MARS-Bulletin April 2026: Noch gute Bedingungen bei wachsendem Wasserdefizit

Erträge gegenüber Ende März leicht angehoben und unter Vorjahr - Bestände in Österreich normal entwickelt
Der Wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission (JRC, Joint Research Center) bezeichnet im MARS-Bulletin (Monitoring Agricultural Ressources) vom April 2026 die Aufwuchsbedingungen für die Bestände zur Ernte im Sommer quer durch Europa mit milden Temperaturen und noch ausreichender Bodenfeuchtigkeit als gut, wenngleich sich Niederschlagsdefizite in Zentral- Norde- und Osteuropa immer mehr breitmachen. Gegenüber Ende März werden die zumeist unter Vorjahresniveau und etwas über dem mehrjährigen Mittel angesetzten Ertragsprognosen für die bisher erfassten Winterungen durch die Bank leicht angehoben. Die Frühjahrsaussaat schreitet voran.
Mit zunehmendem Wasserbedarf der Pflanzen steige in den niederschlagsarmen Regionen die Sorge um die Entwicklung der Bestände. In Südwest - und auch Teile Osteuropas hat exzessiver Regenfall wiederum lokal zu Staunässe geführt oder haben Kälteeinbrüche möglicherweise empfindliche Kulturen geschädigt. Wetterprogosen lassen anhaltend trockene Verhältnisse in Zentraleuropa und Abkühlung on Osteuropa erwarten. Dies könnte die Wasserversorgungsproblematik verschärfen beziehungsweise die Entwicklung der Pflanzen bremsen. Die Ertragserwartungen liegen zumeist unter Vorjahresniveau und nahe den historischen Trends.

Erträge zumeist über März-Prognose - aber unter Vorjahr und dennoch leicht über Schnitt

Demnach erwartet MARS in einer ersten Prognose der Erträge des gesamten - also der bisher erfassten Winterungen - Getreides 2026 in der EU einen Hektarertrag von 5,50 t - das sind 3% mehr als der fünfjährige Durchschnitt. An Weizen insgesamt sollen es 5,83 t/ha (+1% gegenüber März) werden - 4% weniger als im Vorjahr und 3% mehr als im Durschnitt der vergangenen fünf Jahre - und davon an Weichweizen 6,05 t/ha (+1% gegenüber März) und ebenso 4% weniger und 3% über den Vergleichswerten sowie an Durum wie im März 3,64t/ha - 2% weniger als im Vorjahr und um 4% mehr als im Fünfjährigen Schnitt. An Gerste prognostiziert das Bulletin mit 5,15 t/ha (+1% gegenüber März) ein Minus von 9% zum Vorjahr und ein Plus von 3% zu den vergangenen fünf Jahren, wobei es mit 4,96 t/ha Sommergerste so viel wie im März, 9% weniger als im Vorjahr und um 4% mehr als im Fünfjahres-Mittel werden sollen. Wintergerste mit 5,23 t/ha (+2% gegenüber März) wird 8% weniger als im Vorjahr und 2% mehr als im Schnitt. Der unverändert geschätzte Roggenertrag von 4,35 t/ha liegt 7% unter Vorjahresniveau und 2% über dem mehrjährigen Schnitt, der ebenso zum Vormonat gleich gebliebene von Triticale mit 4,50 t/ha 5% unter dem Vorjahr und 2% über den fünf Jahren. Raps (+1% gegenüber März) soll mit 3,25 t/ha 3% schwächer als voriges Jahr sowie 1% stärker als das Mittel der letzten fünf Jahre ausfallen.

Winterungen in Österreich und Umgebung normal entwickelt - Trockenheit noch nicht kritisch

In Österreich und seiner Umgebung - Slowenien, Ungarn, Tschechien und Slowakei - sind die Winterungen normal bis etwas fortgeschritten entwickelt. Die nur begrenzten Niederschläge seit Anfang März haben das Feuchtigkeitsdefizit in den Börden verstärkt, etwas Regen Mitte und Ende März hat die Austrocknung wieder gelindert. Die Lage ist noch nicht kritisch, muss aber insbesondere dort beobachtet werden, wo die Bestandsentwicklung bald Fahrt aufnimmt.
 
An Gerste sollen ebenso gleich wie im März 6,23 t/ha (-9% zum Vorjahr und +3% zum Mittel) eingebracht werden können, davon ebenso wie im Vorbericht 6,58 t/ha Wintergerste (-6% zum Vorjahr und +1% zum Mittel), und 4,73 t/ha Sommergerste (-9% zum Vorjahr und +4% zum Mittel). Mit 4,84 t/ha bleibt auch die Roggenprognose gleich wie im März (-8% zum Vorjahr und +4% zum Mittel) sowie die für Triticale von 5,76 t/ha (-7% zum Vorjahr und +4% zum Mittel) und Raps mit 3,29 t/ha Raps (+1% zum Vorjahr und +5% zum Mittel).

Optimismus für Maghreb und Türkei - Ukraine benötigt rasch Regen

Weiterhin sehr optimistische Ertragsprognosen erstellt MARS - sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch dem mehrjährigen Durchschnitt mit vielfach zweistelligen Zuwachsraten vor allem im westlichen Teil mit Marokko und Algerien - für den Maghreb. Der Südosten der Türkei verzeichnet ausreichend Niederschlag, im Nordwesten der Türkei ist es - wie auch im Nordosten Ungarns und dem Nordwesten Rumäniens - zu lokalen Frostereignissen gekommen. Im Westen und Norden der Ukraine sin die Kulturen mit einem Feuchtigkeitsdefizit aus der Winterruhe gestartet. Die fehlende Bodenfeuchtigkeit ist noch nicht kritisch, so lange die Bestände noch wenig Wasser benötigen, könnte es aber bald werden, wenn nicht rasch Niederschläge fallen.
 
MARS prognostiziert der Ukraine - so wie schon im März - um 6% bessere Weizenerträge als 2025 und um 4% mehr als im Fünfjahres-Schnitt, davon Weichweizen 6% beziehungsweise 4% mehr sowie 4% mehr Gerste als im Vorjahr und 3% über dem Schnitt. An Mais wird 4% Mehrertrag gegenüber 2025 und um 2% mehr als im Schnitt erwartet sowie an Sojabohnen 13% respektive 11%.

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