Prognosen für EU-Versorgungs-Bilanzen 2025/26 und 26/27 im Überblick - März 2026
Weizen 2025/26: Export und Mehrverbrauch gleichen größeres Angebot nicht aus - 2026/27 weniger Weizen und mehr Mais
Für das Wirtschaftsjahr 2025/26 sind sich alle herangezogenen Bilanzprognosen einig, dass es in der EU zu einem Bestandsaufbau bei Weizen und Getreide insgesamt kommen wird. Kurz gesagt können beim Weizen ein Mehrverbrauch und größere Exportmengen gegenüber 2024/25 ein deutlich größeres Angebot aus der Ernte 2025 die Bilanz nicht ausgleichen. Dazu kommt, dass sich im Laufe der monatlichen Prognosen die Angebotsschätzungen für die Union wiederholt erhöht, die Exportaussichten aber stetig verfinstert haben - im WASDE zuletzt von Februar auf März um 1,0 Mio. t auf 30,5 Mio. t Weizen und von der EU-Kommission um 0,50 Mio. t auf 28,00 Mio. t Weichweizen.
Der EU-Getreidehandelsverband Coceral ist für den Weichweizen-Export 2025/26 der EU etwas optimistischer als die EU-Kommission. Er erwartet jedoch einen deutlich höheren Endbestand als die EU-Behörde. Diese schätzt die Endbestände von Weichweizen der EU im laufenden Wirtschaftsjahr nunmehr auf 14,72 Mio. t - um 0,36 Mio. t mehr als Anfang März und um 6,61 Mio. t mehr als im Vorjahr. Die Endlagerschätzungen des GMR vom IGC und des WASDE-Reports für 2025/26 rangieren zwischen 14,9 und 15,8 Mio. t. Dies entspricht einem Lageraufbau 4,6 Mio. t oder 44,7% laut IGC und um 4,0 Mio. t beziehungsweise 34,3% laut WASDE. Der Getreiderat geht von einem Anteil der Weizenendlager am Verbrauch (stock to use) von 10,3% aus, das US-Agrarressort USDA ganz ähnlich von 10,7%. Beide liegen aber noch deutlich unter den globalen Schätzungen von stock to use von 33,6% (WASDE) und 33,3% (GMR). Nach gängiger Marktmeinung weist die Union einen dennoch engen Endlageranteil am Verbrauch auf.
EU geht mit prall gefülltem Weizenrucksack in die kommende Saison 2026/27
Alle bisherigen Vorschauen auf die Ernte 2026 sind angesichts des frühen Entwicklungsstadiums der Winterungen noch sehr spekulativ. Sie gehen aber von einem Rückgang der Weizenproduktion in der EU aus. Die EU-Kommission erwartet 125,9 Mio. t Weichweizen (-8,4 Mio. t oder -6,2%), Coceral in der Ernteprognose 128,8 Mio. t (-8,7 Mio. t oder -6,3%). Die Weizenprognose des IGC lautet 137,5 Mio. t (-5,6 Mio. t oder -3,9%). Jedenfalls hat die Union 2026/27 aus der laufenden Saison heraus einen prall mit Weizen gefüllten Rucksack mitzutragen. Dies auch im Hinblick auf die Vermarktungsstrategien in der auslaufenden Saison zur Vermeidung allfälligen Lagerraumdrucks. Hinzu kommt eine unsichere geopolitische Lage mit der Eskalation in Nahost mit noch unschätzbaren weitern Folgen für Wirtschaftsentwicklung, Energiepreise bei Produktion und Transport sowie auf Verfügbarkeit, Kosten und Einsatz von Düngemitteln (siehe Analyse möglicher Folgen des Nahost-Konflikts des IGC). Ein Fragezeichen steht auch dahinter, wie sich dies auf das Anbauverhalten in der Frühjahrskampagne und nach der Sommerernte niederschlagen werde.
EU-Kommission: S&D 03/2026 Getreide zu Monat (m/m) und Jahr davor (y/y)
| Weichweizen | Ernte | Angebot | Export | Import | Verbrauch | Endlager |
| 2026/27 | 125,85 | 144,47 | 29,98 | 3,90 | 103,54 | 10,96 |
| Diff. y/y | -8,37 | -1,76 | +1,98 | 0,00 | +0,03 | -3,76 |
| 2025/26 | 134,22 | 146,23 | 28,00 | 3,90 | 103,51 | 14,72 |
| Diff. y/y | +23,26 | +10,35 | +2,58 | -4,15 | +1,15 | +6,61 |
| Diff. m/m | -0,14 | -0,13 | -0,50 | 0,00 | 0,00 | +0,36 |
| 2024/25 | 110,96 | 135,88 | 25,42 | 8,05 | 102,36 | 8,11 |
| Mais | ||||||
| 2026/27 | 61,19 | 97,47 | 3,99 | 19,30 | 77,20 | 16,28 |
| Diff. y/y | +3,07 | +2,12 | +2,49 | +0,50 | +0,33 | -0,70 |
| 2025/26 | 58,12 | 95,35 | 1,50 | 18,80 | 76,87 | 16,98 |
| Diff. y/y | -1,12 | -3,15 | -1,47 | -1,20 | -0,22 | -1,45 |
| Diff. m/m | -0,86 | +0,14 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | +0,14 |
| 2024/25 | 59,24 | 98,50 | 2,97 | 20,00 | 77,09 | 18,43 |
| Getreide gesamt |
||||||
| 2026/27 | 278,07 | 347,38 | 45,37 | 26,35 | 260,04 | 41,98 |
| Diff. y/y | -9,22 | +2,60 | +3,55 | +0,36 | +0,05 | -0,99 |
| 2025/26 | 287,29 | 344,78 | 41,82 | 25,99 | 259,99 | 42,97 |
| Diff.Diff. y/y | +33,36 | +15,56 | +2,99 | -5,72 | +1,10 | +11,47 |
| Diff. m/m | -0,14 | -0,44 | -0,50 | -0,30 | 0,00 | +0,06 |
| 2024/25 | 253,93 | 329,22 | 38,83 | 31,71 | 258,89 | 31,50 |
Quellen: Europäische Kommission Präsentationen "EU cereals market" vom 26.03.2026 und 03.03. 2026, eigene Berechnungen. Zahlenangaben in Mio t.
Diff. y/y = Differenz zum Jahr davor
Diff. m/m = Differenz zur Vormonatspräsentation (03.03.2026)
EU-Weizen-Endlager 2026/27: EK und Coceral schätzen Abbau - IGC erwartet Aufbau bei allem Weizen
Die EU-Kommission sieht 2026/27 einen Abbau der Weichweizen-Endlager um 3,8 Mio. t oder 25,5% auf 10,96 Mio. t - dabei erwartet sie gegenüber 2025/26 neben der kleineren Ernte (125,85 Mio. t) um 1,48 Mio. t mehr Export von 29,98 Mio. t. Der Eigenverbrauch steigt demnach nur minimal um 0,03 Mio. t auf 103,54 Mio. t. Coceral setzt die Prognosen für die Ernte 2026 und den Export etwas optimistischer an, erwartet aber einen höheren Endlagerstand und einen geringeren Lagerabbau.
Der IGC sieht dementgegen 2026/27 in seiner Bilanzschätzung des gesamten Weizens auf die EU einen weiteren Lageraufbau um 0,9 Mio. t oder 6,0% auf 15,8 Mio. t (11,0% stock to use) zukommen. Denn das Angebot sinkt im Jahresabstand nur um 0,6 Mio. t, der Import steigt um 0,3 Mio. t, der Export um 0,9 Mio. t und der Eigenverbrauch geht um 2,5 Mio. t zurück.
Der IGC sieht dementgegen 2026/27 in seiner Bilanzschätzung des gesamten Weizens auf die EU einen weiteren Lageraufbau um 0,9 Mio. t oder 6,0% auf 15,8 Mio. t (11,0% stock to use) zukommen. Denn das Angebot sinkt im Jahresabstand nur um 0,6 Mio. t, der Import steigt um 0,3 Mio. t, der Export um 0,9 Mio. t und der Eigenverbrauch geht um 2,5 Mio. t zurück.
2025/26: EU rationiert Maisverbrauch - 2026/27 Steigerung der Produktion und dennoch mehr Einfuhren
Der von strukturellem Defizit aus Eigenversorgung gekennzeichnete Maismarkt ist 2025/26 von Importen im Ausmaß von 19,5 Mio. t (IGC und WASDE) abhängig. Zudem rationiert die Europäische Union gemäß IGC ihren Maisverbrauch gegenüber 2024/25 um 1,9 Mio. t auf 75,1 Mio. t. Der Rat prognostiziert zur Ernte 2026 eine Steigerung der EU-Maisproduktion um 1,0 Mio. t auf 59,0 Mio. t und COCERAL eine Erholung um 1,4 Mio. t auf 60,6 Mio. t. Gleichzeitig erwartet der Londoner Getreiderat 2026/27 eine Zunahme des EU-Maisverbrauchs um 2,4 Mio. t, womit auch die Einfuhren um 0,5 Mio. t auf 20,0 Mio. t zulegen sollten.
Die EU-Kommission nimmt an ihrer bisherigen Bilanzschätzung 2025/26 gegenüber Anfang März kaum Änderungen vor. 2026/27 prognostiziert sie eine Erholung der Ernte um 3,07 Mio. t auf 61,2 Mio. t und nur eine minimale Verbrauchssteigerung um 0,33 Mio. t auf 77,2 Mio. t. Weil die Union aber um 2,49 Mio. t mehr Mais als 2025/26 exportieren soll, sieht auch die Kommission einen Anstieg der Einfuhren - nämlich um 0,50 Mio. t auf 19,3 Mio. t.
Die EU-Kommission nimmt an ihrer bisherigen Bilanzschätzung 2025/26 gegenüber Anfang März kaum Änderungen vor. 2026/27 prognostiziert sie eine Erholung der Ernte um 3,07 Mio. t auf 61,2 Mio. t und nur eine minimale Verbrauchssteigerung um 0,33 Mio. t auf 77,2 Mio. t. Weil die Union aber um 2,49 Mio. t mehr Mais als 2025/26 exportieren soll, sieht auch die Kommission einen Anstieg der Einfuhren - nämlich um 0,50 Mio. t auf 19,3 Mio. t.
Ölsaaten 2026/27 insgesamt etwas mehr aber weniger Raps
Bei den Ölsaaten sagt der EU-Getreidehandelsverband COCERAL in seiner jüngsten Ernteschätzung für 2026 der EU-27 gegenüber dem Vorjahr eine Produktionssteigerung um 0,6 Mio. t auf 32,7 Mio. t voraus. Dies ist Zuwächsen bei Sonnenblumen (+0,6 Mio.t auf 9,5 Mio. t) und Sojabohnen (+ 0,1 Mio. t auf 3,1 Mio. t) zu verdanken. Die Rapsernte wird hingegen um gut 0,4 Mio. t beziehungsweise 2,1% kleiner auf 20,1 Mio.t geschätzt.
Die EU-Kommission schätzt ähnlich 32,3 Mio. t Ölsaatenerzeugung mit einem jährlichen Zuwachs von 1,03 Mio. t. Wie Coceral erwartet sie etwas weniger Raps (19,9 Mio. t, -0,25 Mio.t) und mehr Sonnenblumen (9,6 Mio. t, +1,21 Mio. t) sowie Sojabohnen (2,82 Mio. t, +0,06 Mio. t).
Die EU-Kommission schätzt ähnlich 32,3 Mio. t Ölsaatenerzeugung mit einem jährlichen Zuwachs von 1,03 Mio. t. Wie Coceral erwartet sie etwas weniger Raps (19,9 Mio. t, -0,25 Mio.t) und mehr Sonnenblumen (9,6 Mio. t, +1,21 Mio. t) sowie Sojabohnen (2,82 Mio. t, +0,06 Mio. t).
EU-Kommission: S&D 03/2026 Ölsaaten zu Monat (m/m) und Jahr davor (y/y)
| Raps/b> | Ernte | Angebot | Export | Import | Verbrauch | Endlager |
| 2026/27 | 19,90 | 26,67 | 0,51 | 5,93 | 25,44 | 0,72 |
| Diff. y/y | -0,25 | +0,19 | -0,09 | +0,43 | +0,39 | -0,11 |
| 2025/26 | 20,15 | 26,48 | 0,60 | 5,50 | 25,05 | 0,83 |
| Diff. y/y | +3,38 | +0,92 | +0,22 | -2,46 | +0,70 | 0,00 |
| Diff. m/m | -0,02 | -0,02 | 0,00 | 0,00 | -0,02 | 0,00 |
| Sonnenblumen | ||||||
| 2026/27 | 9,57 | 11,37 | 0,59 | 0,92 | 9,90 | 0,87 |
| Diff. y/y | +1,21 | +1,28 | -0,25 | +0,07 | +1,53 | -0,01 |
| 2025/26 | 8,36 | 10,09 | 0,84 | 0,85 | 8,37 | 0,88 |
| Diff. y/y | +0,03 | +0,26 | +0,10 | +0,22 | +0,15 | 0,00 |
| Diff. m/m | -0,01 | 0,00 | +0,10 | 0,00 | -0,11 | 0,00 |
| Sojabohnen | ||||||
| 2026/27 | 2,82 | 18,07 | 0,28 | 13,95 | 16,53 | 1,27 |
| Diff. y/y | +0,06 | +0,01 | -0,04 | -0,05 | +0,09 | -0,03 |
| 2025/26 | 2,76 | 18,06 | 0,32 | 14,00 | 16,44 | 1,30 |
| Diff. y/y | -0,24 | -0,82 | -0,04 | -0,58 | -0,78 | 0,00 |
| Diff. m/m | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 |
| Ölsaaten gesamt |
||||||
| 2026/27 | 32,30 | 56,11 | 1,38 | 20,80 | 51,87 | 2,86 |
| Diff. y/y | +1,03 | +1,48 | -0,38 | +0,45 | +2,01 | -0,15 |
| 2025/26 | 31,27 | 54,63 | 1,76 | 20,35 | 49,86 | 3,01 |
| Diff.Diff. y/y | +3,18 | +0,35 | +0,28 | -2,82 | +0,07 | 0,00 |
| Diff. m/m | -0,02 | -0,02 | +0,10 | 0,00 | -0,12 | 0,00 |
Quellen: Europäische Kommission Präsentation \\\\\\\"Balance sheet for Oliseeds (EU)\\\\\\\" vom 26.03.2026 und 03.03. 2026, eigene Berechnungen. Zahlenangaben in Mio t.
Diff. y/y = Differenz zum Jahr davor
Diff. m/m = Differenz zur Vormonatspräsentation (03.03.2026)
Info-Service der Wiener Produktenbörse vergleicht marktrelevante Prognosen
Die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien stellt in anlassbezogenem Abstand als Info-Service und Orientierungshilfe für alle Marktteilnehmer Überblicke über marktrelevante Prognosen zu den Versorgungsbilanzen europäischen Märkte zur Verfügung. Diese stellen die jeweiligen Prognosen als Tabellen dar und erklären die Entwicklung der Trends. Dieser Bericht vergleicht die aktuellen März-Prognosen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA-WASDE-Report) für das Wirtschaftsjahr 2025/26, des Internationalen Getreiderats (IGC-GMR) und der europäischen Kommission (EK) mit jeweils den ersten Prognosen auch für 2026/27 sowie des EU-Dachverbandes des Getreidehandels (Coceral) untereinander sowie mit den jeweils letzten veröffentlichten