WASDE September 2026: Weniger Schwarzmeer-Export bringt größere Weizenlager

EU-Weizenernte und Endlager neuerlich gesenkt und Mais- und Sonnenblumenernte aber angehoben
Das USDA hebt im September-WASDE-Report für 2026/27 gegenüber August Produktion und über Erwarten auch die Endlager von Weizen an und senkt die Erzeugung von Mais und Getreide insgesamt, wobei die Endbestandsprognose für den Mais sinkt, die für alles Getreide aber steigt. Dahinter stecken vor allem deutlich größer geschätzte Weizen- und Gerstenernten Australiens mit höheren Endlagerständen sowie hinaufgesetzte Weizenendbestände Russlands und der Ukraine wegen des Einbruchs der Exporte als Folge der Kriegshandlungen am Schwarzen Meer. In der EU sinken Weizenernte und -endlager neuerlich, steigt aber zum Vormonat überraschend die Maiserzeugung.
Für 2026/27 senkt des USDA die gesamte weltweite Getreideerzeugung im Monatsabstand um 4,43 Mio. t und hebt aufgrund um 6,97 Mio. t höher angesetzter Anfangsbestände das Angebot um 1,54 Mio.t an. Die Produktion fällt um 2,5% oder 74,98 Mio. t unter Vorjahresniveau, das Angebot um 0,9% oder 34,99 Mio. t. Den Verbrauch schätzt der WASDE-Report um 4,25 Mio. t kleiner als vor Monatsfrist, er nimmt aber im Jahresabstand um 2,58 Mio. t oder 01% doch einen Hauch zu. Damit nimmt die Endlagerschätzung dabei Vormonat um 5,79 Mio. t zu, der Bestandsabbau erreicht nun 37,57 Mio. t oder 4,6%. Der Anteil der Endlager am Verbrauch (stock to use) sinkt zum Vorjahr um 1,28% auf 26,10%.

WASDE: USDA-Prognose zu weltweiten Versorgungsbilanzen - September 2026

2025/26
vorl.
2026/27
Prognose
26/27 zu
Vormonat
26/27
zu 25/26
Weizen
Ernte 843,99 822,43 +3,13 -21,56
Angebot 1.104,58 1.103,04 +3,52 -1,54
Verbrauch 823,98 826,75 +0,48 +2,77
Endbestand 280,60 276,29 +3,04 -4,31
Bestand
zu Vorjahr
+20,01 -4,31 -2,66 -15,70
Ratio stock/use 34,05% 33,42% +0,35% -0,64%
Mais
Ernte 1.330,81 1.290,95 -7,93 -39,86
Angebot 1.626,51 1.592,33 -5,38 -34,18
Verbrauch 1.325,13 1.320,23 -2,82 -4,90
Endbestand 301,38 272,10 -2,56 -29,28
Bestand
zu Vorjahr
+5,68 -29,28 +5,11 +23,60
Ratio stock/use 22,74% 20,61% -0,15% -2,13%
Getreide gesamt
Ernte 3.019,13 2.944,15 -5,43 -74,98
Angebot 3.795,03 3.760,04 +1,54 -34,99
Verbrauch 2.979,14 2.981,72 -4,25 +2,58
Endbestand 815,89 778,32 +5,79 -37,57
Bestand
zu Vorjahr
+39,99 -37,57 +1,18 +2,42
Ratio stock/use 27,39% 26,10% +0,23% -1,28%
Sojabohnen
Ernte 429,41 442,35 +0,10 +12,94
Angebot 555,36 567,62 +0,25 +12,26
Verbrauch 430,64 442,44 +0,42 +11,80
Endbestand 125,27 124,02 -0,19 -1,25
Bestand
zu Vorjahr
-0,68 -1,02 +0,11 +0,34
Quelle: WASDE-Bericht des USDA, 11. September 2026, eigene Berechnungen, Angaben in Mio. t. Monatsvergleiche zum Report vom 12. August 2026. Anmerkungen: Getreide enthält Weizen, alle Futtergetreide inklusive Mais und Reis. Die Daten von Sojabohnen basieren auf den lokalen Wirtschaftsjahren mit Ausnahme von Argentinien und Brasilien, deren Wirtschaftsjahre auf den Zeitraum Oktober bis September abgestellt werden. Daher können die Daten des globalen Angebots und Verbrauchs sowie von Export und Import nicht korrelieren. Nächster WASDE-Bericht: 9. Oktober 2026.

Global größere Ernte sowie Anfangs- und Endbestände an Weizen

Die globale Weizenproduktion 2026/27 steigt gegenüber August um 3,13 Mio. t auf 822,43 Mio. t und verfehlt das Vorjahresergebnis um 21,56 Mio. t oder 2,6%. Dabei steigen die Ernteprognosen Australiens um 3,0 Mio. t (31,00 Mio. t, -4,99 Mio. t zum Vorjahr) dank ausgiebigen Regens, die Kanadas um 1,00 Mio. t (36,00 Mio. t, -4,56 Mio. t zum Vorjahr), der Ukraine um 0,60 Mio. t (26,00 Mio. t, +1,90 Mio. t zum Vorjahr) und Argentiniens um 0,50 Mio. t (21,50 Mio. t, -6,39 Mio. t zum Vorjahr). Es sinken aber die Weizenernten Kasachstans um 1,00 Mio. t (15,00 Mio. t, -4,33 Mio. t zum Vorjahr), Russlands um 0,50 Mio. t (88,00 Mio. t, -2,30 Mio. t zum Vorjahr) und der EU um 0,40 Mio. t (133,80 Mio. t, -11,34 Mio. t zum Vorjahr).
 
Die Anfangsbestände (=Endlager 2025/26) stellen sich um 0,38 Mio.t höher als im Vorbericht dar, das Angebot von 1.103,04 Mio. t ist um 3,52 Mio. t größer als vor Monatsfrist und um 1,54 Mio. t kleiner als im Vorjahr. Den Verbrauch hebt das US-Agrarressort um 0,48 Mio. t auf 826,75 Mio. t an, das sind im Jahresvergleich um 2,77 Mio. t beziehungsweise 0,3% mehr. Die Endlagerprognose setzt USDA zum Vormonat um 3,04 Mio. t hinauf, wobei die nunmehr 276,29 Mio. t einen Bestandsabbau um 4,31 Mio. t zum Vorjahr auf 33,42% stock to use bedeuten. Da sind um 2,66 Mio. t weniger Lagerabbau als laut August-WASDE.

Weniger Weizenexport aus Russland und Ukraine zieht mehr Endlager nach sich

Da wegen der Kriegshandlungen am Schwarzen Meer die Exportprognosen für Russland um 3,00 Mio. t Weizen (43,00 Mio. t, -5,00 Mio. t zum Vorjahr) und für die Ukraine um 1,00 Mio.t (12,50 Mio. t, -1,60 Mio. t zum Vorjahr) gekürzt werden und Australiens Ausfuhr nur um 1,50 Mio. t (23,50 Mio. t, -0,50 Mio. t zum Vorjahr) nach oben revidiert wird, steigen in diesen Ländern die Voraussagen für die Endlager. In Russland um 2,50 Mio. t zum August und 4,10 Mio. t Lageraufbau zum Vorjahr und in der Ukraine um 1,30 Mio. t zum August und auch 4,10 Mio. t Lageraufbau zum Vorjahr. In Australien erhöhen sich die Weizenendlager gegenüber August zwar um 1,50 Mio. t zum August, nehmen zum Vorjahr jedoch um 1,42 Mio. t ab.

Ohne Lageraufbau in Russland und Ukraine wäre globale Weizenbilanz deutlich enger

Rechnet man den Lageraufbau in Russland und der Ukraine aus der weltweiten Bilanz heraus, käme es im Monatsabstand nicht zu einer Erhöhung der Endlagerschätzung um 3,04 Mio. t Weizen sondern sogar zu einer Senkung um 0,76 Mio. t sowie im Jahresvergleich zu 12,51 Mio.t Lagerabbau anstatt 4,31 Mio. t in der globalen Bilanz.

Weizenernte und Endlager der EU neuerlich nach unten revidiert EU-Lageranteil eng

Der WASDE-Report revidiert die Weizenernte der EU um weitere 0,4 Mio. t auf 133,80 Mio. t (-11,34 Mio. t zum Vorjahr) und das Überlager aus 2025/26 um 0,11 Mio. t auf 18,97 Mio. t (+7,20 Mio. t zum Jahr davor) nach unten und belässt alle anderen Parameter (6,50 Mio. t Import, -0,78 Mio. t zum Vorjahr, 114,75 Mio. t Verbrauch, +1,25 Mio. t zum Vorjahr und 31,00 Mio. t Export, -0,72 Mio. t zum Vorjahr) gleich. Daraus resultieren nunmehr 13,52 Mio. t Weizenendbestand - um 0,51 Mio. t weniger als im August und um 5,45 Mio. t weniger als 2025/26, wobei der Lagerabbau nunmehr um 0,40 Mio. t stärker als vor einem Monat geschätzt wird. Der Endlageranteil der EU am Verbrauch sinkt um weitere 0,3% auf 9,3% ihres Verbrauchs (siehe Tabelle unten "Weizen 09-2026: Anteil Endlager an Verbrauch und globaler Reserve").
 
Gleich hoch wie im August setzt das USDA das Verhältnis stock to use der USA mit 38,3% an, obwohl sie ihre Endlager im Jahresabstand ebenso gleich wie vor einem Monat um 5,53 Mio. t abbauen können. Auch belässt der Report sonst alle anderen Posten in der US-Weizenbilanz so wie vor einem Monat.

Weizen 09-2026: Anteil Endlager an Verbrauch und globaler Reserve

WJ 2026/27 Verbrauch Endlager stock/use Anteil an
Endlager global
Welt 826,8 276,3 33,4% 100,0%
China 149,0 120,2 80,7% 43,5%
Welt
ohne China
889,5 156,1 17,5% 56,5%
Exporteure 414,6 68,6 16,5% 24,8%
Exporteure
ohneUSA
346,1 47,0 13,6% 17,0%
USA 51,0 19,5 38,3% 7,1%
Quelle: Prognose Wirtschaftsjahr 2026/27, WASDE vom 11. September 2026, eigene Berechnungen, Zahlenangaben in Mio. t, gerundet. Verbrauch: Eigenverbrauch + Export, Exporteure: Argentinien, Australien, EU, Kanada, Russland, Ukraine, USA. Anmerkung: WASDE zählt entgegen IGC-GMR Kasachstan nicht zur Gruppe der Exporteure und auch die USA nicht mit. Daten von Kasachstan und USA sind zur besseren Vergleichbarkeit mit IGC-GMR vom Autor in diese Tabelle miteinberechnet.

Mais: Globale Produktion und Endlager gesenkt - vor allem in USA und EU weniger Mais

Das USDA senkt die weltweite Maisproduktion gegenüber August um 7,93 Mio. t auf 1.290,95 Mio. t. Das sind um 39,86 Mio. t oder 3,0% weniger als im Vorjahr. Das Gros des Rückgangs geht auf die USA mit einem Produktionsminus von 31,01 Mio. t und die EU mit einem Minus von 6,20 Mio. t zurück.
 
Das Maisangebot nimmt das Washingtoner Ressort wegen höher angesetzter Anfangsbestände nur um 5,38 Mio. t zurück und den Verbrauch um 2,82 Mio. t auf 1.320,23 Mio. t (-4,90 Mio. t bzw. -0,4% zum Vorjahr). Somit sinkt die Endlagerschätzung um 2,56 Mio. t auf 272,10 Mio. t. Dies bedeutet einen binnen Monatsfrist um 5,11 Mio.t stärkeren Lagerabbau um 29,98 Mio. t beziehungsweise um 9,7% auf 20,61% des Verbrauchs.
 
Erwartungsgemäß nimmt das USDA die Maisernte der USA um 5,42 Mio. t auf 401,33 Mio. t (-31,01 Mio. t zum Vorjahr) und deren Verbrauch wegen reduzierter Verfütterung um 3,81 Mio. t auf 327,80 Mio. t (-8,89 Mio. t zum Vorjahr) zurück, belässt aber in der Hoffnung auf anhaltende Weltmarktnachfrage den Export trotz weniger Verfügbarkeit bei 83,19 Mio. t (-3,81 Mio. t zum Vorjahr). Somit wird die Endlagerprognose um 2,19 Mio. t auf 39,79 Mio. t nach unten korrigiert, womit es nun zu 9,03 Mio. t Lagerabbau - um 1,61 Mio. t mehr als im August-WASDE - kommt. Gleichzeitig hebt das USDA die Erzeugerpreisprognose für die US-Maisanbauer binnen Monatsfrist um 6,7% an. Brasilien werde wegen seiner boomenden Ethanolerzeugung statt wie zuvor angenommen 44,00 Mio. t nur mehr 43,00 Mio. t Mais exportieren.

EU-Maisernte angehoben und Export der Ukraine gleich belassen

Überraschungen birgt der Bericht in sich, indem er die Prognose für den Maisexport der Ukraine mit 22,00 Mio. t (-0,40 Mio. t zum Vorjahr) gleich wie im Vormonat ansetzt und die Maisproduktion der EU (50,60 Mio. t, -6,20 Mio.t zum Vorjahr) und ihren Verbrauch (73,40 Mio. t, -0,40 Mio.t zum Vorjahr) zur Gänze in der Verfütterung um jeweils 0,40 Mio.t anhebt. Somit bleibt die Maisbilanz der EU in allen anderen Positionen gleich zum Vormonat - unter anderem mit 23,50 Mio. t Importbedarf, um 4,50 Mio. t mehr als 2025/26.
 
Bei den anderen Futtergetreidearten hebt das USDA vor allem die Gerstenerzeugung Australiens um 3,0 Mio. t sowie auch die der Ukraine und Kasachstans etwas an.

Minimale Änderungen an Sojabohnen-Bilanzen - EU-Ernte kleiner - US-Bohnen und Schrot teurer

Die weltweite Ölsaatenbilanz des USDA weist gegenüber dem August nur minimale Veränderungen auf: Die Produktion steigt um 0,10 Mio. t, die Endlager sinken um 0,19 Mio. t und bauen sich um 1,02 Mio. t ab. Die US-Bohnenernte wird etwas hinaufgesetzt, noch mehr aber auch der Export, sodass die Endlagerprognose sinkt. Die Preisprognose für US-Bohnen steigt hingegen binnen Monatsfrist um 5% und die für Sojaschrot um 8,8%. Die Prognose für die Sojabohnenernte der EU verringert sich um 0,15 Mio. t auf 2,80 Mio. t (-0,05 Mio. t zum Vorjahr).
 
Aber auch bei den Ölsaaten gibt es Überraschungen: Etwa erwartet das USDA gegenüber August in der EU eine größere Sonnenblumenernte und mehr Sojabohnenexport aus der Ukraine.

Download