MARS-Bulletin Juli 2026: EU-Ertragsprognose sinkt vor allem bei Sommerungen deutlich

Hitzewellen beschleunigten Abreife von Winterungen und bedrohen Sommerungen
Der Wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission (JRC, Joint Research Center) senkt im MARS-Bulletin (Monitoring Agricultural Ressources) vom Juli gegenüber dem Vormonat die Ertragsprognosen für alle Winterungen und insbesondere die Sommerungen in der EU. Auch Österreichs Hektarerträge werden auf zumeist unterdurchschnittliche Werte zurückgenommen.
Wiederholte Hitzewellen verkürzten die Kornfüllungsphase von Winterkulturen und beschleunigten die Ernte. Die Erträge werden gegenüber Juni um 1 bis 4% und für alles Getreide auf 1% unter dem fünfjährigen Durchschnitt gesenkt. Außergewöhnliche Hitze und wenig Regenfall in West- und Zentraleuropa drückten die Bodenfeuchtigkeit, verringerte den Biomasseaufbau und beeinträchtigte die Blütephase. Damit sinkt die Erwartung in die Flächenerträge aller Frühjahrs- und Sommerkulturen - allen voran von Mais und Sonnenblumen im Ausmaß von 6 bis 7%. Westeuropa habe ein weiteres Anhalten der heißen und trockenen und Bedingungen zu erwarten, was die Wahrscheinlichkeit noch weitergehender Ertragsminderungen steigert. Eine eingehende Analyse der Türkei in dieser Ausgabe erwartet nach einem kühlen und nassen Frühling Rekorderträge von Winterungen und gute Aussichten für die Sommerungen.

Ungarn noch stärker von Hitze und Dürre betroffen als Österreich, Tschechien und die Slowakei

In Österreich, Tschechien und der Slowakei sorgte das heiße und trockene Wetter Ende Juni, wobei vor allem der Winterweizen mit einem etwas späteren Entwicklungsstand von der Spitze der Hitzewelle getroffen wurde. Regen im Juli verschaffte etwas Erleichterung, kam aber für die Winterkulturen zu spät. Die Sommerkulturen erreichten ihre empfindlichsten Entwicklungsstadien, Wassermangel beeinträchtigte aber weiterhin Grünmassebildung und Blüte in Ostösterreich, Südtschechien und der westlichen Slowakei. Noch stärker treffen die Auswirkungen der Dürre Ungarn und das westliche Rumänien, wo die Entwicklung der Sommerungen substanziell betroffen wurde.

EU: Ertragsprognosen sinken durch die Bank - Mais und Sonnenblumen sind Hauptbetroffene

MARS kürzt die Prognose für die Hektarerträge 2026 in der EU 2026 beim gesamten Getreide binnen Monatsfrist um 4% auf 1% weniger als im Durschnitt der vergangenen fünf Jahre.
An Weizen insgesamt sollen es 5,66 t/ha (-130 kg bzw. -2% gegenüber Juni) werden - das sind 7% weniger als im Vorjahr und gerade der Durschnitt der letzten fünf Jahre. Davon erwartet MARS an Weichweizen 5,88 t/ha (-120 kg bzw. -2% gegenüber Juni) und ebenso 7% weniger als 2025 und den fünfjährigen Durchschnitt. Für Durum werden 3,53 t/ha (-160 kg bzw. -4% gegenüber Juni) sowie 5% weniger als im Vorjahr und doch noch um 1% mehr als im fünfjährigen Schnitt genannt.
 
An Gerste werden 5,02 t/ha (-70 kg bzw. -1% gegenüber Juni) prognostiziert - ein am Mehrjahres-Schnitt liegendes Minus von 11% zum Vorjahr. Dabei sollen es mit 4,81 t/ha Sommergerste (-80 kg bzw. -2% gegenüber Juni) 11% weniger als im Vorjahr und um 1% mehr als im Fünfjahres-Mittel werden, an Wintergerste 5,10 t/ha (-70 kg bzw. -1% gegenüber Juni) und 11% weniger als im Vorjahr gerade der Durchschnitt. Der geschätzte Roggenertrag von 4,28 t/ha (-90 kg bzw. -2% gegenüber Juni) liegt 8% unter Vorjahresniveau sowie am mehrjährigen Schnitt, der von Triticale mit 4,34 t/ha (-60 kg bzw. -1% gegenüber Juni) fällt zum Vorjahr um 8% und zum Durchschnittsniveau um2%. Raps soll mit 3,14 t/ha (-40 kg bzw. -1% gegenüber Juni) um 6% weniger Ertrag als im Vorjahr und 2% weniger als der Schnitt der vergangenen fünf Jahre einbringen.
 
Besonders hart erwischt es mit den Kürzungen Körnermais und Sonnenblumen: Dem Mais wird ein Ertrag von 6,93 t/ha vorausgesagt. Das sind 450 kg oder 6% weniger als vor einem Monat sowie um 3% weniger als 2025 und 2% unter dem als das Fünfjahres-Mittel. Die Prognose für Sonnenblumenkerne liegt nun bei 1,94 t/ha (-140 kg bzw. -7% gegenüber Juni) und bleibt somit um 4% über dem Vorjahr, jedoch um 2% unter den fünf Jahren. Den Ertrag von Sojabohnen schätzt das Bulletin auf 2,62 t/ha (-130 kg bzw. -5% gegenüber Juni), was einem Minus von 6% zum Vorjahr und von 2% zum fünfjährigen Mittel entspricht.

In Frankreich und Österreichs Umland sinken Maisprognosen besonders drastisch

Innerhalb der Länderprognosen sinken gegenüber Juni besonders drastisch die Erwartungen in die Maiserträge Frankreichs um 13% (-11% zum Vorjahr und -15% zum Fünfjahres-Schnitt), sowie in Österreichs Nachbarschaft die Ungarns um 27% (-13% zum Vorjahr und -22% zum Fünfjahres-Schnitt), Italiens um 17% (-17% zum Vorjahr und -14% zum Fünfjahres-Schnitt), der Slowakei um 14% (-22% zum Vorjahr und -10% zum Fünfjahres-Schnitt) sowie Tschechiens um 6% (-12% zum Vorjahr und -10% zum Fünfjahres-Schnitt) und Deutschlands um 6% (-8% zum Vorjahr und -5% zum Fünfjahres-Schnitt).

Ertragsprognosen für Österreich nunmehr fast zur Gänze unter dem fünfjährigen Mittel

Auch die Prognose für Österreichs Körnermaisertrag nimmt MARS zum Juni um 6% (-10% zum Vorjahr und -3% zum Fünfjahres-Schnitt) auf 10,1 t/ha zurück. Jene für Sonnenblumenkerne wird um 5% (-13% zum Vorjahr und -3% zum Fünfjahres-Schnitt) auf 2,59 t/ha nach unten revidiert. Für die heimischen Sojabohnen korrigiert der Ertrag zum Juni 4% auf 2,90 t/ha (-9% zum Vorjahr und -1% zum Mittel) nach unten. Das JRC kürzt den Rapsertrag hierzulande gegenüber Juni um 4% auf 3,05 t/ha (-7% zum Vorjahr und -3% zum Mittel).
 
Den Weizenertrag in Österreich setzt das Bulletin mit 5,64 t/ha an und um 5% im Monatsabstand herab (-9% zum Vorjahr und -4% zum Mittel), davon den von Weichweizen ebenso um 5% auf 5,69 t/ha (-9% zum Vorjahr und -4% zum Mittel) sowie jenen von Durum um 6% auf 5,09 t/ha (-13% zum Vorjahr und -5% zum Mittel). Um 3% um Monatsabstand auf 6,08t/ha (-10% zum Vorjahr und -1% zum Mittel) geht die Gerstenschätzung zurück - davon die von Wintergerste um 3% auf 6,43 t/ha (-8% zum Vorjahr und -2% zum Mittel) und jene von Sommergerste um 6% auf 4,55 t/ha (-12% zum Vorjahr und -2% zum Mittel). Roggen wird um 7% schwächer auf 4,55 t/ha (-13% zum Vorjahr und +2% zum Mittel) und Triticale um 3% schlechter auf 5,63 t/ha (-9% zum Vorjahr und +1% zum Mittel).

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