff. m/m -1,8 +0,3 -0,8 +1,2 +0,7 -2,6
2025/26 143,4 8,0 161,7 113,6 32,1 16,0
Diff. y/y +24,4 -3,8 +14,0 +4,4 +3,9 +5,7
Mais
2026/27 48,5 23,5 79,4 71,8 1,5 6,1
Diff. y/y -11,8 +4,5 -6,6 -4,5 -0,8 -1,3
Diff. m/m -5,3 +2,5 -2,7 -2,2 0,0 -0,5
2025/26 60,2 19,0 86,0 76,3 2,3 7,4
Diff. y/y +1,0 +0,1 -0,2 -0,5 -0,4 +0,6
Getreide
gesamt
2026/27 261,5 31,9 325,4 256,3 44,3 24,8
Diff. y/y -28,3 +3,4 -14,4 -4,0 -3,1 -7,2
Diff. m/m -7,0 +2,8 -3,8 -0,7 +1,0 -4,0
2025/26 289,8 28,5 339,8 260,3 47,4 32,0
Quelle: IGC-GMR EU 08-26 IGC-GMR, 20. August 2026, Angaben in Mio.t, im Vergleich (m/m) zu GMR EU-07-26, 16. Juli 2026, und eigene Berechnungen, Jahresvergleiche=y/y, Angebot=Anfangsbestand+Ernte+Import

USDA/WASDE EU-Getreidebilanzen 2026/27 - 12.08.2026

Weizen Ernte Import Angebot Verbrauch Export Endlager
2026/27 134,20 6,50 159,78 114,75 31,00 14,03
Diff. y/y -10,91 -0,70 -4,30 +1,25 -0,50 -5,05
Diff.m/m -1,80 0,00 +0,70 +1,00 0,00 -0,30
2025/26 145,11 7,20 164,08 113,50 31,50 19,08
Diff. y/y +24,05 -3,52 +56,08 +11,15 +3,58 +7,31
Mais
2026/27 50,20 23,50 79,65 73,00 1,60 5,05
Diff. y/y -6,60 +5,00 -1,80 -0,40 -0,50 -0,90
Diff.m/m -3,58 +1,00 -1,71 -1,40 -0,30 -0,01
2025/26 56,80 18,50 81,45 73,40 2,10 5,95
Quelle: WASDE-EU-08-26, 12. August 2026, Mengen in Mio. t, im Vergleich (m/m) zu WASDE EU-07-26, 10. Juli 2026, und eigene Berechnungen, Jahresvergleiche=y/y